Im gut besetzten Gartensaal des Kongresshauses Zürich fand vor wenigen Tagen der Roundtable zum Thema «Risiken des globalen Finanzmarktes und die Folgen für den Finanzplatz Schweiz» statt. Die Diskussionsrunde im Rahmen der Messe für strukturierte Produkte wurde vom Chefredaktor der «Handelszeitung», Martin Spieler, moderiert.

«Bei den Anlegern hat sich die Risikobereitschaft geändert», hielt Christian De Prati, CEO von Merrill Lynch Capital Markets, fest. Die Geschichte wiederhole sich, es komme immer wieder zu Krisen. Zukünftig seien strengere Kontrollorgane nötig, diese dürften jedoch nicht zu stark in den Markt eingreifen.

Die Verflechtung der Finanzmärkte werde zu strengeren Regulatorien führen, so Urs Rüegsegger, CEO der SIX Group. Die bereits angeschlagenen Banken befänden sich in einem schlechten Börsenumfeld. «Der Finanzplatz Schweiz hat sich über Sicherheit und Stabilität verkauft», so Rüegsegger. Dies werde nun in Frage gestellt. Denn: «Die Blase ist an einer Ecke geplatzt, wo es niemand erwartet hat», so Rüegsegger.

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«Das Vertrauen zwischen den Banken ist weg», so Roger Studer, Head of Investment Banking der Vontobel-Gruppe. Das Wirtschaften ohne Vertrauen gehe nicht. «Der Druck auf das Bankgeheimnis wird durch die Krise zunehmen», hält Studer fest. Man müsse aber auch sehen, dass von 500 Banken 490 ein vernünftiges Geschäft machten. Die betroffenen Institute hätten Konkurs gehen können, doch die Kosten, die durch die Rettung entstehen würden, seien geringer.

Für den emeritierten Wirtschaftsprofessor und Publizisten Walter Wittmann haben alle Krisen letztlich die gleiche Ursache: Es werden Kredite für Spekulationen gewährt. «Die Finanzindustrie hat sich seit den 90er Jahren nicht mehr für die Realwirtschaft interessiert, sondern nur noch ein Finanzkasino betrieben», so Wittmann. Nun habe man 70 Mrd Fr. nur für ein Finanzinstitut aufgewendet. «Wir sind in der gleichen Position wie Island», so Wittmann. Jedoch habe es keine Alternativen gegeben, der Staat musste in dieser Situation einspringen.