Laut dem Marktforschungsinstitut GFK zeichnet sich eine leichte Erholung im europäischen Markt für technische Gebrauchsgüter ab. Dieses Bild bestätigt sich auch in der Schweiz. Eine Umfrage der «Handelszeitung» bei den wichtigsten Händlern von Unterhaltungselektronik zeigt, dass das Weihnachtsgeschäft zumindest den Erwartungen entsprechend verlief. Interdiscount, Media Markt/Saturn, M-Electronics, Fust und der Online-Händler Digitec zeigen sich zufrieden.

Vor allem grosse Flachbildfernseher verkauften sich in diesem Jahr sehr gut. Bei Fust stellte man sogar eine Verknappung der Geräte fest. Der Trend zu den flacheren Fernsehern setzt sich damit fort. Das, obwohl bereits 62% der Schweizer Haushalte über einen Flachbildfernseher verfügen und die Verbreitung im Vergleich zum Ausland bereits relativ hoch ist (siehe Grafik). «Der Markt bei den Flachbildfernsehern ist noch nicht gesättigt», so GFK-Experte Luca Giuriato. Besonders die qualitativ hochwertigen Produkte sind im Moment gefragt.

«Die Konsumenten sind bereit, für neue Geräte Geld auszugeben», so Giuriato. Sie würden vermehrt zu innovativeren und entsprechend zu teureren Produkten greifen. Auch Digitec verzeichnet bei hochwertigen und aktuellen TV-Geräten mit neuer LED-Technologie erfreuliche Zahlen. Zudem sind Notebooks, Navigationsgeräte, Handys und Fotoapparate in diesem Jahr beliebte Weihnachtsgeschenke.

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Mehr Personal wegen Ansturm

Das Weihnachtsgeschäft ist für die Branche nach wie vor wichtig. Laut GFK beträgt der Umsatz in der Unterhaltungselektronik im Dezember rund das 1,5-Fache eines Durchschnittsmonats. Um den Andrang aufzufangen, ist mancherorts ein Mehraufwand nötig. Bei Digitec wurde das Personal aufgestockt, um den Beratungsservice bei E-Mail-Anfragen, über die Hotline und vor Ort zu gewährleisten. Doch auch wenn das Geschäft insgesamt zufriedenstellend verlief, habe man sich bei einzelnen Produktkategorien mehr erhofft. So habe sich Fust beim Absatz von Heizungen und Luftbefeuchtern mehr versprochen. Auch bei M-Electronics sind in diesem Jahr Geräte aus dem Bereich Haushalt-Elektro weniger gefragt.

Preiskampf bei Videospielen

Unter so manchem Weih-nachtsbaum werden sich auch die aktuellen Spielkonsolen befinden. Allerdings ist das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr durch einen deutlich stärkeren Preis-druck geprägt als noch im Vorjahr. Laut Computerspiele-Branchenverband SIEA war der Schweizer Gesamtmarkt im 3. Quartal um 7,5% rückläufig. Doch normalerweise werden im Dezember doppelt so viele Videospielkonsolen wie in jedem anderen Monat abgesetzt. Entsprechend ist ABC Software, einer der grössten Distributoren für PC- und Videospiele, zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. «Vor allem Sportspiele haben sich in diesem Jahr wieder erfreulich gut verkauft», so Christine Frey von ABC. So lief etwa der wichtige Fussball-Titel Fifa 10 von EA Sports aufgrund der verbesserten Qualität besser als im letzten Jahr. Nicht nur Sport-, auch Partyspiele sind gefragt. «Vielleicht bleiben die Kunden wegen der Krise eher zuhause und nützen die Möglich- keit einer Unterhaltungsform, welche stundenweise Vergnügen schenkt», so Frey. Neue effiziente Fitness-Spiele wie EA Sports Active Personal Trainer würden speziell Frauen ansprechen. Denn Konsumentinnen können so bequem zuhause ihr Workout durchführen und haben dadurch mehr Zeit für sich oder auch für die Kinder. «Spiele mit der Familie sind derzeit ein starker Trend», so Frey.

Trotz des ohnehin schon harten Preiskampfes könnten geduldige Kunden nach Weihnachten von zusätzlichen Rabatten profitieren. So ist etwa bei Interdiscount der nächste Ausverkauf bereits in Planung. Dabei werden Sonderangebote in allen Produktegruppen angeboten. Auch bei Digitec kann Anfang nächstes Jahr mit Ermässigungen gerechnet werden. Im Frühling werden diverse aktuelle Artikel durch neue Gerätegenerationen mit moderneren Technologien abgelöst. Entsprechend diesem Lebenszyklus von Produkten könne es zu erneuten Preisabschlägen kommen. Solche Rabatte fielen aber je nach Kategorie unterschiedlich stark aus.

2010 Comeback des Fachhandels

«Im Januar werden die Preise kaum mehr deutlich sinken können, da sie sich bereits auf sehr tiefem Niveau bewegen», zeigt sich Giuriato skeptisch. Der Preis spielt auch nicht mehr eine so grosse Rolle wie noch vor wenigen Monaten. Zuletzt hat sich nämlich laut Giuriato ein bemerkenswerter Trend abgezeichnet: Der Kunde wünscht sich wieder vermehrt Service und Beratung. Davon kann gerade der klassische Fachhandel enorm profitieren.

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