Insgesamt 65000 Stellen haben die weltgrössten Geschäfts- und Investmentbanken in Folge der Kreditmarktkrise in den letzten zehn Monaten gestrichen. Es trifft vor allem Investmentbanker an der Wall Street, aber auch am Finanzplatz Schweiz streicht die UBS 1500 von insgesamt 7000 abzubauenden Arbeitsplätzen. In Zürich schickt die UBS 200 Mitarbeitende auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber oder auf den Weg zur Arbeitsvermittlung.

Die Credit Suisse (CS) hat die Belegschaft im Investment Banking um rund 1000 Mitarbeitende reduziert, grösstmehrheitlich aber ausserhalb der Schweiz. «Damit reagierten wir auf veränderte Volumen in gewissen Geschäftsbereichen. Gleichzeitig wird in anderen Bereichen des Investment Banking aufgebaut», führt Mediensprecher Marc Dosch aus. Und: «Wenn es bei uns in der Schweiz zum Abbau kommt, dann ist dies das Ergebnis des laufenden Überprüfens von Kapazitäten und des Verbessern von Effizienzen.»

Trennen von Leistungsschwachen

Mit der Kreditkrise müssen die Kündigungen derzeit gar nicht viel zu tun haben. So hatte die von der Subprime-Krise weitgehend verschont gebliebene US-Investmentbank Goldman Sachs ebenfalls den Abbau von 1500 Stellen bekannt gegeben und erklärt, die Entlassungen seien Teil der Unternehmensstrategie, sich von leistungsschwachen Mitarbeitern zu trennen. «Manche Institute nutzen auch die Gunst der Stunde, um sich in der allgemeinen Entlassungswelle von unliebsamen Mitarbeitenden zu trennen», weiss Peter J. Odermatt, CEO von Corinthe Executive Search in Zürich.

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Top-Banker bleiben sehr begehrt

Die letztlich vergleichsweise geringe Zahl der Kündigungen in der Schweiz wird kaum zu einer Entspannung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt für Finanzfachleute führen. Vor allem Private Banker bleiben begehrt. Allein die UBS will, trotz des Stellenabbaus im Investment Banking, weltweit 2000 neue «Relationsship-Manager» in der Vermögensverwaltung einstellen. «Top-Private-Banker werden immer gesucht, aber primär geht es nicht um die Personen, sondern um die Neugelder, die sie in das neue Institut einbringen», sagt Odermatt. Deshalb wechseln aber Private Banker im Allgemeinen nicht gern den Arbeitgeber, denn dies hat auch immer eine Verkleinerung ihres Kundenportfolios zur Folge, da in der Regel nur 10 bis 50% der verwalteten Gelder zur neuen Bank getragen werden können.

Dass sich das Personalkarussell im Top-Bankensektor derzeit dennoch schneller dreht als sonst, ist Zeichen der Unzufriedenheit enttäuschter Mitarbeitender. Die Privatbanken berichten unisono von wechselwilligen Bankern. «Jetzt kommt man mit interessanten Relationsship-Managern einfacher ins Gespräch als noch vor einigen Monaten», bestätigt beispielsweise die Privatbank Julius Bär, die ohne grosse Imageschäden aus der Kreditmarktkrise gekommen ist.