Sieben Jahre lang stand Rudolf Fischer an der Cablecom-Spitze. Und obwohl die Kabelnetzbetreiberin heute ein profitables Unternehmen mit eigener Infrastruktur ist, glich Fischers Amtszeit einer Folge von Pech und Pannen. Zu wenig Personal beim Kundendienst sorgte gleich zu Beginn seiner Amtszeit für Negativschlagzeilen. Kaum hatte sich die Lage beruhigt, geriet der 52-Jährige in die Kritik, weil er verschiedene analoge TV-Kanäle abstellte. Und just als sich die Volksseele wieder beruhigt hatte, brachte die jüngste Softwarepanne, die zu abertausenden von falschen Rechnungen führte, das Fass definitiv zum Überlaufen.

Genug hat nun ganz offensichtlich auch Fischer selbst. Denn als Chef musste er öffentlich den Kopf für all diese Entscheide hinhalten, wirklich mitreden konnte er indes nur bei den wenigsten. So hatte er vor der Einführung der neuen Software aus dem Mutterhaus angeblich die Wahl, diese trotz Mängel zu verwenden oder aber mit dem alten System weiterzuarbeiten. Geld für eine andere Software gabs nicht. Weggefährten sagen denn auch über Fischer, er sei «zu lieb» gewesen für diesen Posten und habe zu viele Entscheide aus dem Mutterhaus «abgenickt». Dies habe zu einer Reihe von Abgängen im Management geführt.

Cablecom-Sprecher Hans-Peter Nehmer erklärt, Fischers Zukunft sei noch offen. Er bleibe im Amt, bis seine Nachfolge geregelt sei. Bis dahin wird er mit Gene Musselman, dem Chef der europäischen Muttergesellschaft UPC, zusammenarbeiten.

Regionale Kundencenter

Cablecoms Plan, das Geschäft in den kommenden Wochen gründlich umzukrempeln und bis zu 150 Stellen abzubauen, wird dem ohnehin ramponierten Image von Cablecom weiteren Schaden zufügen. Doch mit der stärkeren Integration ins Mutterhaus sollen die Kosten drastisch gesenkt werden können. Sprecher Nehmer bestätigt, dass auch er selbst von der Reorganisation betroffen ist: Der Bereich Human Resources, Recht und Kommunikation wird neu in einem Bereich zusammengefasst. Die bisherigen Spartenleiter werden nicht mehr Mitglieder der Geschäftsleitung sein.

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Immerhin eine Lektion scheint die Cablecom nach den jahrelangen Protesten der Kunden gelernt zu haben: Im Kundendienst soll nicht gespart werden. Nach Informationen der «Handelszeitung» will Cablecom in grossen Städten weitere Kundenshops eröffnen. Diese heissen bei der Kabelnetzbetreiberin «Servicepoints». Kunden können dort defekte Geräte tauschen – etwa Boxen oder Modems –, Fragen zur Rechnung klären und Zubehör kaufen. Auch Verträge fürs digitale Fernsehen können in den Shops abgeschlossen werden. Nehmer bestätigt: «Mitte November haben wir in Bern und Basel zwei weitere Servicepoints eröffnet. Damit bestehen derzeit insgesamt sechs Kontaktcenter für unsere Kunden.» Wie rasch es mit dem Ausbau zusätzlicher Shops weiter vorangeht, wird der künftige Chef nach seinem Amtsantritt entscheiden. Geplant sind aber bereits heute Servicepoints in Luzern und St. Gallen.

Die bisherigen Erfahrungen mit diesen Zentren hätten gezeigt, dass die Kunden den persönlichen Kontakt schätzen, sagt Nehmer. «Täglich kommen beispielsweise allein in Zürich rund 100 Kunden vorbei.»