Mit Uniformen ist das so eine Sache. Das wusste bereits Johann Wolfgang von Goethe, als er seinen Wilhelm Meister 1795 sagen liess: «Der Uniform sind wir durchaus abgeneigt, sie verdeckt den Charakter.» Lieber lässt sich das Gros der Menschheit heutzutage in Badehosen ablichten denn im normierten Vollwichs. «Das Individuum gewinnt an Bedeutung», sagt Caroline Weder, «unsere Aufgabe ist es, den Leuten zu zeigen, dass eine Uniform auch funktionell, bequem und ästhetisch sein kann.»

Männer gleich eitel wie Frauen

Weder hat mit Gut vor acht Jahren die Wederundgut GmbH gegründet. Der Zweifrauenbetrieb ist ein Generalunternehmen für Uniformen. «Wir machen Vorschläge, liefern Konzepte und Designs, wir nehmen Mass und kleiden ein», so Beatrice Gut. Und das äusserst erfolgreich – die Unternehmerinnen, die sich an der Textilfachschule Zürich kennengelernt haben, stechen im Wettbewerb um lukrative Aufträge auch mal internationale Konkurrenz aus. Ihr Vorteil: Direkte, weil kurze Wege, Erfahrung auf gestalterischer sowie logistischer Ebene, und, nicht ganz unwesentlich, der persönliche Kontakt zu einem jeden inskünftigen Träger. Das können je nach Firma oder Verein schon mal 200 auf einen Schlag sein.

Was die Eitelkeit anbelange, so würden im Übrigen die Männer den Frauen in nichts nachstehen, verrät Weder, «beide finden immer irgendetwas, das gerade nicht in Ordnung ist. Bei den Damen ist es meist die Hüfte, bei den Herren der Bauch.» Aber, Weder schmunzelt, sowohl das starke als auch das schöne Geschlecht versichere regelmässig: «Das ist nur vorübergehend, sie können also schon recht eng schneiden!»

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Uniformen werden von jeher primär für Männer gemacht. Das sieht an Frau nicht wirklich vorteilhaft aus. «Wir achten deshalb darauf, dass der jeweilige Schnitt zum Geschlecht passt», führt Gut aus. Egal, ob es sich nun um die Uniformierung einer Musikgesellschaft handelt oder um die Einkleidung der Frontmannschaft eines Grossunternehmens – «der oder die Einzelne muss sich wohl fühlen in der Uniform, sonst macht das keinen Sinn», sagt Gut. Nicht selten brauche es daher Überzeugungsarbeit, um den Auftraggeber von einem Stoff, einer Farbe oder einem Schnitt zu überzeugen.

Modeströmungen oder Zweckmässigkeit treffen oft auf konservative Vorstellungen. Oder umgekehrt. «Natürlich ist es einfacher, Uniformen für eine zweiwöchige Messe trendig zu gestalten als solche, die fünf Jahre halten müssen», betont Weder, die beim Entwurf aufgrund der strikten, auf die Unternehmensidentität ausgerichteten Vorgaben, gern auf Details wie Nähte und Formen achtet.

Zu den Trägern von Kreationen aus dem Hause Wederundgut gehören Elektriker genauso wie Hostessen, Croupiers ebenso wie Trompeter von Musikvereinen oder Mitglieder und Funktionäre von Fussballverbänden.

Für jeden Einsatz ein Outfit

Letztere im Übrigen standen einst auch ganz zuoberst auf der Kundenliste. «Eigentlich hat uns die Anfrage der Fifa, ihre Führungsriege auf die Olympischen Spiele 2000 in Sydney adäquat einzukleiden, erst auf die Idee mit dem Uniformendesign gebracht», verrät Weder. Mittlerweile umfasst der Kundenstamm rund 100 Firmen und Vereine, darunter namhafte wie Nespresso oder Amag. «Die Vielfalt der Kunden macht es so spannend», führt Gut aus und lässt die Hand durch die an einer Kleiderstange hängenden Uniformen gleiten. Immer mal zupft sie ein Stück heraus und präsentiert es kurz. Streng, elegant, leger: Für jeden Einsatz das richtige Outfit. Schwarz, braun, grau: Abgestimmt in der Farbe auf die Firmenphilosophie. Selbst gewöhnungsbedürftige Nuancen werden eingesetzt.

Die Euro 2008 steht vor der Tür. Auch bei Wederundgut. Für die Grossbank UBS hat das Designerduo ein Outfit entworfen, das sowohl sportlich als auch repräsentativ ist. Da das traditionelle Konzern-Kolorit (rot-weiss) von der Uefa für die Dauer des Turniers auf den textilen Index gesetzt worden ist, haben sich Weder und Gut für Silbergrau und Grasgrün entschieden. «Das Outfit soll sich klar von dem unterscheiden, das die Mitarbeiter in der Bank tragen», so Gut.

Hostessen, Helfer, Betreuer, Manager – wer ab 7. Juni im Solde der UBS in den Stadien sowie Public-Viewing-Zonen Dienst am Fussball tut, der läuft in Wederundgut auf. «Das grösste Kompliment für uns wäre, wenn die Kreationen auch über den Grossanlass hinaus getragen würden», lacht Gut.