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Widerspruch
Trotz Vergewaltigung: Millionen-Abfindung an Ex-Google-Manager

Andy Rubin

Andy Rubin: 2014 verliess der Top-Manager Google. Nun werden brisante Vorwürfe bekannt.

Quelle: 2017 Getty Images

Andy Rubin, Erfinder des Handybetriebssystems Android, soll eine Google-Mitarbeiterin sexuell bedrängt haben. Er wurde entlassen und kassierte Millionen.

Von Nicola Imfeld «Blick»
am 26.10.2018

Google wird von einem Skandal erschüttert: Andy Rubin, ein ehemaliger Top-Manager beim Internetgiganten, soll eine Mitarbeiterin in einem Hotelzimmer zu Sex genötigt haben. Das berichtet die «New York Times» unter Berufung auch verschiedene interne Quellen.

Andy Rubin gilt als «Vater» von Android – dem mit Abstand meistgenutzten Smartphone-Betriebssystem der Welt. Er war bis 2014 für die Weiterentwicklung von Android bei Google verantwortlich, ehe er das Unternehmen verliess. «Mit Android hat Andy etwas wirklich Aussergewöhnliches geschaffen - mit über einer Milliarde zufriedener Nutzer», schrieb das Unternehmen zu seinem Abschied. Was Google verschwieg: Sein Abgang hatte mit den Sex-Vorwürfen zu tun.

Das Mega-Abschiedsgeschenk

Die konkreten Vorwürfe gegen den Top-Manager lauten so: Rubin soll im Jahr 2013 eine Mitarbeiterin, mit der er eine aussereheliche Beziehung führte, in einem Hotelzimmer zu Oralsex gezwungen haben. Die Frau wandte sich mit den Vorwürfen an die Konzernleitung, die den Vorfall untersuchten. Laut zwei Google-Unternehmensleitern, die nicht namentlich genannt werden wollten, wurden die Vorwürfe der Mitarbeiterin als glaubwürdig eingestuft. Google-Mitgründer Larry Page unterrichte anschliessend Rubin über die Untersuchungen und forderte ihn zum Rücktritt auf.

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Google E-Mail

«Wir meinen es mit einer sicheren Arbeitsumgebung todernst»: Original-E-Mail von Google-CEO Sundar Pichai.

Quelle: ZVG

Soweit so bekannt: Denn im Silicon Valley wurde schon lange über die dunklen Geheimnisse von Andy Rubin gemunkelt. US-Medien haben schon im vergangenen Jahr über «sexuelles Fehlverhalten» des Top-Managers berichtet. Was die «New York Times» aber am Donnerstag aufdeckte, dürfte die Google-Mitarbeiter und Anleger irritieren: Anstatt das Arbeitsverhältnis mit Rubin ohne weitere Zuwendungen aufzulösen, schnürten die Verantwortlichen ein gewaltiges Abschiedspaket: 90 Millionen Dollar soll der Googles Wunderjunge für seinen Abgang erhalten haben – je zwei Millionen pro Monat. Die letzte Ratenzahlung werde diesen November fällig, schreibt die Zeitung.

48 Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung entlassen

Google hat auf den Enthüllungsbericht kurze Zeit später reagiert. Das Unternehmen verschickte eine Mitteilung mit brisanten News an seine Belegschaft. Man habe in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 48 Mitarbeiter wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung entlassen. Unter ihnen seien 13 leitende Angestellte gewesen, schrieb Unternehmenschef Sundar Pichai. Zu den Vorwürfen gegen Rubin und das Mega-Abschiedspaket nahm Pichai allerdings keine Stellung.

Gleichentags zum Enthüllungsbericht der « New York Times» veröffentlichte Googles Mutterkonzern Alphabet seine Quartalszahlen. Das Unternehmen hat den Gewinn im Sommer dank hoher Werbeeinnahmen und niedrigerer Steuern kräftig erhöht. In den drei Monaten bis Ende September kletterte der Überschuss im Jahresvergleich von 6,7 Milliarden auf 9,2 Milliarden Dollar. Dies teilte der Internetgigant am Donnerstag nach US-Börsenschluss mit. Die Erlöse stiegen um 21 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar. An der Wall Street war jedoch mit mehr gerechnet worden - die Aktien fielen nachbörslich daher um über drei Prozent.

Alphabets Quartalsbilanz profitierte erneut vom boomenden Geschäft mit Internetanzeigen, das ein rund 20-prozentiges Erlösplus erzielte und mit knapp 29 Milliarden Dollar den Grossteil der Einnahmen beisteuerte. In den restlichen Sparten nahm der Umsatz um 43 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zu. «Unser Geschäft bleibt weltweit stark in Form», kommentierte Finanzchefin Ruth Porat die Zahlen. Zudem spielte dem Konzern die Steuersenkung der US-Regierung in die Karten. Die effektive Steuerquote ging von 16 auf lediglich 9 Prozent zurück.

(SDA/nim)