Erst noch waren die Firmen damit beschäftigt, die neuen Revisionsvorschriften umzusetzen. Das Angebot für die Abschlussprüfung wurde ausgeweitet. Heute kann eine Gesellschaft wählen zwischen einer «Ordentlichen Revision» oder der «Eingeschränkten Revision». Kleinstbetriebe sind ganz von der Revisionspflicht entbunden.

Allgemein ist aber der Aufwand für die Prüfung von Bilanz und Erfolgsrechnung erheblich gestiegen. Die Accounting-Regeln, ob national oder speziell auch international, sind wesentlich komplexer. Das schlägt vor allem bei den mittelgrossen Unternehmen zu Buche. Sie sind hin und her gerissen zwischen den globalen Standards, die laufend mehr Anforderungen stellen, und einem schweizerischen Regelwerk, das mit seinem modularen Aufbau überschaubare Kosten verursacht.

Bei den börsenkotierten Gesellschaften haben bereits rund ein Dutzend Unternehmen die Rechnungslegung von IFRS auf Swiss GAAP FER umgestellt und sich mit diesem Schritt vom Haupttableau an der Schweizer Börse verabschiedet. Wie viele Firmen sich künftig ebenfalls dem inländischen Standard zuwenden, lässt sich schwer abschätzen. Branchenexperten gehen davon aus, dass noch einige folgen.

Anzeige

Was an der Nahtstelle zwischen Heimmarkt und Weltmarkt gilt, lässt sich auch auf die Schwelle zwischen sogenannt wirtschaftlich bedeutenden und unbedeutenden Unternehmen übertragen. Für manche einflussreiche Wirtschaftsorganisationen ist dieser Schwellenwert mit den geltenden 10 Mio Fr. Bilanzsumme, 20 Mio Fr. Umsatz und 50 Vollzeitstellen zu tief angesetzt. Die Frage wird bei der Modernisierung der Rechnungslegung im schweizerischen Obligationenrecht aktuell. Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates schlägt eine Erhöhung auf 20 Mio Fr. Bilanzsumme, 40 Mio Fr. Umsatz und 250 Vollzeitbeschäftigte vor. Der einmal bestimmte Grenzwert entscheidet darüber, ob eine Konzernrechnung notwendig wird, die Gesellschaft ein internes Kontrollsystem braucht und sich ordentlich prüfen lassen muss.

Das Seilziehen im parlamentarischen Prozess ist absehbar. Wie immer diese Grössen letztlich definiert werden: Notwendig ist eine Harmonisierung mit den Schwellenwerten im Revisionsrecht. Verhängnisvoll wäre es allerdings, wenn mit der Neufassung im Obligationenrecht die Transparenz wegen der zulässigen Bildung von stillen Reserven beeinträchtigt würde. Vom Grundsatz des «True and fair» darf in der Rechnungslegung nicht abgewichen werden.