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Handelsstreit
Trump droht Harley-Davidson

Donald Trump: Der US-Präsident ist verärgert, weil Harley-Davidson neu auch in Europa produzieren will.

Trump greift Harley-Davidson an: Sie nutzten den Handelskrieges mit der EU, um die Produktion nach Übersee zu verschieben.

Veröffentlicht am 27.06.2018

Der von Donald Trump angezettelte Handelskonflikt droht für den US-Präsidenten zum Bumerang zu werden: Mit dem traditionsreichen Motorrad-Hersteller Harley-Davidson kündigte das erste bekannte US-Unternehmen an, wegen der EU-Strafzölle die Produktion für den europäischen Markt ins Ausland zu verlegen.

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Trump reagierte verärgert und drohte dem Konzern am Dienstag mit der Steuerkeule. Zugleich legte er im Streit mit der Europäischen Union nach und kündigte einen baldigen Abschluss der Untersuchung an, ob die EU-Autoexporte eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellen. Die deutsche Industrie befürchtet, dass Trump den Konflikt verschärfen und höhere Auto-Zölle verhängen wird, die «extreme Auswirkungen» haben könnten.

Trump twittert gegen Harley

«Eine Harley-Davidson sollte niemals in einem anderen Land gebaut werden – niemals», schrieb Trump auf Twitter. «Die Aura wird weg sein und sie werden wie nie zuvor besteuert werden!» Der Präsident wirft dem Unternehmen zudem vor, den Zollstreit als «Ausrede» zu nutzen. Schliesslich hätten es schon zu Jahresbeginn angekündigt, einen Grossteil der Fertigung in Kansas City nach Thailand zu verlegen. «Das war lange, bevor die Zölle bekanntgegeben wurden.»  Harley hatte den Bau einer Fabrik in Thailand damals mit der Entscheidung Trumps begründet, dass sich die USA aus dem transatlantischen Freihandelsabkommen TPP zurückziehen. Dieses hätte die Zölle für Motorräder in einigen der am schnellsten wachsenden asiatischen Märkte gesenkt.

Trump
Da herrschte noch Zuversicht: Im Februar 2017 begrüssen Donald Trump und Vizepräsident Mike Pence (links) den Harley-Davidson-Chef Matthew S. Levatich.
Quelle: Keystone

Trump verteidigte zugleich seine Handelspolitik. «Wir bringen andere Länder dazu, Zölle und Handelshemmnisse, die seit Jahren ungerechtfertigterweise gegen unsere Landwirte, Arbeitnehmer und Unternehmen verwendet werden, abzubauen und zu beseitigen», schrieb Trump. «Wir öffnen geschlossene Märkte und bauen unsere Präsenz aus. Sie müssen fair spielen oder sie zahlen Zölle!» Harley gehört zu den Firmen, denen Trump bei Amtsantritt zugesagt hatte, sie wieder gross zu machen. Dem Motorradbauer setzt ein harte Preiskampf und eine alternde Stammkundschaft zu.

Die EU hat Vergeltungszölle im Umfang von 2,8 Milliarden Euro auf amerikanische Produkte wie Motorräder, Erdnussbutter und Whiskey verhängt, weil die USA zuvor ihrerseits die Zölle auf Importe von Stahl und Aluminium erhöht hatten. Auf Harley-Davidson-Maschinen, die bis zu 43'000 Euro kosten, muss nun ein Zoll von 31 Prozent gezahlt werden, 25 Punkte mehr als vorher. Für ein durchschnittliches Motorrad erwartet Harley Mehrkosten von etwa 2200 Dollar. In einem vollen Geschäftsjahr könnten sich die Mehrkosten auf 80 bis 100 Millionen Dollar summieren. Für das 115 Jahre alte Unternehmen aus Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin ist die EU ist der zweitgrößte Markt nach den USA.

«Wir werden dabei alle verlieren»

Auch die US-Zölle belasten das Unternehmen, weil sie die Rohstoffkosten erhöhen. So hatte Harley Ende April mitgeteilt, Trumps Zölle auf Metall würden in diesem Jahr die Kosten zwischen 15 und 20 Millionen Dollar nach oben treiben. Seit Beginn des Handelsstreits zwischen den USA und der EU hatHarleys Aktienkurs rund neun Prozent verloren.

Der deutsche Industrieverband BDI rechnet mit einer weiteren Eskalation des Handelsstreits durch die USA. «Trump wird Autozölle erheben und wir werden dabei alle verlieren», sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. Er befürchte «extreme Auswirkungen». Trump wolle im Handelsstreit mit der EU «das Recht des Stärkeren durchsetzen» und setze dabei auf bilaterale Handelsabkommen. Er und seine Berater sähen Handel als Kampf an. «Die USA könnten eine Gefährdung unseres Wohlstands sein.»

Trump selbst drohte den EU-Autoherstellern indirekt mit baldigen Strafzöllen auf ihre Exporte in die Vereinigten Staaten. «Wir beenden unsere Untersuchung über Zölle auf Autos aus der EU», schrieb Trump. Diese habe die USA «schon seit langem in Form von Handelsbarrieren und Zöllen ausgenutzt», so der Republikaner. «Am Ende wird alles ausgeglichen – und es wird nicht lange dauern!» Im Raum steht ein 20-prozentiger Importzoll auf europäische Autos, sollte die EU ihre Handelsbarrieren nicht abbauen. Vor einem Monat hatte die US-Regierung eine Untersuchung angestoßen, ob die Autoimporte eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellten. Trump hatte mehrfach ausdrücklich deutsche Autobauer kritisiert.

Stimmung unter Exporteuren gesunken

Die Stimmung unter den deutschen Exporteuren liess im Juni auch wegen des Handelskonflikts den siebten Monat in Folge nach. Das Barometer für die Exporterwartungen fiel um 1,2 auf 12,4 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut zu einer Firmenumfrage mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit rund anderthalb Jahren. Besonders in der Autobranche macht sich Pessimismus breit: «Erstmals seit Dezember 2016 geht die deutsche Autoindustrie von keinen Zuwächsen bei ihren Exporten mehr aus», erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Frankreich kündigte weitere Reaktionen Europas im Falle neuer US-Zölle auf Autos an. «Wenn die USA uns erneut mit einer Zollerhöhung um 20 Prozent auf Autos treffen, werden wir wieder reagieren», sagte Finanzminister Bruno Le Maire. «Wir wollen keine Eskalation, aber wir sind die, die angegriffen werden.»

(Reuters/bsh/mlo)