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US-Affäre
Trumps ehemaliger Anwalt Cohen bekommt drei Jahre Haft

FILE - In this Nov. 29, 2018, file photo, Michael Cohen walks out of federal court in New York. The moment of reckoning has nearly arrived for Cohen, who finds out Wednesday, Dec. 12, whether his decision to walk away from President Donald Trump after years of unwavering loyalty will spare him from a harsh prison sentence. (AP Photo/Julie Jacobson, File)

Der ehemalige Anwalt vom amerikanischen Präsidenten Michael Cohen.

Quelle: Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.

Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Novartis war in den Strudel seiner Machenschaften geraten.

Veröffentlicht am 12.12.2018

Der frühere Anwalt von US-Präsident Donald Trump, Michael Cohen, ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Ein Bundesgericht in New York verurteilte Cohen am Mittwoch unter anderem wegen Steuerhinterziehung und Falschaussagen vor dem Kongress. Dies meldete der Sender CNN. Die Staatsanwaltschaft hatte eine «substanzielle Gefängnisstrafe» gefordert.

Cohen kooperiert mit FBI-Sonderermittler Robert Mueller, der untersucht, ob es im Präsidentschaftswahlkampf 2016 geheime Absprachen des Trump-Lagers mit Vertretern Russlands gegeben hat. Trump weist das zurück und spricht von einer «Hexenjagd». Mueller hatte Cohen attestiert, die Wahrheit zu sagen.

Cohen äusserte sich bei der Anhörung am Mittwoch selber vor Gericht. «Ich übernehme die volle Verantwortung für jede Tat, zu der ich mich schuldig bekannt habe: Meine persönlichen und diejenigen, an denen der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika beteiligt war», sagte Cohen laut CNN. Er habe es immer wieder als seine Pflicht empfunden, «seine schmutzigen Taten zu vertuschen».

Der Bau in Moskau

Cohen hatte unter anderem eingeräumt, den US-Kongress im Zusammenhang mit einem geplanten, aber nie verwirklichten Bauprojekt Trumps in Moskau angelogen zu haben. Demnach wurde das Projekt noch weit bis in den Wahlkampf 2016 hinein verfolgt - anders als von Cohen ursprünglich angegeben.

Cohen gab in einem gesondert von den Russland-Ermittlungen bei einer Staatsanwaltschaft in New York geführten Verfahren auch zu, Schweigegeld an die Ex-Porno-Darstellerin Stormy Daniels und indirekt mindestens an eine weitere Frau während des Wahlkampfes 2016 gezahlt zu haben.

Zahlungen «geheim und illegal»

Beide Frauen geben an, Affären mit Trump gehabt zu haben. Trump bestreitet das. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass Cohen in beiden Fällen «in Abstimmung mit und unter Federführung von» Trump gehandelt hat und sieht in den Geldflüssen vom Oktober 2016 illegale Wahlkampfbeihilfen.

Die Anklage war überzeugt: «Cohen handelte in der Absicht, die Präsidentschaftswahl 2016 zu beeinflussen.» Die Staatsanwaltschaft sieht «geheime und illegale» Zahlungen als Wahlkampfhilfen an, weil sie geleistet worden seien, um Trumps Wahlchancen 2016 nicht zu mindern. Cohen hatte ferner Steuervergehen und Falschaussagen gegenüber Banken eingeräumt - allerdings ging die Staatsanwaltschaft davon aus, dass er nicht in vollem Umfang geständig war.

Auch Novartis in die Machenschaften verwickelt

Auch der Schweizer Pharmariese geriet in den Strudel rund um die Affäre um Cohen. Novartis war im Frühling in die Schlagzeilen geraten, nachdem der Anwalt von Erotikdarstellerin Stormy Daniels erstmals Belege für die Zahlungen von Novartis an Cohen veröffentlicht hatte.

Im Juli veröffentlichte dann der US-Senat einen detaillierten Bericht, in dem die Kontakte, E-Mails und Telefonate zwischen dem Trump-Anwalt und dem damaligen Novartis-Konzernchef Joseph Jimenez bis ins kleinste Detail nachgezeichnet wurden. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, telefonierte Jimenez kurz nach der Wahl von Donald Trump, gegen Ende November 2016, erstmals mit Cohen.

Wie Novartis selbst bestätigte, schloss der Konzern einen Vertrag mit dem Anwalt und zahlte dafür 1,2 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig betonte der Konzern, dass die Zusammenarbeit mit Cohen bereits nach einem ersten Treffen eingestellt worden sei. Es sei klar geworden, dass dieser die in Aussicht gestellten Dienstleistungen nicht erbringen könne. Doch der Kontakt setzte sich danach über sechs weitere Monate fort.

Die Verstrickungen mit dem US-Anwalt haben bei dem Pharmakonzern auch für personelle Konsequenzen gesorgt: Kurz nachdem der Skandal hochkochte, nahm Chefjurist Felix Ehrat Ende Mai seinen Hut.

(sda/tdr)

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