Autoneum gab diesen Sommer grosse Pläne für Mexiko bekannt: Der Winterthurer Autozulieferer will bis in zwei Jahren eine dritte Fabrik in dem lateinamerikanischen Land eröffnen. Wegen der steigenden Nachfrage soll die Zahl der Mitarbeiter bis 2020 auf 500 verfünffacht werden.

Auch Adval Tech will in Mexiko wachsen: Der Berner Konzern beliefert dort Audi mit Luftteilen, innert vier Jahren werden 180 Mitarbeiter zur Firma stossen. «Mexiko wird ein sehr wichtiger Standort für die Adval Tech Gruppe», bestätigt eine Konzernsprecherin. Mit Dätwyler produziert ein drittes Schwergewicht der Schweizer Autozuliefer-Branche in Mexiko, die Urner beschäftigen dort 250 Angestellte.

Expansion zur Unzeit

Die Expansion der Schweizer Konzerne kommt zur Unzeit: Denn die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bedroht die mexikanische Industrie. Trump hat im Wahlkampf versprochen, den nordamerikanischen Freihandelsvertrag Nafta neu zu verhandeln und Zölle von bis zu 35 Prozent auf vielen mexikanischen Produkten einzuführen.

Dass der designierte US-Präsident es ernst meint mit seinem angekündigten Kampf gegen den Freihandel, bewies er am Dienstag: Erstmals nach seiner Wahl skizzierte Trump die Eckpunkte seines künftigen Wirtschaftsprogramms. «Ich will, dass die nächste Generation von Produktion und Innovation genau hier in unserer grossartigen Heimat Amerika entsteht», sagte er. Für den ersten Tag seiner Amtszeit kündigte Trump den Rückzug aus dem transpazifischem Handelsabkommen TPP an. Stattdessen will er bilateral verhandelte Vereinbarungen schliessen, die Arbeitsplätze und Industrie zurück in die USA brächten.

Mögliche Folgen nicht absehbar

Noch am vergangenen Freitag machte Trump die US-Autoproduktion in Mexiko zum Thema – das deutet nicht drauf hin, dass er nach der Wahl seine Haltung grundlegend ändert. Im Wahlkampf sagte der Amerikaner mit Blick auf das Handelsdefizit der USA mit Mexiko: «Ich habe nichts gegen Handelskriege, wenn wir jährlich 58 Milliarden Dollar verlieren.»

Aktuell geben sich die Schweizer Konzerne geben nach aussen gelassen. Mögliche Folgen durch die Wahl von Trump seien noch nicht absehbar und spekulativ, erklärten Autoneum und Adval Tech. Dätwyler zeigte sich sogar sehr zuversichtlich, dass sich an der Wertschöpfungskette der Autohersteller in Nordamerika nichts ändern wird. «Sonst hätten die US-Fahrzeughersteller ein grosses Problem», sagte Sprecher Guido Unternährer.

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Konzerne werden sich wehren

Tatsächlich wird Trump auf viel Widerstand stossen, sollte er seine Pläne umsetzen wollen: Schliesslich produzieren Ford, General Motor und Chysler zwischen 15 und 25 Prozent ihrer Autos im südlichen Nachbarland. Sie würden sicher gegen Handelsschranken lobbyieren.

Andererseits gilt Trump als unberechenbar, und als US-Präsident könnte er zumindest den Freihandelsvertrag Nafta ohne Einwilligung des Kongresses aufkünden. «Die Hoffnung ist, dass zwischen Wahlkampf und der Präsidentschaft eine möglichst breite Kluft herrscht», sagte der Chef des Daimler-Konzerns, Dieter Zetsche, zur Agentur Reuters.

Eine florierende Industrie

Das Ende des freien Warenverkehrs mit den USA wäre ein schwerer Schlag für die mexikanische Autoindustrie. In den letzten Jahren ist das Land zum weltweit siebtwichtigsten Autohersteller vor Frankreich und Spanien avanciert. Bis 2020 soll die Produktion von 3 auf 5 Millionen Fahrzeuge anwachsen.

Jedes dritte in Mexiko produziert Auto wird in die USA exportiert. Die Hersteller beliefern also neben dem Nachbarland noch viele anderen Märkte und würden somit auch Einfuhrschranken der USA überleben. Doch der Boom wäre sicher vorbei – und auch die Schweizer Autozulieferer müssten ihre Expansionspläne überdenken.

Sinkflug des Peso als Vorteil

«Seit fünf Jahren sieht man in Mexiko einen regelrechten Autoproduktions-Boom.» «Das könnte jetzt gebremst werden», sagte der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber handelszeitung.ch. «Trump wird versuchen, Handelshemnisse aufzubauen.»

Momentant leidet die mexikanische Industrie aber noch nicht unter Donald Trump – im Gegenteil: Seit seinem Wahlsieg ist der mexikanische Peso zum Dollar massiv gefallen, und hat damit das Land als Produktionsstandort sogar noch günstiger gemacht.