Die tschechische Forstwirtschaftsfirma Lesy ČR steht im Zentrum einer Schwarzgeldaffäre, die ungewohnte Ausmasse annimmt. Über die Firma, der die Hälfte des tschechischen Waldes gehört, seien Millionenbeträge über schwarze Kassen verschwunden, berichten verschiedene tschechische Medien.

Etliche Gelder seien bei der Credit Suisse geparkt gewesen. Auf Betreiben des tschechischen Staatsanwaltes Marek Solar wurden in der Schweiz offenbar diverse Konti bei der Credit Suisse blockiert.

«Hunderte Millionen Kronen»

Die tschechische Zeitung «Týden» schreibt, auf den CS-Konti seien «hunderte Millionen Kronen» gelandet, die dann sofort wieder in die Tschechische Republik zurückgeführt wurden, auf Konti der UniCredit Bank. Danach seien die Millionen in Bar abgehoben worden, so «Týden» weiter. Der CS seien die Bewegungen verdächtig vorgekommen.

Die staatliche Lesy ČR (Handelsregisterauszug siehe Downloads) war in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen. So wurde sie regelmässig im Jahresbericht einer tschechischen Geheimdienstbehörde genannt. Ebenso fand die oberste Rechnungsprüfungsbehörde der Tschechischen Republik heraus, dass die Firma bei Verträgen das Gesetz brach.

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Schummrige IT-Deals

Erst diesen Januar führte die Antikorruptionsbehöre bei Lesy ČR eine Razzia durch. Die Ermittlungen drehen sich um Informatikdienstleistungen im Wert von Hunderten Millionen Kronen - die Behörden beziffern den Verlust für den Staat auf umgerechnt 14 Millionen Euro. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Geldwäscherei. Lesys IT-Einkäufe explodierten von bescheidenen 40 Millionen in wenigen Jahren auf über 1,25 Milliarden Kronen - für die Ermittlungsbehörden völlig unverständlich, man vermutet Scheinrechnungen.

Firma bestreitet Vorwürfe

In einer Stellungnahme bestreiten die Lesy-Kader jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit den Schweizer Konten. Es sei zu jeder Zeit alles ordnungsgemäss gehandhabt worden, behauptet Pressesprecher Zbyněk Boublík. Bei den Ermittlungen zu den IT-Deals arbeite man konstruktiv mit den Behörden zusammen, meinte Boublík.

«Weder bestätigen noch dementieren»

Jacqueline Bühlmann von der Bundesanwaltschaft wollte gegenüber handelszeitung.ch ein Rechtshilfegesuch der Tschechischen Republik zum Fall Lesy «weder bestätigen noch dementieren».

Credit-Suisse-Pressesprecher Marc Dosch sagte gegenüber handelszeitung.ch: «Wir können aufgrund des Bankkundengeheimnis keine Aussagen machen zu potenziellen oder tatsächlichen Kundenbeziehungen.» Daher könne man zu dem Sachverhalt keine Stellung nehmen, so Dosch.