Auf der Fensterbank, rechts neben seinem massiven Holzschreibtisch kann Guy Wyser-Pratte stets sehen, welche Auswirkungen seine markigen Worte haben. Denn dort, 15 Etagen über der New Yorker Park Avenue, hat der Investor einen Computer aufgestellt, der kontinuierlich die Aktienkurse seiner Investments anzeigt. Seitdem der 67-Jährige bekannt gab, 1% am Touristikkonzern TUI gekauft zu haben und Chef Michael Frenzel aus dem Amt jagen zu wollen, ist der Kurs des TUI-Wertpapiers nach oben geschnellt. Der Amerikaner wirft dem Reise- und Schifffahrtsunternehmen Missmanagement vor.

Giftpfeile mit Wirkung

Und damit dürfte Wyser-Pratte sich in seinem Element fühlen. Der ehemalige Marinesoldat tritt am liebsten als Firmenschreck auf, der europäische Firmen durcheinander wirbelt. Dabei sind ihm träge Manager ein Dorn im Auge, die seiner Auffassung nach nichts für den Aktienkurs tun. Er kauft stets ein relativ kleines Aktienpaket und schiesst öffentlich Giftpfeile auf die Unternehmensführung. Wehrt sich der Vorstand dann, ist das für Wyser-Pratte umso besser.
«Je mehr ein Fisch an der Leine zappelt, desto grösser ist er», sagte er einmal. Dass der in Frankreich geborene Amerikaner bei seinen Angriffen mit militärischer Entschlossenheit vorgeht, verrät die Einrichtung seines Büros. Dort schmücken Säbel und andere Militärinsignien die Wand, die an seine Zeit bei den Marines in den 1960er Jahren erinnern.
Für seine Vorgehensweise ist Wyser-Pratte kürzlich von einer Fachzeitschrift ausgezeichnet worden. Seit 40 Jahren verfolge er alternative Anlagestrategien und sei damit ein Vorreiter des Aktionärsaktivismus, hiess es in der Begründung für die «Auszeichnung für das Lebenswerk». Andere Investoren, die derzeit für Schlagzeilen sorgen, wie der New Yorker Milliardär Carl Icahn oder Daniel Loeb, würden heute ähnliche Taktiken wie er anwenden.
Dabei ist Wyser-Pratte in den USA weitaus weniger bekannt als in Europa. Er hat sich auf Anlagen in Konglomerate und Unternehmen in Deutschland und Frankreich spezialisiert. Hat er sich erst einmal für einen Einstieg entschieden, steigt er so schnell nicht wieder aus. Das muss derzeit etwa der Oldenburger Fotokonzern CeWe Color erfahren. Zwar war Wyser-Pratte im April 2007 an der Seite des Hedge-Fonds-Managers David Marcus auf der Hauptversammlung mit Plänen für eine neue Konzernstrategie gescheitert, doch eine Klage gegen einzelne Beschlüsse ist hängig.
Jetzt wagt sich Wyser-Pratte erstmals an ein Dax-Unternehmen heran. Die Konfrontation mit TUI-Chef Frenzel sucht er auch aus persönlichen Gründen. So sieht der New Yorker in Frenzel einen der Schuldigen, die ihm das Investment beim Maschinenbauer Babcock Borsig verhagelt haben. Frenzel habe marode Unternehmen an die Tochterfirma Babcock übertragen und so zur Insolvenz des Unternehmens 2002 beigetragen, lautet der Vorwurf.