Wegen Krankmeldungen des Kabinenpersonals stellt der Ferienflieger Tuifly am Freitag den Flugbetrieb ein. Insgesamt fielen an dem Tag 108 Tuifly-Verbindungen aus, wie Tuifly am Donnerstagabend in Hannover mitteilte. Um Urlauber aus den Feriengebieten nach Hause zu bringen, habe die Konzernmutter Tui erneut Flugzeuge anderer Airlines gechartert. In den nächsten Tagen sei mit weiteren Annullierungen zu rechnen.

Wilder Streik oder rätselhafte Krankheitswelle? Die deutsche Fluggesellschaft Tuifly bekommt wegen fehlender Crews kaum noch Flugzeuge in die Luft, seitdem bekannt ist, dass sie in einer neuen Holding aufgehen soll. Bei den deutschen Fluggesellschaften Tuifly und Air Berlin hat sich die Lage zum Wochenende weiter zugespitzt.

Wie schon an den Vortagen meldeten sich am Donnerstag zahlreiche Crew-Mitglieder bei Tuifly kurzfristig krank und schränkten damit den Flugbetrieb weiter ein. Von 110 vorgesehenen Flügen mussten 47 Flüge ersatzlos gestrichen werden, wie die Airline in Hannover am Donnerstag mitteilte. Tausende Passagiere mussten auf ihre Verbindungen warten oder ihre Urlaubsreisen zu den Herbstferien gleich ganz abblasen.

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«Dramatische Situation»

Auch die kriselnde Air Berlin war betroffen. Tuifly habe am Donnerstag für Air Berlin keinen einzigen der geplanten 90 Flüge durchgeführt, sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Kattwinkel der Deutschen Presse-Agentur. Mit Hilfe anderer Crews habe Air Berlin 30 dieser 90 Flüge anbieten können, so dass letztlich 60 Flüge ausgefallen seien. Kattwinkel sprach von einer «schwierigen, dramatischen Situation vor allem für unsere Fluggäste».

Die Flugleitung der Tuifly versuchte gegenzuhalten und charterte nach eigenen Angaben 18 zusätzliche Flüge von anderen Gesellschaften. Air Berlin schloss mit den Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit sowie dem Gesamtbetriebsrat eine Krisenvereinbarung, in der Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal bis einschliesslich Sonntag zu freiwilligen Einsätzen aufgerufen werden.

Veränderungen als Krankheitsgrund?

Als Hintergrund werden der tiefgreifende Umbau der hoch verschuldeten Air Berlin und damit einhergehende Veränderungen bei der Tuifly gesehen. Die deutsche Fluggesellschaft des Touristikkonzerns Tui soll gemeinsam mit Air-Berlin-Teilen in eine neue Dachholding für Ferienflieger integriert werden. Arbeitnehmervertreter fürchten Job-Verluste und schlechtere Tarifbedingungen.

Ihre Gäste will die Tuifly nicht entschädigen und beruft sich auf höhere Gewalt, die für die Ausfälle und Verspätungen verantwortlich sei. «Entschädigungs- beziehungsweise Schadensersatzansprüche der Kunden entstehen daraus nicht», teilte Tui Deutschland in Hannover mit.

Gewerkschaft lehnt Verantwortung ab

Eine Sprecherin betonte: «Die massenhaften und äusserst kurzfristigen Krankmeldungen sind ein aussergewöhnlicher und nicht vermeidbarer Umstand im Sinne von höherer Gewalt.» Ganz anders sieht das Philipp Kadelbach vom Flugrechtsportal Flightright. Tuifly könne sich nicht auf höhere Gewalt berufen. Krankheitswellen zählten zu den normalen Betriebsrisiken, die Airlines zu jeder Zeit einkalkulieren müssten.

Dies gelte auch bei Zweifeln, ob tatsächlich eine Krankheit vorliege. Er empfehle allen betroffenen Passagieren, ihre Entschädigungsansprüche geltend zu machen. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo lehnte jegliche Verantwortung für die massenhaften Krankmeldungen ab. «Das ist definitiv kein Mittel zum Arbeitskampf für uns», sagte Tarifexperte Nicoley Baublies. Man rufe dazu nicht auf und distanziere sich klar von einem Missbrauch.

(sda/gku)