Trotz immer neuen dunklen Wolken am Himmel bewahrt Christoph Franz die Ruhe: «2008 wird ein gutes Jahr. Dazu stehe ich nach wie vor», sagte der CEO der Swiss Mitte November vor 220 Gästen am Wirtschaftsforum der Flughafenregion Zürich «Glow». Mit Blick auf die Finanzkrise meinte er bei seinem Referat: «Ich sehe wöchentlich Buchungsrückgänge, vor allem im Heimmarkt.» Ein unverzichtbares Mittel dagegen sei das Umsteigegeschäft via Zürich, dank dem man die ausbleibenden Schweizer mit ausländischen Kunden ersetze.

Auf dem Heimmarkt gibt man nun Gegensteuer, um das lokale Geschäft ab und bis Zürich zu stimulieren: «Der Himmel ist voller günstiger Flüge», wirbt Swiss hierzulande seit kurzem in ganzseitigen Zeitungsinseraten. Die Preise purzeln vorweihnachtlich für insgesamt 20 Verbindungen, je 10 in Europa und Übersee – vorausgesetzt, man bucht bis am 16. Dezember 2008. Diese Tarife sind aber nur limitiert verfügbar.Besonders ausgedehnt in der Aktion ist der Reisezeitraum auf der Langstrecke: Zwischen 24. Dezember 2008 und 31. März 2009 kann man etwa für 799 Fr. nach New York oder für 899 Fr. nach Dubai fliegen. Der letzte Termin für den Rückflug ist der 30. April 2009.

Thailand betroffen, Indien nicht

Die aktuellen Vorkommnisse in Indien und Thailand sorgten auf der Langstrecke zusätzlich für turbulente Zeiten. Sowohl Mumbai als auch Bangkok werden von Swiss regelmässig von Zürich aus bedient.Auf den Flugbetrieb zwischen Zürich und Indien, wo Swiss auch Delhi bedient, hatten die Anschläge in Mumbai keinen Einfluss. Anders sah es bei den Verbindungen zwischen Zürich und Thailand aus. Swiss verzichtete aufgrund der Besetzung der Flughäfen in der thailändischen Hauptstadt auf dem Hinflug nach Singapur vorderhand auf die sonst übliche Zwischenlandung in Bangkok. Auf dem Rückflug wurde stattdessen in Chiang Mai (Nordthailand) zwischengelandet. Der Verkehr nach Bangkok dürfte sich nach dem Ende der Blockaden bald wieder normalisieren. Nicht beeinträchtigt waren die Rotationen von Edelweiss Air. Die neue Swiss-Tochter verkehrt diesen Winter jeden Freitag zwischen Zürich und Phuket.

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Delhi und Schanghai wie geplant

Auf der Langstrecke hat Swiss in den vergangenen zwölf Monaten erstmals in ihrer jungen Geschichte zwei Destinationen lanciert, die seither täglich ab und bis Zürich bedient werden: Delhi am 25. November 2007 und Schanghai am 13. Mai 2008. Zu den neuen Märkten betont Christoph Franz, dass «wir drin bleiben, auch wenn wir wie erwartet gewisse Anlaufverluste in Kauf nehmen müssen», wie der CEO der Swiss kürzlich gegenüber der «Bilanz» ausführte.Zu neuen Plänen meinte er damals: «In der aktuellen Phase der Konjunkturabkühlung mit den steigenden Risiken und Unsicherheiten gehen wir sehr, sehr zurückhaltend mit zusätzlichem Wachstum um. Wir hatten aber ohnehin nicht vor, weiter zu wachsen, weil wir gerade eine Phase mit starkem Wachstum hinter uns haben. Wir sind nun drei Jahre zweistellig gewachsen. Da ist es durchaus auch sinnvoll, eine Pause einzulegen, zu konsolidieren.»Swiss setzt 32% ihrer 77 Flugzeuge auf der Langstrecke ein. Das ist im globalen Vergleich ein hoher Anteil. Doch nur 23% der bislang 11,3 Mio Passagiere in diesem Jahr verkehrten auf den Routen ausserhalb Europas (Stand: 1. Januar 2008 bis 31. Oktober 2008). Daraus resultiert für die ersten zehn Monate ein durchschnittlicher Interkontinentalsitzladefaktor von 84,7%. Dieser liegt im Vergleich noch 0,1 Prozentpunkte über dem Wert der Vorjahresperiode. Dafür entsprechen die 2,6 Mio Passagiere auf der Langstrecke in den ersten zehn Monaten einem Plus von 14,3%.Am Wirtschaftsforum der Flughafenregion Zürich erklärte Christoph Franz: «Ohne Transferpassagiere könnte Swiss nur vier der total 28 Interkontinentaldestinationen bedienen.» Dazu zählen etwa New York und Dubai. Der CEO der Swiss unterstrich damit, welch grosse Bedeutung den ausländischen Kunden zukommt, ohne die man interkontinental nicht profitabel operieren könnte. «Wir haben folglich einen erheblichen Bedarf an Transferpassagieren.»Aktuell liegt Zürich bezüglich des Umsteigepotenzials für Langstreckenflüge in Europa auf Platz sechs. Franz sieht die Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft jedoch gefährdet, wenn die schweizerischen Rahmenbedingungen weiter erschwert würden: Zu hohe Gebühren, zu teure Flugsicherung, Anflug- und Lärmdiskussionen.

Wettbewerbsfähigkeit bedroht

Als Achillesferse bezeichnete Franz dabei die Flugbewegungen pro Stunde, bei denen Zürich derzeit mit maximal 66 in Europa das Schlusslicht bilde. «Effektiv sind es nur 55 bis 58 Flugbewegungen pro Stunde.» Das seien für einen sogenannten Hub ungenügende Spitzenkapazitäten. Und quasi wie ein Damoklesschwert hängt die Ausdehnung des Nachtflugverbots über dem Flughafen Zürich. Sollte diese auf mehr als sechs Stunden verlängert werden, wäre es Swiss nicht mehr möglich, all ihre Langstrecken wie momentan angeboten durchzuführen, so Franz. «Dies hätte für uns gravierende betriebliche Konsequenzen.» Weil es das eingeführte Wellensystem mit den raschen Umsteigezeiten, mit dem Swiss die Kurz- und Mittelstrecken mit ihren Langstrecken vernetzt, hemmen würde.