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Preiskampf
Turkish Airlines will Europas Billigflieger überflügeln

Turkish Airlines: Billig-Tochter bald nicht mehr nur in der Türkei unterwegs.   PR

Der Himmel wird noch enger über Europa. Mit der Billigmarke Anadolu-Jet will Turkish Airlines den deutschen Markt aufmischen und Lufthansa-Tochter Eurowings das Fürchten lehren.

Veröffentlicht am 26.07.2015

Nirgendwo auf der Welt gibt es so viele Fluggesellschaften wie in Europa. Besonders erfolgreich waren zuletzt die Billigflieger. Aus der Türkei drängt ein neuer Wettbewerber auf den Markt.

Der Himmel über Europa könnte bereits im kommenden Jahr noch ein Stückchen enger werden. In einem Interview mit dem «Handelsblatt» hat der Chef der aufstrebenden «Turkish Airlines», Temel Kotil, den baldigen Markteintritt seiner Billigmarke «Anadolu-Jet» angekündigt.

Mit 29 Jets ausschliesslich in der Türkei

Die ist mit ihren 29 Jets bislang ausschliesslich in der Türkei unterwegs und hat eine wichtige Eigenschaft: Sie produziert die Dienstleistung Fliegen extrem billig. Es bleibt aber fraglich, ob sie tatsächlich zum Rivalen für Lufthansa werden kann, die ihr eigenes Billigsegment unter dem Dach «Eurowings» gerade kräftig umbaut.

Lufthansa will die Ankündigung des Star-Alliance-Partners Turkish Airlines, mit dem man sogar gemeinsam die erfolgreiche Fluggesellschaft Sun Express betreibt, nicht offiziell kommentieren. Allzu grosse Unruhe dürfte der Vorstoss in Frankfurt aber vorerst nicht auslösen, denn als Nicht-EU-Staat fällt die Türkei nicht unter das Regelwerk der «Open Sky», die das Billigfliegermodell mit beliebigen Zielen in ganz Europa erst ermöglicht.

Strategie von Anadolu offen

Anadolu wird daher auf die bilateral vereinbarten Landerechte der Mutter Turkish Airlines in Deutschland zurückgreifen müssen und kann dann Billigflüge in die Türkei anbieten, nicht aber zu anderen europäischen Zielen. Turkish hat das Geschäft mit den in Deutschland lebenden Landsleuten aber bislang schon fest im Griff und bietet von 14 deutschen Flughäfen das dichteste Angebot in die Türkei. Es ist nicht ganz klar, wo zusätzliche Fluggäste gewonnen werden sollen.

Die Türken, bei denen die endgültige Entscheidung noch aussteht, würden in einen dicht besetzten Markt starten. Laut der jüngsten Low-Cost-Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) vereinten zuletzt die sieben grössten Billig-Airlines in Deutschland 95 Prozent des Aufkommens auf sich.

Luft nach oben in Deutschland

Immer neue Strecken werden erschlossen, wobei die Gesellschaften bislang peinlich genau darauf achten, dass möglichst keine Konkurrenzgesellschaft die selbe Strecke anbietet. Heftigen Wettbewerb gibt es nur auf ganz wenigen Strecken wie Köln-Berlin.

Mit knapp 4800 Starts in der Woche ist Deutschland nach dem kleineren Grossbritannien der zweitgrösste Low-Cost-Markt Europas, was aber auch zeigt, dass noch Luft nach oben ist. Der Low-Cost-Anteil von derzeit 32 Prozent in Deutschland liegt zwar über dem europäischen Schnitt von 28 Prozent, dürfte nach Branchenerwartung aber in naher Zukunft noch steigen.

Auch die Grossen haben Billigableger

Auf den Angriff von Ryanair, Easyjet, Norwegian und Co. haben die Netzwerk-Carrier wie Lufthansa, British Airways, Iberia oder Air France nach langem Zögern mit eigenen Billig-Gesellschaften reagiert.

Beispiele sind die spanische Vueling, die französische Hop! oder die Lufthansa-Tochter Germanwings, die laut DLR aus dem Stand deutscher Billig-Marktführer mit einem Marktanteil von mehr als 38 Prozent geworden ist. In Europa liegt allerdings das Angebot von Ryanair deutlich auf Platz 1 vor Easyjet.

Widerstand gegen Eurowings

Allerdings spürt Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei seinen Billigplänen unter der Dachmarke Eurowings weiterhin harten Widerstand vor allem der Piloten. Die Gewerkschaft Cockpit hatte noch bei der Aufwertung der Germanwings durchgesetzt, dass deren Piloten im lukrativen Konzerntarifvertrag der Lufthansa bleiben konnten.

Das soll bei Eurowings nicht ein zweites Mal geschehen, hat der Vorstand beschlossen und riskiert lieber die Auseinandersetzung mit den Piloten. Die beraten aktuell über die 13. Streikwelle in dem Tarifkonflikt.

(sda/gku)

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