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Entscheid
TV-Gebühr: Preisüberwacher lässt Cablecom von der Leine

TV-Gebühr: Preisüberwacher lassen Cablecom von der Leine
Film-Szene aus «Mission: Impossible - Rogue Nation»: 2016 steigen bei Cablecom die Grundgebühren. Keystone

Die Grundgebühren der UPC Cablecom werden nicht mehr vom Bund kontrolliert. Der Wettbewerb im TV-Markt werde künftig die Kosten im Griff haben, so die Begründung. 2016 wird es trotzdem teurer.

Der Preisüberwacher gibt die Preisüberwachung der Grundgebühren von UPC Cablecom auf. Durch die Konkurrenz von Swisscom und Sunrise gebe es Wettbewerb um den TV-Endkunden, begründet der Preisüberwacher seinen Schritt.

«Eine behördliche Festlegung des Endkundenpreises für den Kabelanschluss der UPC Cablecom ist zum heutigen Zeitpunkt deshalb nicht angezeigt», schreibt der Preisüberwacher in einem am Dienstag veröffentlichten Newsletter. Praktisch allen Cablecom-Kunden stünden alternative Angebote eines oder mehrerer TV-Anbieter zur Verfügung.

Allein das Swisscom-TV werde heute von über 1,2 Millionen Haushalten genutzt. Dank der Zugangsregulierung des Swisscom-Netzes könnten auch Drittanbieter wie Sunrise vollwertige Angebote von TV, Internet und Festnetztelefon anbieten.

Wettbewerb um TV-Kunden

Die Verhältnisse auf dem TV-Markt hätten sich in den letzten Jahren stark verändert, erklärte der Preisüberwacher. Insbesondere die Digitalisierung des Fernsehens habe dazu geführt, dass praktisch flächendeckend qualitativ hochwertige TV-Angebote auch über das Telekomnetz verbreitet werden können.

Deshalb würden die Kunden vermehrt sämtliche Dienste - TV, Internet und Festnetztelefonie - bei einem einzigen Anbieter nachfragen. Und mit dem Ausbau der Glasfasernetz werde auf der Infrastrukturebene eine weitere Alternative zu den Kabelnetzen geschaffen.

Kabelnetzbetreiber müssen Federn lassen

Während die Swisscom innerhalb eines Jahres 147'000 Neukunden gewinnen und die Zahl der TV-Kunden per Ende Juni auf 1,238 Millionen steigern konnte, mussten die Kabelnetzbetreiber Federn lassen.

Insgesamt zählten die Kabelnetzbetreiber Ende Juni noch 2,579 Millionen TV-Nutzer. Das sind 3,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Kabelnetzbetreiber machen vor allem das bessere Sportangebot der Swisscom für den Aderlass verantwortlich.

Die meisten TV-Kunden hat mit 1,353 Millionen per Ende Juni immer noch Cablecom. Allerdings sprangen im zweiten Quartal 17'300 TV-Kunden ab. Der Kabelnetzverbund Quickline zählte 368'000 TV-Kunden. Derweil konnte Sunrise im Fernsehgeschäft die Kundenbasis im Jahresvergleich um 33'100 auf insgesamt 122'300 Abonnenten erhöhen. Das sind 37 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nächste Preiserhöhung kommt

Die nächste Preiserhöhung hat Cablecom bereits angekündigt, da die bisherige Vereinbarung mit dem Preisüberwacher Ende 2015 ausläuft. Im kommenden Jahr müssen die Kunden für ihren Kabelanschluss 33,95 Franken pro Monat bezahlen. Das sind gut 13 Prozent mehr für das Grundangebot an TV, Internet und Festnetztelefonie.

Cablecom begründet die starke Preiserhöhung mit Investitionen von jährlich rund 200 Millionen Franken in das eigene Kabelnetz und in neue Produkte wie höhere Internetgeschwindigkeiten. In der Preiserhöhung um 4 Franken pro Monat per 1. Januar 2016 seien 2,15 Franken für Service und Reparaturen enthalten. Cablecom habe diese Ausgaben bisher separat in Rechnung gestellt, hiess es.

Bislang müssen die Kunden 29,95 Franken pro Monat bezahlen. Auf diesen Betrag hatten sich der Preisüberwacher und Cablecom im Sommer 2014 geeinigt.

Unterschiedliche Reaktionen

Naturgemäss zeigte sich Cablecom zufrieden damit, dass der Preisüberwacher die Überwachung der Grundtarife für den Kabelanschluss aufgibt. «Wir nehmen das mit Wohlwollen zur Kenntnis», äusserte sich Cablecom-Sprecher Bernard Strapp auf Anfrage. Der Wettbewerb im TV-Markt spiele stark, was die Analyse des Preisüberwachers bestätige.

Auch Konkurrentin Swisscom hat Verständnis für den Rückzug des Preisüberwachers: «Wir sehen, dass der Markt voll spielt. Der Wettbewerb im Fernsehmarkt ist sehr hoch. Wir können den Entscheid des Preisüberwachers nachvollziehen», sagte Sprecher Olaf Schulze.

Sunrise sieht ebenfalls, dass der Wettbewerb spiele. «Allerdings pochen wir auf Transparenz bei den Endkundenpreisen, die bei Cablecom oft in den Mieten versteckt und auch in der Werbung nur im Kleingedruckten erwähnt werden», sagte Sunrise-Sprecher Roger Schaller.

Deshalb habe Sunrise beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Abmahnung von Cablecom verlangt. Das Seco habe darauf verwiesen, dass die Kantonspolizei Zürich dafür zuständig sei. Das Verfahren laufe noch, sagte Schaller.

Mehr Macht für Comcom gefordert

Weniger Freude hat die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): Der Entscheid des Preisüberwachers sei zwar nachvollziehbar, weil die Marktsituation heute eine andere sei als vor fünf Jahren, sagte SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. Aber es gebe dann keine Regulierungsbehörde mehr, die in den Markt eingreifen könne.

Heute herrsche ein Oligopol: Die TV-Anbieter könnten sich so gegenseitig beobachten und die Preis aneinander ausrichten. Die Eidg. Kommunikationskommission (Comcom) könne nur eingreifen, wenn ein Konkurrent mit der Situation nicht zufrieden sei und Klage einreiche.

Stalder befürchtet steigende Preise: «Es gibt eine Bewegung gegen oben, die durch Bündelangebote getarnt ist.» Die SKS fordere deshalb eine Ausweitung der Kompetenzen der Comcom. Der Telekomregulator müsse sich die Preise im vornherein anschauen können.

(sda/dbe/ama)

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