Mediapulse macht Ihnen schwere Vorwürfe. In Gerichtsakten macht die Marktforschungsfirma hinter den TV-Quoten einen monatlichen Schaden von 800'000 Franken geltend. Fürchten Sie mit ihren Klagen nicht, Ihr Unternehmen zu gefährden?
Dominik Kaiser: Das ist eine Schutzbehauptung, die für uns nicht nachvollziehbar ist. Mediapulse hat ein neues Messsystem eingeführt, das nur sehr fehlerhaft funktioniert und auf einer falschen Datenbasis basiert. Ein System, das bis heute nie unter den sehr komplexen Schweizer Bedingungen real getestet wurde. Das Resultat sind Quoten, die nicht stimmen. Die Frage ist wohl eher, wie hoch unsere Schadenersatzforderungen sind.

Wir schätzen die bisherigen Prozesskosten auf 300'000 bis 400'000 Franken. Liegen wir richtig?
Die Prozesskosten lassen sich noch nicht abschliessend beziffern. Wenn eine Stiftung wie Mediapulse ein neues System einführt, habe ich als Kunde die Erwartungshaltung, dass sie korrekte Daten liefert und dass das System einwandfrei funktioniert. Das ist nicht der Fall. Und darum wehren wir uns. Im Wissen darum, dass wir als privater Sender gegen eine übermächtige öffentlich rechtliche Phalanx ankämpfen.

Wie gefüllt ist die Kriegskasse?
Der 3+/4+ Sendegruppe geht es hervorragend. Machen Sie sich keine Sorgen.

Sie wollen nicht, dass die Quoten öffentlich werden. Nur: Die Vermarktungsgesellschaften haben ja schon lange Einsicht und kennen Ihren Marktanteil von 2,9 Prozent. Warum Ihre Klagen?
Der Mediapulse-Verwaltungsrat hat mit dem Entscheid, die Quoten zu publizieren, versucht, Fakten zu schaffen. Er stützte sich dabei auf eine nicht rechtskräftige Verfügung des Uvek, gegen die wir rekurrieren, und wollte offensichtlich ein richterliches Urteil in der Sache nicht abwarten. Nach wie vor sind aber wesentliche Fragen unbeantwortet und die Zahlen falsch. Das Bundesverwaltungsgericht hat nun mit der superprovisorischen Verfügung unsere Position geschützt.

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Die anderen Verlierer wie RTL, Pro7, Sat1 halten sich zurück. Werden Sie von den deutschen Sendern als Winkelried missbraucht?
Es geht uns nicht um Verlierer und Gewinner. Es geht uns darum, dass das neue System auf einer Datenbasis aufgebaut ist, die nicht stimmt. Und darum, dass das System nicht fehlerfrei funktioniert. Wir kämpfen also für ein faires, korrektes und korrekt funktionierendes Messsystem.

Was ist ihr Ziel bei der Aktion?
Wir haben unseren Forderungskatalog schon vor mehreren Monaten veröffentlicht. Die Massnahmen sind unterteilt in Massnahmen vor und solche nach der Datenveröffentlichung. Ziel muss sein, dass das Vertrauen in das neuen System (wieder) hergestellt wird. Das ist bisher nicht der Fall, die grosse Mehrheit der Schweizer Lokal-TV-Sender ist bereits ausgestiegen. Wir kämpfen für ein faires, korrektes und korrekt funktionierendes Messsystem.

Wenn Sie auf der ganzen Linie verlieren, müssen Sie Ihre Anwaltskosten, die der Gegenpartei sowie Schadenersatz zahlen. Wäre dass das Aus für die Sendergruppe 3+?
Der 3+/4+ Sendegruppe geht es hervorragend. Machen Sie sich keine Sorgen.