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TV-Quoten-Debakel: Personelle Konsequenzen überfällig

Für die Mediapulse-Verantwortlichen ist es Zeit zu gehen. (Bild. Keystone)

Die Schweizer TV-Quotenmesserin Mediapulse hat heute zum wiederholten Male keine Zahlen präsentieren können. Die Verantwortlichen haben versagt und sollten das Feld räumen.

Von Tobias Keller
am 19.02.2013

Vor zwei Wochen sind die Zahlen zum Schweizer Fernsehkonsum auf heute versprochen worden. Doch jetzt werden die Quoten wohl erst Ende März öffentlich auf dem Tisch liegen. Dies hat der Verwaltungsrat der Mediapulse AG am Montag beschlossen.

Es ist der dritte Rückzug kurz vor einer angekündigten Veröffentlichung der Schweizer TV-Quoten. Mediapulse-Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani sagte heute vor den Medien zur Begründung der erneuten Verschiebung: «Die Reaktionen auf die Zahlen sind stärker ausgefallen als erwartet» und «es wird eine unabhängige Untersuchung verlangt».

Doch wer in den vergangenen Wochen das TV-Quoten-Desaster mitverfolgt hat, konnte diese Reaktion der Mediapulse-Kunden kommen sehen. Die Verantwortlichen der TV-Quotenmesserin haben jedoch offenbar einmal mehr die Situation falsch eingeschätzt und mussten nun in einer «Last Minute»-Aktion die Notbremse ziehen. Dies ist ein Zeichen von absoluter Überforderung mit der Umstellung und ihren Konsequenzen.

Die Mediapulse hat in der ganzen Affäre gegen aussen miserabel kommuniziert. Wenn sie nur annähernd so schlecht mit den einzelnen TV-Veranstaltern kommuniziert hat, dann überrascht die verlangte Überprüfung nicht.

Mediapulse CEO Mauel Dähler hat heute vor den Medien mehrheitlich geschwiegen. Er wirkte abwesend und nicht wie jemand, dessen Haus lichterloh brennt und das er noch löschen will. Er sollte mit gutem Beispiel vorangehen und abtreten.

Departement Leuthard gefordert

Das Desaster um die Umstellung auf das neue Messsystem für den Schweizer TV-Konsum kann nur das Zeichen für einen Neuanfang sein. Dazu muss das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard als Aufsichtsbehörde über die Mediapulse hinstehen und neue Voraussetzungen schaffen.

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrates muss überarbeitet und vor allem unabhängiger werden. Zu viele Interessen von direkten Marktteilnehmern sind in den Aufsichtsgremien der Mediapulse vertreten. Die Organisation ist nicht unabhängig und frei.

Das TV-Quoten-Desaster ist die Initialzündung zur Erneuerung, das müssen sich auch die Beteiligten eingestehen.

Die Verwaltungsräte um Präsident Marco de Stoppani sollten sich das Sprichwort «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende» zu Herzen nehmen. Jetzt ist die Zeit dafür.

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