Bis Mitte Februar ist in der Schweiz nicht mit Fernseh-Zuschauerzahlen zu rechnen. Die Veröffentlichung der TV-Quoten wurde vom Verwaltungsrat der Mediapulse AG, der verantwortlichen staatlichen Firma für die Erhebung, auf den 17. Februar verschoben.

Dass die Schweiz seit dem ersten Januar ohne TV-Quoten ist, interessiert jetzt auch das Bundesamt für Kommunikation, Bakom. Die Mediapulse AG muss dem Bakom laut einer Sprecherin jetzt «Informationen über das Vorgehen bei dem Systemwechsel» liefern und das Ausbleiben der TV-Quoten erklären. 

Vorstoss im Frühjahr

Verärgert über den Zustand rund um die Mediapulse und die fehlenden TV-Quoten zeigt sich FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Er will in der Frühjahrssession einen Vorstoss rund um die Mediapulse einreichen. «Bis jetzt wurde nur vertröstet und gehofft, anstatt dass die Verantwortlichen Klartext reden und eine transparente Fehleranalyse auf den Tisch legen", so Leutenegger zu «Handelszeitung Online».

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Für den Medienprofi «ist es unverständlich, dass nicht ein mehrmonatiger, transparenter Parallelbetrieb durchgeführt wurde. Stattdessen will man die Panne aussitzen, in der Hoffnung, es komme dann schon alles gut.»

Im Frühjahr will es der FDP-Politiker dann genau wissen. Während der Session reicht Leutenegger einen Vorstoss ein. Ist doch das Departement von Bundesrätin Doris Leuthard das Aufsichtsgremium über das Mediapulse-Gebilde.

Die Schweiz ohne Quoten, das «ist eine kritische Situation, denn es steht das Vertrauen der Werbewirtschaft auf dem Spiel.» Und diese macht bis auf weiteres gute Miene zum bösen Spiel. Unilever, die grösste TV-Werbetreibende in der Schweiz, sagte auf Anfrage: «Wir sind mit allen Beteiligten in Gesprächen, um die sich aus der Umstellung ergebenden Anlaufschwierigkeiten zu beseitigen.» Kritik und Verärgerung tönt anders.  

Internationale Experten sollen es richten

Bei der Mediapulse scheint sich der Verwaltungsrat intensiver eingeschaltet zu haben. Wie Verwaltungsratspräsident Marco de Stoppani gegenüber «Handelszeitung Online» sagte, sollen jetzt internationale Experten das Verfahren prüfen. Der Auftrag soll noch diese Woche vergeben werden.

Der Verwaltungsrat der Mediapulse hat dies letzten Donnerstag beschlossen. Für de Stoppani hat jetzt die möglichst schnelle und fehlerfreie Auslieferung der Daten oberste Priorität. Daneben «befasst sich der Verwaltungsrat mit der Frage: Was zeihen wir für Konsequenzen aus dem Ganzen».

Laut De Stoppani laufen die Datenerhebungen mittlerweile rund und die Mediapulse verfügt über diese Daten, welche momentan noch überprüft werden. Darum muss die Schweizer TV-Branche noch rund zwei Wochen Geduld haben.

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Nur überraschen die Verzögerungen nicht ganz. Hat doch die mit der Datenerhebung beauftragte Firma Kantar auch in der Türkei für ein TV-Quoten Chaos gesorgt. Dort blieben die Quoten für sechs Monate im Dunkeln.