Das Technologieunternehmen U-Blox hat hehre Ziele: Bis 2011 soll der Umsatz von 75 auf 150 Mio Fr. verdoppelt werden - trotz rückläufiger Verkäufe. Und die im vergangenen Jahr akquirierten Firmen, die italienische Neonseven und die englischen Geotate, verursachen vor allem Kosten.

Doch bringen die Firmen neue Technologien mit, mit denen U-Blox in den riesigen Konsumgütermarkt vorstossen will - bisher belieferte U-Blox mit seinen GPS-Produkten vorwiegend industrielle Abnehmer. «Wir dringen mit der Akquisition von Geotate verstärkt in den Consumer-Bereich vor», bestätigt U-Blox-Finanzchef Jean-Pierre Wyss im Gespräch mit der «Handelszeitung». So kann etwa ein vom deutschen Fotozubehör-hersteller Bilora vertriebenes Produkt, das auf der akquirierten Technologie beruht, aufgenommene Bilder im Nachhinein mit exakten Positionierungsdaten anreichern. Das geschieht fast ohne Energieaufwand und erleichtert das Ordnen der Fotos.

«Müssen Produzenten angehen»

Zwar beläuft sich der ganze Markt auf etwa auf 120 bis 130 Mio Geräte, die mit dieser Technologie ausgestattet werden könnten. Und es ist ungewiss, wie viele davon wirklich aufrüsten. Deshalb soll das System zukünftig direkt von den Herstellern in die Kameras integriert werden. Welche Kun-den das sein könnten ist noch offen, doch gibt es weltweit nur eine kleine Zahl von Kameraproduzenten mit einem entsprechenden Marktanteil. «Diese müssen wir jetzt angehen», so Wyss.

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Die Designzyklen der Kamerahersteller sind jedoch langsam und betragen rund 12 bis 18 Monate. Für die Unternehmen ist die Integration von GPS zudem Neuland. So müssen sie erst mit der neuen Technologie zurechtkommen und zum Beispiel die sensiblen GPS-Empfänger vor Störungen von Bildschirmen und Objektiv-Motoren abschirmen. Bei U-Blox ist man jedoch davon überzeugt, dass die Hersteller von Digitalkameras auf die bei Smartphones bereits vorhandene Technologie eine Antwort haben müssen. Wyss geht daher davon aus, dass es Ende 2010 oder Anfang 2011 soweit sein könnte und die ersten Digitalkameras mit der von U-Blox hergestellten Lokalisierungstechnologie verfügbar sein dürfte.

Das Wachstum soll aber nicht nur aus dem neuen Kamerageschäft stammen. «Im klassischen GPS-Business wollen wir zusammen mit dem neuen Kamerageschäft ein jährliches Umsatzplus von 10 bis 20% erreichen. Die restlichen 50 bis 60 Mio Fr. sollen mit der Wireless-Technologie erzielt werden», sagt Wyss.

Es gehe dabei nicht mehr darum, ein Gerät zu positionieren, sondern Daten zwischen verschiedenen Geräten zu übermitteln. So könnte etwa ein Objekt einen Defekt selbstständig melden. Das ganze Marktsegment betrage rund 1 Mrd Dollar. Von diesem Kuchen möchte U-Blox ein grosses Stück erobern. «Wir rechnen damit, dass wir leicht viele Kunden gewinnen können, weil sie U-Blox schon aus dem bisherigen Telematik-Geschäft kennen», so Wyss.

Ambitionierte Pläne - sorgten doch die Semestergewinne nicht für gute Stimmung. Beim Gewinn (-58,3%) und beim Umsatz (-15,4%) musste U-Blox im 1. Halbjahr deutliche Einbussen hinnehmen. Vor allem in Europa und in den USA liessen die Geschäfte nach. «Unsere Kunden gehen keine Risiken mehr ein und haben ihre Lager geräumt», so Wyss. Zufrieden zeigt er sich damit, dass sich die Bruttomarge stark verbessert hat und der Umsatz im Wachstumsmarkt Asien im Vergleich zur Vorjahresperiode um 14,4% ge-steigert werden konnte.