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Taxi-Dienst
Uber: Abgang à la française

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 Quelle: S3studio/Getty Images

Der Taxi-Dienst baut in der Schweiz Stellen ab und verschiebt sie nach Paris. Mehr Effizienz und Zentralisierung heisst das neue Mantra.

Von Marc Badertscher
am 01.09.2018

Als Uber vor fünf Jahren zur grossen Expansion ansetzte, stand die Schweiz weit oben auf der Liste der zu erobernden Märkte. Zürich gehörte zu den ersten zehn Städten, in denen der Taxidienst seine Alternative anpries und ein lokales Team aufbaute. Zwischenzeitlich wurde der ganze deutschsprachige Raum inklusive Deutschland und Österreich von der Schweiz aus geleitet.

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Doch zuletzt haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Uber hat zwischen einem Drittel und der Hälfte seines Personals in der Schweiz abgebaut und teilweise nach Paris verschoben. Statt etwas über zwanzig Personen arbeiten hierzulande jetzt noch etwas mehr als ein Dutzend Angestellte.

Uber bestätigt die Grössenordnung. «Unsere Organisationsstruktur entwickelt sich kontinuierlich weiter, während unser Geschäft in ganz Europa wächst und fortschreitet», sagt eine Pressesprecherin. «Wir wollen uns langfristig in der Schweiz engagieren und unser Team vor Ort setzt sich weiterhin stark dafür ein, ein guter Partner für die Schweizer Partnerfahrer, Nutzer und Städte zu sein.»

Uber
Uber: Das Schweiz-Geschäft wird mit den französischen Aktivitäten organisatorisch zusammengebunden.
Quelle: Keystone .

Effektiv, aber nicht effizient

Der Transfer von Funktionen nach Paris hat schon Anfang Jahr begonnen und ist abgeschlossen. Neu in der französischen Hauptstadt sind nun skalierbare Dienste angesiedelt wie zum Beispiel Marketing und andere Operations-Funktionen.
 
Weiterhin aus der Schweiz heraus wird etwa die Fahrersprechstunde angeboten, welche angehende und bisherige Uber-Fahrer in Anspruch nehmen können. Dienstleistungen also, die wegen Gepflogenheiten und Sprache vor Ort angeboten werden müssen.

300'000 Kunden

Schweiz Uber ist in Zürich, Basel, Genf und Lausanne aktiv. Die App wird hierzulande jährlich von 300'000 Personen genutzt. Global ist Uber in mehr als 600 Städten in 65 Ländern präsent.

Strategie Der Uber-Konzern mutiert zunehmend von einem reinen Taxidienst zu einem weitergefassten Transportanbieter. Von der Essenszustellung über Fahrräder und Scooter bis zu futuristischen Drohnentransporten wird alles geprüft.

«Teams on the ground», wie es im Fachjargon heisst, gehörte zur DNS des Taxidienstes kurz nach der Gründung. In der Expansionsphase 2013 bis 2015 hatte Uber denn auch in jede neu erschlossene Stadt ein eigenes Team entsandt, das den Aufbau vorantrieb.

Kein anderes App-Unternehmen – von Airbnb bis Booking – hatte mehr Personal vor Ort. Es war das Erfolgsrezept und brachte astronomische Wachstumsraten. Der ultradezentrale Ansatz war äusserst effektiv – aber langfristig nicht sehr effizient. Überall entstanden Doppelstrukturen, gewisse Skalierungspotenziale blieben ungenutzt.

Unternehmens-Spitze reagiert

Das realisierte natürlich auch die Uber-Spitze und reagiert in dieser neuen Phase des Unternehmens, in der nicht Wachstum um jeden Preis im Zentrum stehen muss, sondern ebenso Kostenkontrolle. Eine Rolle dürfte auch der angestrebte Börsengang nächstes Jahr spielen. Uber-Chef Dara Khosrowshahi war früher Finanzchef bei der Internetfirma IAC und hat ein ausgesprochenes Faible für Kennzahlen. Auf jeden Fall setzt er nun stärker als sein Vorgänger und Uber-Gründer Travis Kalanick auf Effizienz und forciert eine gewisse Zentralisierung – in Europa etwa mit starken Hubs in Amsterdam, Paris und London.

Für die Rolle der Schweiz spielt zudem auch die Entwicklung in Deutschland eine Rolle. Bis letztes Jahr waren beide Märkte zusammen mit Österreich in der DACH-Region zusammengefasst. Eine Prüfung der einzelnen Länder zeigte jedoch, dass vor allem Deutschland noch grosses Potenzial birgt. Deutschland erhielt daraufhin einen eigenen Länderchef. Seither stellt Uber in Berlin fortlaufend Leute ein.

Paris
Paris: Hier sind die Schweizer Uber-Manager bald öfters anzutreffen.
Quelle: Keytone

Neuer Chef öfters in Paris

Die Schweiz und Österreich wurden daraufhin organisatorisch mit dem schon stärker zentralisierten französischen Markt zusammengebunden. Der heutige Schweiz-Chef Steve Salom ist gleichzeitig verantwortlich für alle drei Länder. Oft wirkt der gebürtige Schweizer in Paris, wo Uber eine starke Marketingabteilung aufgebaut hat.

In der Schweiz unterhält Uber in Zürich und Genf Büros. Geschäftszahlen für regionale Märkte gibt das Unternehmen nicht bekannt. Doch in der Schweiz dürfte die Situation besser sein als in schwierigen Märkten wie Russland, China oder Dubai, wo der Konzern auf den Wettbewerbsdruck mit Zukäufen und Kooperationen reagierte.

Wichtiges Urteil wird kommen

Noch ausstehend ist in der Schweiz ein verbindliches Urteil darüber, ob Uber-Fahrer den Status von Angestellten von Uber Switzerland haben sollen. Kürzlich wies das Zürcher Sozialversicherungsgericht ein entsprechendes Begehren der Suva allerdings zurück.