Neun Minuten nach der Anfrage steht er vor der Tür: Christian. Dunkler Anzug, vergoldete Manschettenknöpfe, Headset – der Uber-Fahrer hat die Ausstrahlung eines Bodyguards. Seinen Namen und sein Foto zeigte Uber bereits bei der Buchung per Taxi-App, den schwarzen, polierten Audi A8 sieht der Nutzer erst vor Ort.

Uber ist eine einfache Smartphone-Anwendung und zugleich das wohl am höchsten bewertete Start-up der Welt. 18,2 Milliarden Dollar ist das Unternehmen bereits wert, das vor vier Jahren in San Francisco gegründet wurde. Google und Goldman Sachs sind als namhafte Investoren an Bord. Bisher ist Uber in 38 Ländern präsent, davon in Europa in 20 Städten.

Simple App, grosser Protest

Was die App kann, ist simpel: Sie vermittelt Fahrdienste an Kunden. Die Chauffeure arbeiten selbstständig, sie sind nicht bei Uber angestellt. Keine grosse Sache, scheint es, und doch hat die Plattform vergangene Woche einen europaweiten Aufschrei provoziert. In Berlin, London und anderen Grossstädten streikten die Taxifahrer, sie forderten Massnahmen gegen die digitale Konkurrenz. In Paris sollen Mitglieder von Taxi-Gewerkschaften Reifen von Uber-Fahrern zerstochen haben. Die Wut ist gross – doch warum?

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Anders als ältere Dienstleister-Apps wie etwa Mytaxi beschränkt sich Uber nicht darauf, Nutzer und Fahrer per Smartphone zusammen zu bringen. Das stiess allein den Taxi-Leitzentralen sauer auf. Uber geht einen Schritt weiter: Die Taxi-App drückt die Preise.

Ähnlich wie die Luftfahrtbranche bis Ende der 90er-Jahre waren Taxidienste in den meisten europäischen Ländern bisher relativ stark reguliert. Fahren darf nur, wer eine Lizenz hat. Die Preise sind staatlich festgelegt, die Konkurrenz hielt sich lange in Grenzen.

«Wer sich als Fahrer auf Uber einlässt, ist selbst Schuld»

Zwischen 20 und 40 Prozent weniger als herkömmliche Taxifahrer will Uber verlangen, auch in Zürich, wo das Unternehmen seit einem Jahr aktiv ist. Allerdings gilt das nach stichprobenartiger Prüfung nur für die günstigste Variante – UberX, die vergangene Woche lanciert wurde. «Wer sich als Fahrer auf Uber einlässt, ist selbst Schuld», sagt Liz Spengler vom Taxiverband Zürich. Nach Abzug der Provision decke eine Fahrt gerade noch die Betriebskosten.

Uber greift den Fahrern tatsächlich vergleichsweise tief in die Tasche, pro Fahrt werden 20 Prozent fällig. Konkurrent Mytaxi zum Beispiel nimmt in Deutschland zwischen drei und 15 Prozent, in der Schweiz pauschal 2.50 Franken pro Fahrt. Dennoch: In vielen Ländern der EU zahlen Taxifahrer höhere Gebühren, um sich per Leitzentrale vermitteln zu lassen. Und für Limousinendienste bietet die Anwendung die Möglichkeit, ihre Auslastung zu erhöhen.

Uber könnte mit seiner Strategie für die Taxibranche sein, was Ryanair für die Luftfahrt war: Der Monopolbrecher, der neben unkomplizierter Buchung günstige Preise bietet und binnen weniger Minuten parat steht. Entsprechend riefen spanische Taxi-Gewerkschaften im Anschluss an die Taxi-Streiks nach einer Regulierung von Seiten der EU. Doch EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes schlug sich auf die Seite der Herausforderer. «Technologie wälzt viele Branchen um», gab sie laut «Spiegel Online» bekannt. «Taxis können keine Ausnahme sein.»

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In der Schweiz nur Fahrer mit Lizenz

Und doch stellt sich die Frage nach der Akzeptanz auf Fahrerseite – denn in Europa und der Schweiz ist die Beförderung strenger geregelt als in den USA. Auch dort gab es früh Kritik. Als Uber 2011 in Washington startete, verhängte die zuständige Aufsichtsbehörde Bussen. Der Plattform wurde vorgeworfen, ein Taxiunternehmen ohne Lizenz zu sein.

In Europa sind nur in Paris Privatpersonen für Uber unterwegs, in Brüssel verbot dies ein Gericht. In den anderen Städten Europas und in der Schweiz arbeiten Limousinendienste mit Uber zusammen – ausschliesslich mit Genehmigung. «Alle sind professionelle Fahrer mit entsprechender Lizenz», versichert Raouf Jalali, General Manager von Uber in Zürich.

Note für Fahrgäste

Wie viele Fahrer nach einem Jahr für Uber in Zürich unterwegs sind, darüber schweigt sich Jalali aus. Eine Umfrage der «NZZ am Sonntag» unter Uber-Fahrern ergab ein Zahl von rund 75. Damit wäre das Unternehmen von einer breiten Abdeckung noch entfernt – das würde erklären, warum die App bei mancher Anfrage verkündet, dass derzeit leider kein Fahrzeug verfügbar sei.

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Auf jeden Fall aber erweitert die App den Bewertungseifer in den sozialen Netzwerken um eine neue Nuance: Bei Uber können nicht nur die Gäste den Fahrer beurteilen. Auch die Kunden erhalten maximal fünf Sterne pro Fahrt. Wer also angeheitert Hilfe für den Heimweg sucht, sollte vielleicht lieber auf ein herkömmliches Taxi zurückgreifen – sonst drückt das noch die Note.