1. Home
  2. Unternehmen
  3. UBS: Aktionäre zittern um ihre Dividenden

Ungewissheit
UBS: Aktionäre zittern um ihre Dividenden

UBS-Logo: Streitereien mit Justizbehörden lasten auf der Grossbank.  Keystone

Trotz diversen Baustellen dürfte die UBS auch im dritten Quartal einen satten Reingewinn erzielen. Die Altlasten drücken aber die Aussichten auf die Auszahlung der versprochenen Dividenden.

Von Marc Iseli
am 27.10.2014

Die UBS hat wenig zu lachen derzeit. In den Staaten wird Raoul Weil, einem früheren Kadermann, der Prozess gemacht. Der Vize-Präsident der EU-Kommission verdonnerte die Grossbank zur Zahlung einer Millionenstrafe. Mit dem US-Justizministerium verhandeln die Schweizer offenbar über einen Vergleich wegen der Manipulation der Devisenkurse. Dazu kommt eine sehr wahrscheinliche Busse aus London von bis zu 600 Millionen Franken.

Und nicht zuletzt verknurrte Paris die UBS zur Zahlung einer Kaution von einer Milliarde Euro. Eine Verurteilung der Bank könnte die Schweizer sogar sechs Milliarden Franken kosten.

ZKB-Analyst Andreas Brun rechnet denn auch mit zusätzlichen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Rund 450 Millionen Franken wird die UBS dafür im dritten Quartal aufbringen, meint Brun. «Diese zusätzlichen Rückstellungen werden den Gewinn schmälern», schätzt der ZKB-Analyst.

Starke Position in Asien

Unterm Strich erwartet Brun trotzdem einen positiven Reingewinn von über 800 Millionen Franken. «Die Bank hat ihren Spitzenplatz als Vermögensverwalter in Asien bestätigt», führt er aus. Das Kerngeschäft lahmt zwar in Europa – ähnlich wie bei der Credit Suisse, die davon ausgeht, dass jährlich 10 bis 15 Milliarden an Kundengelder aus Westeuropa abfliessen werden.

Wie eine Studie des Beratungsunternehmens Private Banker International zeige, baue die UBS ihre Spitzenposition aber in Asien aus. Und deshalb behält sie eine solide Position in der Vermögensverwaltung. «Die Geldzuflüsse aus jenen Märkten übertreffen die Abflüsse aus Europa», führt der ZKB-Analyst aus.

Weniger Gewinn im Investment-Banking

Für das Investment-Banking rechnet Brun aber nicht damit, dass die UBS mit einer ähnlichen Überraschung wie die Credit Suisse auftrumpfen kann. Die CS glänzte hier mit einem Vorsteuergewinn von 516 Millionen Franken, nach 229 Millionen im Vorjahr. Dazu hat insbesondere der Handel mit Festverzinslichen (Fixed Income) beigetragen.

Die jüngste Neuausrichtung der Investmentsparte der UBS hat aber dazu geführt, dass eben jene Tätigkeit, die bei der Credit Suisse glänzte, weniger stark ausgebaut sei. «Deshalb wird der Gewinn der UBS im Investmentbereich wohl weniger stark ausfallen», meint Brun und fügt an: «Ausserdem hatte die Credit Suisse im vergangen Quartal eine bessere Position bei den Dienstleistungen für den Kapitalmarkt. Die CS war beim Börsengang des chinesischen Internethändlers Alibaba beteiligt, dem bisher grössten dieser Art. Die UBS nicht.»

Rechtsstreitigkeiten lasten auf Versprechen zur Dividenausschüttung

Die entscheidende Frage für die UBS bleibt aber jene nach den Folgen der Rechtsstreitigkeiten. Die UBS hat verlauten lassen, dass sie 50 Prozent des Gewinnes ausschütten möchte, sobald ihr Kapitalpuffer auf über 13 Prozent angestiegen ist. Diese Schwelle erreichte die Bank erstmals 2014. Bis 2016 gehen die Analysten aber davon aus, dass bis zu fünf Milliarden Franken Strafgelder bezahlt werden müssen.

«Die UBS ist zwar gut kapitalisiert, die Anleger sind derzeit aber noch verhalten, weil die Grossbank ihren grössten Streitfall noch nicht beenden konnte – die Manipulation von Wechselkursen», sagt ZKB-Analyst Brun und ergänzt: «Es besteht die Gefahr, dass die versprochenen Dividenden nicht im erwarteten Ausmass ausbezahlt werden können.»

Anzeige