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UBS berät reiche Kunden bald wie Amazon

UBS-Zentrale in Zürich: Digitale Kundenbetreuung hat ihren Schwerpunkt in Asien.   Keystone

Die UBS will die Wünsche ihrer Kunden im Voraus ahnen: durch einen Ausbau der Datenanalyse. Vermögende Nutzer sollen den passenden Kauftipp zur richtigen Zeit bekommen – ähnlich wie bei Amazon.

Veröffentlicht am 10.01.2015

Was Google und Amazon können, das will auch die UBS lernen: In ihrer Vermögensberatung setzt die grösste Schweizer Bank stärker auf künstliche Intelligenz, berichtet Bloomberg. So wie Amazon den Buchgeschmack seiner Kunden filtert, um passende Kaufempfehlungen auszusprechen („Wird oft zusammen gekauft“), sollen die Präferenzen eines UBS-Kunden also Aufschluss darüber geben, welche Art der Geldanlage ihm ausserdem noch gefallen könnte.

Um das leisten zu können, hatte die UBS im Herbst einen Wettbewerb ausgeschrieben. «Wir haben Daten! Zu viele davon!», hiess es im Aufruf der UBS. Der Appell ging an Software-Firmen, ein entsprechendes Programm für die zielgenaue Datenanalyse zu entwerfen.

Digitalsierung ist Kernthema für Banken

«Die Bankenbranche ist eine der rudimentärsten, wenn es um Digitalisierung geht», sagt Dirk Klee, oberster Vermögensberater der Bank und zuständig für digitale Initiativen. Die Frage sei, so Klee gegenüber Bloomberg, wie sich die Datenanalyse von Amazon oder Ebay für die Bankenwelt übersetzen lasse.

Big Data ist ein zentrales Thema für Grossbanken: 90 Prozent der Finanzinstitutionen in Nordamerika sehen laut Bloomberg in der Datenanalyse den Schlüssel für ihre Zukunft, wie eine Untersuchung von Datenspezialist Cap Gemini aus dem Jahr 2014 ergab.

Vermögensberatung mit Schwerpunkt Asien

Auf den Aufruf der UBS haben 80 Teams Vorschläge eingereicht, um den mit 40'000 Dollar dotierten Auftrag zu bekommen. Ein Unternehmen aus Singapur, Sqreem Technologies, hat sich durchgesetzt.

Die UBS begründete die Wahl einer asiatischen Firma zum einen mit dem Schwerpunkt in der Vermögensverwaltung in der Region. Zum anderen seien Asiaten eher geneigt, ihr Smartphone oder andere digitale Geräte zu verwenden,  um Bankgeschäfte zu tätigen – und damit könnte ihnen die neu entwickelte Methode am besten nützen.

Sqreem hat eigenen Angaben zufolge eine cloud-basierte Suchmaschine entwickelt hat, die die Aktivitäten von rund sechs Millionen Einwohnern in Singapur nach rund 130'000 Aktivitäten durchsucht, die diese im Alltag ausüben.

85 Millionen Verhaltensmuster entschlüsselt

«Wir haben 85 Millionen individuelle Verhaltensmuster entschlüsselt, die die Menschen in Singapur aufweisen», sagt Sqreem in seiner Produktpräsentation. Auf diese Weise entstehe ein persönliches Profil von einzelnen Nutzern, das wiederum mit dem Profil eines Produktes aus der Vermögensberatung abgeglichen werden.

Die Daten, so betont Sqreem, würden dabei vollständig anonym erhoben. Einzelne Kunden würden nicht anhand ihrer Daten identifiziert. Die UBS habe sehr strenge Datenschutzvorgaben und diese würden eingehalten, sagt die Grossbank gegenüber Bloomberg.

Auch Credit Suisse bastelt an Plattform

Die UBS ist mit ihren Plänen längst nicht alleine – viele grosse Geldhäuser arbeiten derzeit an Tools zur Datenanalyse. Die Credit Suisse etwa arbeitet ebenfalls an einer Daten-Plattform für Asien.

Auch für den Schweizer Markt arbeiten grosse Geldhäuser an digitalen Angeboten: Auch wenn Retailbanken oft noch zögerlich sind, drängt etwa Postfinance mit Macht auf den digitalen Markt. An der Kooperation mit der Online-Bank Swissquote wird gebastelt, und das digitale Portemonnaie Twint soll im zweiten Halbjahr 2015 starten und das Konkurrenzprodukt Tapit der Swisscom ausstechen.

(me)

 


 

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