Der CEO der UBS, Sergio Ermotti, unterstützt die Empfehlungen des Brunetti-Berichts zur Grossbankenregulierung, gibt aber die Unterschiede zwischen den Internationalen Bankensystemen zu bedenken, wenn es um die Festsetzung des Gesamtengagement geht. Bei einer Erhöhung der Eigenmittelanforderungen rechnet er mit Konsequenzen für die Schweizer Volkswirtschaft.

«Ja, ich unterstütze die Aussagen des Berichts. Auch in Bezug auf das Gesamtengagement, also die Leverage Ratio, wo wir die Anforderung anpassen müssen. Unser Massstab sollte aber der internationale Standard sein, den das Financial Stability Board empfiehlt», sagte Ermotti gegenüber der «Finanz und Wirtschaft».

Stellschrauben kombinieren

Die Fokussierung auf die Höhe des Eigenkapitals greife dabei zu kurz. Die drei Stellschrauben risikogewichtete Aktiva, Leverage Ratio und Stresstest müssten kombiniert werden. «Insgesamt, über alle Anforderungen hinweg, ist die Schweiz in den Eigenmittelanforderungen international führend», so das Urteil des UBS-Chefs.

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Die Bankensysteme zwischen der Schweiz und den USA seien nur schwer vergleichbar. So würden in den USA nur ein Drittel der Kredite auf den Bankbilanzen verbleiben, in der Schweiz 70 Prozent. Höhere Eigenmittel würden Konsequenzen für die Schweizer Volkswirtschaft haben. Als Folgen sieht Ermotti steigende Kreditkosten, da sich die Kapitalkosten der Banken verteuern und da die Schweiz keinen genügend aufnahmefähigen Verbriefungsmarkt habe.

Absolute Sicherheit gebe es nicht. «Ob noch mehr Kapital zu mehr Sicherheit führt, ist unklar. Etwas anderes zu behaupten, ist Spekulation. Fakt ist: Es wird negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, und das ist das Letzte, was die Schweiz in der jetzigen Situation braucht», gibt der Banker zu bedenken

Der UBS-Manager sieht in der derzeitigen Lage der Schweitzer Banken grosse Unterschiede zur Finanzkrise 2008. «Damals waren die anderen Banken und der Finanzplatz viel gesünder und recht profitabel. Heute sind das viele Banken nicht mehr, auch sie müssen höhere Kapitalanforderungen erfüllen und regulatorische Kosten tragen. Zwei Drittel der Banken in der Schweiz verdienen ihre Kapitalkosten nicht mehr», sagte Ermotti.

(awp/chb)