UBS-Chef Sergio Ermotti sieht schwarz für kleine und mittlere Schweizer Banken: «20 bis 30 Prozent der Schweizer Banken werden in den nächsten Jahren ihre Eigenständigkeit verlieren.», sagte Ermotti im Interview mit dem «Sonntagsblick». In absoluten Zahlen ausgedrückt werden gemäss dem UBS-Chef 60 bis 80 Institute verschwinden. Laut Ermotti verliert die Schweiz ihre Vormachtsstellung in der Vermögensverwaltung. «Singapur und Hongkong wachsen viel schneller. In einigen Jahren werden sie die Schweiz überholen.»

Die Schweiz habe sich den Abstieg selber eingebrockt, die Politik habe versagt: «Die Schweiz war politisch nicht stark genug, um ihre Position zu verteidigen. Die konkurrierenden Finanzplätze haben das erkannt und Profit daraus geschlagen.» Die Position der UBS hält Ermotti trotzdem für ungefährdet.

UBS besser als Credit Suisse kapitalisiert

In ihrem Bereich sei die UBS heute Weltspitze. «Wir sind in allen Wachstumsmärkten dabei. In Asien sind wir die Nummer eins. Die kleineren und mittelgrossen Banken haben diese globale Präsenz nicht. Für sie wird es schwieriger.»

Einen Seitenhieb versetzt Ermotti der Credit Suisse. Die UBS sei viel besser kapitalisiert als der Erzrivale. Die UBS-Konzernleitung verliert laut Ermotti ihren Bar-Bonus, wenn die Kernkapitalquote unter zehn Prozent falle; aktuell liege sie bei 13,7 Prozent. «Einige unserer Konkurrenten sind heute knapp über zehn Prozent und betrachten dieses Niveau gar als nachhaltiges Ziel.» Damit spielt er auf die Credit Suisse an, die Ende des dritten Quartals bei 9,8 Prozent lag.

Busse droht wegen Devisen-Manipulation

Der noch ausstehende Vergleich mit dem US-Justizdepartement wegen Devisen-Manipulationen bereitet Ermotti keine schlaflosen Nächte. «Wir sind gut vorbereitet», sagt er. Die Höhe der Busse lasse sich aber «unmöglich im Voraus sagen». Die Kritik der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma), die UBS habe nichts gelernt aus den früheren Betrugsfällen, weist Ermotti zurück: «Wir haben den Fall als Erste den Behörden gemeldet, mit denen wir abgeschlossen haben. Schon zuvor haben wir die Kontrollsysteme verbessert und eine Kultur eingeführt, die Regelverstösse nicht toleriert.»

Im Unterschied zur Finma hätten die Behörden in Grossbritannien und den USA die Fortschritte der UBS anerkannt: «Der Grossteil der untersuchten Handlungen geschah vor dem Abschluss des Libor-Falles. Das wurde häufig falsch dargestellt.»

(moh)

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