Gier ist ungesund. Der Versuch der UBS, das Schweizer Verständnis für Vermögensverwaltung mit der Scheinloyalität der angelsächsischen Investmentbanker zu paaren, ist spektakulär gescheitert.

Die Massenentlassung ist nur die bisher letzte Episode einer Reihe verheerender Ereignisse für den Finanzplatz Schweiz. Das Unheil kam auch aus den USA: Mit dem Kauf der US-Investmentbank Paine Webber im Sommer 2000 übernahm die UBS ohne Not einen Grossteil jener Mitarbeiter, die erst mit ihren betrügerischen Praktiken US-Kunden beim Steuerbetrug halfen und dann mit ihren Enthüllungen das Schweizer Bankgeheimnis endgültig bodigten.

Man verliess die Tugenden von Vertrauen und Zuverlässigkeit als Zentrum der Kundenbeziehung. Das soll sich nun radikal ändern.

Milliardenverluste soll es nie mehr geben

Die UBS vollzieht damit den Bruch mit dem prestigeträchtigen - aber für die Bank meist verlustreichen - Investment Banking. 21 Milliarden betrug der Reinverlust 2008, als die UBS-Investment-Banker über 100 Milliarden auf US-Schrottpapiere setzten.

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Die UBS konnte sich im Investment Banking mit den anderen Grossbanken und den spezialisierten US-Häusern nie messen; bei grossen Transaktionen oder IPOs in den USA war man in den letzten Jahren höchstens Juniorpartner, gegen die Amerikaner hatte man keine Chance. Namentlich bei Facebook bewies die UBS dann auch noch ein schlechtes Händchen.

«Über die Zyklen hinweg gelang es der UBS nicht, im Investment Banking erfolgreich zu werden», meinte ein Analyst bei der ZKB. Auf den nun erfolgenden Abbau sei wohl mehrere Jahre hingearbeitet worden. Deshalb sei es auch unwahrscheinlich, dass die UBS diesen in der nächsten Hausse wieder rückgängig mache, meinte der Analyst weiter. 

Gehen die Massnahmen nicht weit genug?

Die Analysten begrüssen den Schritt, weg vom Investment Banking, die Börse jubelt: Gestern legte die UBS-Aktie um 7,2 Prozent zu, heute springt sie erneut nach oben. Mit dem Abbau folgt die Schweizer Grossbank den jahrelangen Rufen der Investoren nach weniger Risiko.

«Die UBS hat ihre Risiken schon stark reduziert, deshalb empfehlen wir die Aktie auch zum Kauf», erläutert Teresa Nielsen, Analystin bei der Bank Vontobel. «Mit diesem Schritt wird die Bank nun noch mehr zu einer sehr grossen Privatbank.»

Für einige Finanzexperten gehen die Massnahmen der UBS aber noch immer nicht weit genug. So äusserte sich etwa  Professor Marc Chesney vom Institut für Banking und Finance der Universität Zürich in «20 Minuten», die Massnahmen der UBS seien nur ein «Schritt in die richtige Richtung», gingen aber noch lange nicht weit genug.

Neue Regeln machen Investment Banking noch unrentabler

Den Ausschlag zum endgültigen Entscheid könnte die bevorstehende Umsetzung des Basel-III-Regelwerks in der Schweiz ab 2013 gegeben haben, mutmasst Teresa Nielsen. Durch die verschärften Regeln über risikogewichtete Aktiven sinkt der Return on Equity bei Fixed-Income-Papieren. Diese waren schon bisher kaum rentabel genug. Trotzdem hielt die UBS bisher noch daran fest, weil man den Kunden diese Dienstleistung bieten wollte.

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«Wann dieses Regelwerk in den USA umgesetzt wird, ist noch nicht klar», erklärt Nielsen weiter. Diese Diskrepanz in der Regulierung verstärkt noch den Vorteil, den US-Investmentbanken in diesem Bereich sowieso haben. 

Sergio Ermotti gab während der Präsentation der Ergebnisse des dritten Quartals zu verstehen, dass man trotz dem Kahlschlag nach wie vor weltweit Investment Banking anbiete und der einzige Player auf der Welt sei, der das Regelwerk von Basel-III voll und ganz erfülle.

Verteilkampf in UBS wird brutal

Obwohl die UBS sich nicht gänzlich vom Investment Banking verabschiedet: Die UBS wird wieder zu einer grossen Privatbank. Gewinner sind Zürich und Genf, Verlierer London und New York. Das Messerwetzen um die verbleibenden Plätze an der Spitze hat schon lange begonnen.

Seit Wochen breiteten Medien aus England und den USA brühwarm UBS-Internas aus - die Lecks kommen von den Angelsachsen und sind der Auftakt des kommenden Verteilkampfes. Passt die Schweizer-Fraktion in der Bank nicht auf, wird sie am Ende als Verlierer vor leeren Töpfen sitzen.

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Im Gegensatz zu den Schweizern sind sich die Investmentbanker Infights gewohnt und konnten sich in der Vergangenheit in der UBS strategisch hervorragend positionieren.

Druck auf Kleine nimmt weiter zu

Wer an der UBS-Spitze die Strategieumkehr weg vom Investment Banking hin zum Private Banking überlebt, bleibt eine grosse Frage.

Eine andere ist: Was heisst die starke Fokussierung der UBS auf Geschäfte des klassischen Private Banking für die kleineren Privatbanken in der Schweiz? Denn was UBS-Chef Sergio Ermotti sagte, lässt keinen Zweifel: Klassisches Private Banking im globalen Stil mit den Vorteilen eines weltweit vernetzten Apparats.

Folgen andere Grossbanken der UBS, was zu erwarten ist, nimmt der schon starke Druck auf kleinere Häuser mit Sicherheit weiter zu.