Bei der UBS könnten die Ermittlungen im Devisenskandal durch das US-Justizministerium (DoJ) einem neuen Medienbericht zufolge auch den längst erledigt geglaubten Libor-Fall wieder an die Oberfläche spülen.

Im Fall der derzeitigen Untersuchungen wegen Manipulationen im Devisenhandel muss die Grossbank angeblich teilweise ihre Schuld eingestehen, aber «nur» mit einer Strafe von mehreren hundert Millionen Dollar rechnen. Eine Einigung mit dem DoJ erwarten einige Medien möglicherweise bereits am heutigen Mittwoch, andere sprechen von nächster Woche. Die UBS-Aktie reagiert am Morgen mit grösseren Verlusten in einem sonst eher freundlichen Markt.

Kronzeugenstatus steht auf der Kippe

Das US-Justizministerium wolle den Ende 2012 gewährten Kronzeugenstatus für die Grossbank bei der Untersuchung von Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor kippen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit könnte auf die UBS auch in dieser Sache eine weitere Zahlung zukommen.

Die Bank hatte im Libor-Fall bereits eine Milliardenstrafe an einige amerikanische, britische und schweizerische Behörden bezahlt, war aber vom US-Justizministerium und der EU-Kommission wegen der Kooperation bei der Ermittlung weitestgehend verschont worden.

Bereits im März angekündigt

Da die UBS aber nach der Vereinbarung offenbar in die Manipulation von Devisenkursen verwickelt war, könnte das US-Justizministerium dies jetzt aufheben und auch in diesem Fall noch mal nachlegen. Sprecher des Ministeriums wollten die Bloomberg-Informationen nicht kommentieren. Die Möglichkeit eines solchen Schrittes, auch frühere Abkommen rückgängig zu machen, hatte das Ministerium aber tatsächlich bereits im März angedroht.

Ein Schuldeingeständnis sowie eine erneute Strafzahlung in der Libor-Causa könnten ein Teil der erwarteten Einigung bei den Devisen-Ermittlungen sein, schreibt Bloomberg. In diesem Fall wird seit Tagen über einen kurz bevorstehenden Vergleich des US-Justizministeriums mit den britischen Banken Barclays und Royal Bank of Scotland (RBS), den US-Häusern Citigroup und JPMorgan sowie der UBS spekuliert.

UBS schweigt

Erwartet wird dabei laut diversen Medienberichten eine Gesamtstrafe von mehr als 6 Milliarden Dollar. Die UBS dürfte dabei am glimpflichsten davonkommen, aber immer noch mehrere hundert Millionen Dollar zahlen. Zudem müssten die Schweizer zum Teil ihre Schuld eingestehen, wenn auch offenbar nicht wegen Betrug, sondern nur wegen illegaler Absprachen.

Die UBS wollte die neuen Informationen auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AWP nicht kommentieren. Ein Unternehmenssprecher verwies lediglich auf die Ausführungen im Geschäftsbericht zum ersten Quartal von vor gut einer Woche. «Die Diskussionen mit dem US-Justizdepartement (DOJ) wurden fortgesetzt und befinden sich in fortgeschrittenem Stadium», heisst es dort. Allerdings habe man mit den US-Behörden noch kein Einigung über die Form der Lösung gefunden.

UBS gibt sich zuversichtlich

Ausserdem könnte es auch mit anderen Behörden in der näheren Zukunft eine Lösung in diesem Fall geben: Die Bank ist laut Quartalsbericht neben dem DOJ u.a. auch mit der US-Notenbank Fed, der Börsenaufsichtsbehörde SEC und der US Commodity Future Trading Commission (CFTC) im Gespräch. Insgesamt sieht sich die Bank gut aufgestellt, was die Rückstellungen für eine Lösung angeht. Die bereits getätigten Rückstellungen sollten genügen, um die potentiellen Bussen aus dem Fall zu begleichen, hiess es Anfang Mai.

(sda/dbe)

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