Einen Abschluss in dieser Grössenordnung hatte niemand erwartet. Mit 2,77 Mrd Fr. für das 3. Quartal weist die UBS einen absoluten Rekordgewinn aus. Das sind über 20% mehr, als der Markt erwartet hatte. Und es ist fast ein Drittel mehr als im Vorquartal. Der Reingewinn liegt auch 71% über demjenigen im 3. Quartal 2004. Die Aktie der UBS kletterte am Dienstag fast 3% und kam wieder nahe ans Allzeithoch von gegen 113 Fr. heran, das vor rund einem Monat erreicht wurde.

UBS-Finanzchef Clive Standish, der an einer Telefonkonferenz die Zahlen präsentierte, schien selbst ein wenig überrascht über die Zahlen: «Es ist ungewöhnlich, im 3. Quartal ein derart gutes Ergebnis zu erzielen». Die Periode zwischen Juli und September ist traditionell die schwächste im Bankenbusiness.

Gute Abschlüsse durchs Band

Die UBS, die gemessen am Marktwert sechstgrösste Bank der Welt, steht auch nicht alleine da: Von den grossen US-Investmentbanken, der Deutschen Bank über die ABN Amro bis zur österreichischen Ersten Bank: Alle Geldhäuser hatten ein hervorragendes 3. Quartal, viele verbuchten wie die UBS Rekordquartale. Sie alle profitierten von den hervorragenden Bedingungen an den Zins- und Rohstoffmärkten sowie vom massiven Aufschwung an den Börsen und den damit verbundenen Bankgeschäften, wie die Begleitung von Börsengängen oder die Gebühren bei der Beratung von Übernahmen und Fusionen.

Ins Auge sticht bei der UBS vor allem der Neugeldzufluss bei der Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden, das heisst bei der Sparte Wealth Management: Der Zufluss betrug 31,1 Mrd Fr. das ist ein ganzes Drittel mehr als im 2. Quartal. Erfreulich ist, dass jetzt rund 10 Mrd Fr. aus den USA kommen. In einer etwas kryptischen UBS-Tabelle der ersten neun Monate lässt sich hingegen erahnen, dass rund ein Drittel der Neugelder in diesem Jahr aus dem asiatischen Raum stammen. In der Sparte Wealth Management (ohne USA) beträgt die annualisierte Neugeldzuflussrate jetzt 9%. Viele Privatbanken sind froh, wenn sie 5% generieren können.

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Der Gesamtneugeldzufluss (mit den Geldern von institutionellen Anlegern) beträgt 51,2 Mrd Fr. Das ist mehr als doppelt so viel, wie der Markt erwartet hatte. Auch die Investment-Banking-Geschäfte lagen über den Erwartungen. Der Vorsteuergewinn bei der UBS Investment Bank verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Erträge aus dem Aktiengeschäft stiegen um zwei Drittel, vor allem das Derivategeschäft lief gut. Die Einnahmen im Handel mit festverzinslichen Produkten stieg um 20% im Vergleich zum Vorquartal. Die UBS schnitt hier besser ab als etwa die Deutsche Bank.

Es liegt auf der Hand, dass mit dem Haufen Geld die Gelüste der Investoren wachsen. Die Verwendung des Rekordgewinns 2005 war auch bereits an der Telefonkonferenz ein viel diskutiertes Thema. Um welchen Betrag wird die Dividende von derzeit 3 Fr. pro Aktie erhöht? Wird eine Sonderdividende ausgeschüttet? Und/oder werden die Aktienrückkäufe vergrössert? Inwiefern verwendet die UBS einen Teil des Gewinns ­ es kommen ja noch 3,5 Mrd Fr. vom verkauf der Privatbanken und GAM an die Julius Bär dazu für Akquisitionen? Letzteres wäre traditionell nicht im Sinn der Investoren. Die jüngsten Äusserungen von Clive Standish lassen indes nicht auf eine Änderung der Akquisitionsstrategie schliessen. Grössere Objekte nein, kleinere Zukäufe (vor allem im europäischen Privatbankenmarkt) ja. «Es ist zu früh, darüber zu reden», blockte Standish bohrende Fragen nach der Ausschüttungspolitik ab. Zur Erinnerung: Beim Rekordergebnis 2004 wurde die Dividende um 15% erhöht.

Aktien bald ausgereizt?

Angesichts der Drittquartalszahlen für das Geschichtsbuch mag es ein wenig erstaunen, dass die UBS-Aktie am Tag der Resultate «nur» rund 3% stieg. Zwar könnte sie in den kommenden Wochen noch zulegen. Die Frage ist aber berechtigt, ob noch sehr viel Potenzial nach oben besteht. Schliesslich erwarten die Märkte in den kommenden Monaten Zinserhöhungen der Zentralbanken, und die sind für Bankaktien erfahrungsgemäss eher negativ. Es würde jedenfalls erstaunen, wenn das UBS-Kursziel von Heleva von 135 Fr. erreicht würde. Das Price Target derselben Bank vor über einem Jahr, nämlich 117 Fr., ist in den vergangenen 12 Monaten auch nie Tatsache geworden.


Dillon Read Capital Management: «Im Lauf des 1. Halbjahres»

Bei der UBS gibt es derzeit fast nur Ausrufezeichen. Noch ein Fragezeichen ist für viele Investoren indes Dillon Read Capital Management, das neue Hedge-Fonds-Gebilde der grössten Schweizer Bank, das durch den ehemaligen Investment-Banking-Chef John Costas geführt wird. Dillon Read soll nun laut UBS «im Lauf 1. Halbjahr 2006» operativ werden. Zuvor war von einem Start zu Jahresbeginn die Rede gewesen. Die UBS machte auch diese Woche keine näheren Angaben über die Grösse des Gebildes. Das Interesse der Anleger sei jedenfalls sehr gross, und die UBS sei sehr optimistisch, sagt Finanzchef Clive Standish. 120 Händler aus dem UBS-eigenen Fixed-Income werden am Start mit dabei sein, wenn Dillon Read Jagd auf institutionelle Anleger und vermögende Privatkunden macht. Die Vorsicht und Neugierde der UBS-Investoren hat im wesentlichen zwei Gründe: Erstens ist die UBS im Zusammenhang mit Hedge-Fonds ein gebranntes Kind: Mit dem Zusammenbruch von Long Term Capital Management verlor die UBS im Jahr 1998 rund 700 Mio Dollar. Zweitens kommt die Lancierung von Dillon Read zu einem Zeitpunkt, in dem Hedge-Fonds kaum Renditen abwerfen. (dhü)


UBS In Mio Fr.

2005E2006E2007E2008E

Betriebsertrag41806411764307645161

Kosten-Ertrags-Verhältnis (in %)64.872.471.570.7

Reingewinn11096856392619964

Dividende pro Aktie (in Fr.)3.804.104.404.60

Gewinn pro Aktie (in Fr.)10.508.108.709.40

KGV10131211

Dividendenrendite (in %)3.63.84.14.3

E = gesch.; KGV = Kurs-gewinn-verh./ Quelle: bank sarasin (Schätzungen vor Quartalsresultat)


Tipp
Keine Frage: Die Aktie der «Geldmamaschine» UBS gehört in das Deport jedes langfristig orientierten Anlegers. Sie ist nicht übermässig teuer und wirft zudem noch gegen 3% Rendite ab. Ein offene Frage ist allerdings das kurz- und mittelfristige Kurspotenzial. Wer mehr auf Risiko und schnellere Kurssteigerungen spekuliert, könnte auch auf die Aktie der Credit Suisse Group setzen. (dhü)

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