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Kurswechsel
UBS erhöht Druck auf Privatbanking-Chef

Jürg Zeltner: Der UBS-Private-Banking-Chef steht unter Erfolgsdruck. (Bild: Keystone)

Jürg Zeltner ist derzeit nicht zu beneiden: Seit der Abkehr der UBS vom Investmentbanking steht der neue Chef des Private Banking zunehmend unter verschärfter Beobachtung.

Veröffentlicht am 08.05.2013

Der Umbau der UBS erhöht den Druck auf den Chef des Vermögensverwaltungsgeschäfts bei der grössten Schweizer Bank.

Jürg Zeltner, der die Sparte seit vier Jahren leitet, muss sich von Konzernchef Sergio Ermotti und seinen Kollegen in der Konzernleitung zunehmend auf die Finger schauen lassen: Von der Arbeit des 46-jährigen Bankers hängt schliesslich ab, ob die UBS nach Jahren der Skandale wieder zu seinem alten Glanz findet und zur führenden Vermögensverwaltungsbank der Welt wird. Das Investmentbanking spielt nur noch die zweite Geige, seit Ermotti im Herbst ein Milliarden-Sparprogramm und den schrittweisen Abbau von 10'000 Stellen ankündigte. 

Zeltner steht vor einer schweren Aufgabe. Vielen Reichen steckt die Euro-Schuldenkrise in den Knochen und das Schweizer Bankgeheimnis ist unter Beschuss aus den USA und der EU. Er darf tunlichst keine Fehler machen. Das dürfte ihm spätestens im März klargeworden sein. Damals klopften Ermotti und der Rest der Konzerleitung Zeltners Konzept und Strategie auf Schloss Wolfsberg am Bodensee auf Schwachstellen ab. 

Skandale seien abgehakt

Die Zeiten, in denen bei UBS jeder Spartenchef allein vor sich hinwerkeln konnte, wenn er nur seine Ziele einigermassen erreichte, sind vorbei. Ermotti will UBS-Insidern zufolge eine Kultur, in der auch Sparten-Strategien im elfköpfigen Leitungsgremium der Bank offen und auch kontrovers diskutiert werden. «Zeltner ist zunehmend mit Fragen konfrontiert, er kann nicht mehr einfach sein eigenes Fürstentum regieren», sagte ein UBS-Insider. 

Die UBS hat den Skandal um die Manipulationen des Leitzinses Libor mit einer Busse von fast 1,4 Milliarden Franken weitgehend abgehakt und der Londoner Handelsskandal ist verdaut. Jetzt kann sich Ermotti der Vermögensverwaltung zuwenden. «Das Private Banking ist seit Anfang Jahr zunehmend in den Blickpunkt von Sergio gerückt», sagte ein hochrangiger UBS-Manager, der seinen Namen nicht genannt haben wollte. 

Bei UBS hat an der Spitze ein Managementstil Einzug gehalten, der an amerikanische Investmentbanken erinnert. Das ist kein Wunder. Ermotti ist gelernter Investmentbanker und arbeitete lange für Merrill Lynch. Von dort holte er auch weitere Leute zur UBS. «Wenn die Privatbank 80 Prozent des künftigen Gewinns liefern soll,... dann wollen wir besser verstehen, wie das Geschäft funktioniert», sagte der Top-Manager. 

Die Debatten in der Konzerleitung sind hitziger geworden, berichtete ein zweiter Top-Manager. Zeltner muss sich nicht nur mit dem Konzernchef sondern auch mit Finanzchef Tom Naratil, COO Ulrich Körner und Risiko-Chef Philip Lofts auseinandersetzen. Äussern dazu wollte sich keiner der Beteiligten. Vor allem zwischen Zeltner und Körner gibt es potenziellen Konfliktstoff. Im Europa-Geschäft überschneiden sich die Bereiche der beiden. Und es fiel Zeltner schwer, im Zuge des Sparprogramms Zuständigkeiten an das von Körner geleitete Corporate Centre abzugeben.

Ermotti dämpft Erwartungen

Daraus aber einen Streit zu konstruieren, wäre völlig verfehlt, betonte einer der Insider. Es gehe um nichts anderes als um eine offene, intellektuelle Debatte unter Kollegen. Der Stil sei allerdings direkter als mancher gewohnt sei. «Wenn man bedenkt, welche Veränderungen wir von einem Team von kompetitiv eingestellten Siegertypen wollen, ist das eine Sache, bei dem es schon mal ein paar blaue Flecken geben kann. Das ist Teil des Spiels», sagte der Insider. 

Derzeit ist Zeltner nicht schlecht unterwegs. Seine Sparte verwaltet mit gut 1000 Milliarden Franken eine Summe, die fast doppelt so gross ist wie das Bruttoinlandsprodukt der Schweiz. Allein im ersten Quartal kam mit 15 Milliarden Franken so viel neues Geld dazu wie noch nie seit Beginn der Finanzkrise. Auch die Erträge stiegen. Die Bruttomarge geht in Richtung des Zielbandes von 95 bis 105 Basispunkten. Dass Zeltner die Marge jedoch wieder auf das Niveau von vor der Krise hieven kann, bezweifeln Analysten.

Selbst Konzernchef Ermotti warnte vor überzogenen Erwartungen. Das sei eine Sache von mehreren Jahren und nicht von mehreren Quartalen, sagte er. Wie schnell der Spartengewinn steigt, hängt auch davon ab, wann die immer noch von der Euro-Schuldenkrise verschreckten reichen Kunden ihre Barbestände abbauen und wieder aktiver in Wertpapiere investieren.

(muv/aho/reuters)

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