Der langjährige Chef der Raiffeisen Bank International (RBI) tritt nach der Affäre um seine Offshore-Immobiliendeals in Asien zurück. Herbert Stepic stelle sein Amt aus persönlichen Gründen zur Verfügung, teilte die Bank mit. Er habe darüber auch Aufsichtsratchef Walter Rothensteiner informiert, der diesen Vorschlag «umgehend» im Kontrollgremium der Bank beraten werde. Stepic selbst will in einer Pressekonferenz am Vormittag eine Erklärung abgeben. Er werde auf jeden Fall bis zu einer Entscheidung der Gremien Chef der Bank bleiben. An der Börse gab die Raiffeisen-Aktie daraufhin zunächst rund zwei Prozent nach.

Der 66-jährige Stepic ist einer der bekanntesten Bankmanager des Landes. Er hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Osteuropa-Geschäfte der Raiffeisengruppe sukzessive ausgebaut und die Bank zu einem der größten Kreditgeber der Region gemacht. In der Öffentlichkeit tat der kräftige Mann mit Vollbart und spitzbübischen wachen Augen gerne unverblümt seine Meinung kund, er war selten um eine Antwort verlegen. Analysten hoben seine Verdienste für die Bank hervor. «Er war und ist die Integrationsfigur der Bank, er hat die Südosteuropa-Struktur aufgebaut», sagte Erste-Group-Analyst Günter Hohberger. Eine Änderung der Osteuropa-Strategie erwarte er nun aber nicht.

UBS-Standardprodukt

Nun stolpert Stepic offenbar über den Kauf von drei Wohnungen in Singapur über zwei Briefkastenfirmen: Sein Name taucht im sogenannten Offshore-Leaks-Datensatz auf, der dubiose Finanztransaktionen von rund 130'000 Vermögenden weltweit enthüllt. Stepic selbst erklärte daraufhin, er habe mit Hilfe der Schweizer Bank UBS drei Wohnungen mit je 150 Quadratmetern in Singapur gekauft. Er habe den Kauf jedoch nicht über Offshore-Firmen, sondern über «Projektgesellschaften» abgewickelt. Die UBS habe das als Standardprodukt angeboten. Die UBS  wollte sich zu dem Fall bislang nicht äussern.

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Daraufhin hatten die RBI und österreichische Bankenaufseher erklärt, die Geschäfte genauer unter die Lupe nehmen zu wollen. Auch das Finanzministerium plant, die für Österreich relevanten Offshore-Daten auszuwerten.

Wer wird Nachfolger?

Stepic ist seit 2001 Chef der damals noch unter Raiffeisen International firmierenden Bank. Sein Vertrag wäre noch bis Ende 2015 gelaufen. Wer sein Nachfolger werden könnte, ist offen. «Es wird jemanden geben müssen, der eine ähnliche Vision und Auftreten hat und die Strategie weiter umsetzt. Die Frage ist, wer das ausfüllen kann - mit einer solchen Erfahrung, wie er sie hat», sagte Analyst Hohberger. Stepics Stellvertreter ist der in der Öffentlichkeit wenig bekannte Karl Sevelda, der für die Geschäftskunden der Bank zuständig ist.

Es ist nicht das erste Mal, dass Geschäfte des Managers ins Visier der Finanzaufseher geraten: Stepic war an einem von der Krisenbank Hypo Alpe Adria (HGAA) finanzierten Immobilienkauf in Serbien beteiligt. Die Hypo musste den Kredit später abschreiben, weil die Investoren das Geld nicht zurückzahlen konnten. Die FMA hatte die Untersuchung jedoch ohne Ergebnis beendet.

(reuters/jev/chb/vst)