Es waren die Highlights für die UBS-Berater. Mehrmals im Jahr konnten sie in die Vereinigten Staaten reisen und ihrer betuchten Klientel in einem mehrwöchigen Trip einen Besuch abstatten. In Hotels oder zuhause bei den Kunden besprachen die Bankiers die millionenschweren Portefeuilles und nahmen Orders entgegen. Damit ist nun Schluss. Die Schweizer Grossbank hat im November die rund 60 Mitarbeiter der US-Offshore-Abteilung über die Einstellung ihrer bisherigen Tätigkeit informiert. Seither jagt ein E-Mail das andere, von Vorgesetzten, Personaldienst und Rechtsabteilung. Im Eilzugstempo wird der hochrentable Bereich geschlossen. Vom Amerika-Team als eigenständige Crew bleibt am Zürcher Sitz schon bald nur noch eine ferne Erinnerung zurück.

Ein Spiessrutenlauf

Neu sollen die US-Kunden von einer der zahlreichen UBS-Filialen in den Staaten selbst sowie von einer 2005 gegründeten Gesellschaft in Zürich betreut werden, der UBS Swiss Financial Advisers AG. «Wir konzentrieren unser Geschäft mit US-Kunden auf die zwei dafür spezialisierten Einheiten», bestätigt UBS-Sprecher Serge Steiner Recherchen der «Handelszeitung». Die strategische Anpassung erlaube es, «unsere Kundennähe und Effizienz zu erhöhen und dazu auch die Einhaltung der Gesetze und Regulatorien besser zu gewährleisten».

Letzteres hat die klassische Offshore-Beratung der US-Kunden mehr und mehr zum Spiessrutenlauf gemacht. Ständig verschärfte Washington die Auflagen und versuchte so, steuerhinterzogenes Vermögen, also Schwarzgeld, trocken zu legen. In diesem Kampf kommt den Behörden die Grösse der UBS gelegen. Erstens gelten die Schweizer als weltweit grösste Vermögensverwalter, zweitens arbeitet gegen ein Drittel der 8000 Angestellten des Bankkonzerns in den USA. Ein Verzicht auf das klassische Offshore-Geschäft mit US-Kunden sei «der folgerichtige nächste Schritt in der Entwicklung unseres Geschäftsmodells für US-Kunden», sagt UBS-Sprecher Steiner. Im Jahr 2000 hatte die UBS einen grossen amerikanischen Broker erworben und zählt seither mit über 400 Filialen zu den grossen Finanzhäusern auf dem nordamerikanischen Kontinent.

Was der Verzicht auf das bisherige Offshore-Beratungsmodell unter dem Strich kosten wird, muss sich weisen. Der Bereich USA habe stolze Renditen erzielt, berichtet jedenfalls ein UBS-Manager. Im Schnitt verdient die Bank mit Offshore-Kunden pro Fr., den sie aus der Schweiz heraus verwaltet, über 50 Rp. Mit Amerikanern hingegen, die vor Ort betreut werden, sind es derzeit nur rund 10 Rp. «Unser kleiner Trupp hat viel mehr Gewinn gemacht als die Tausenden von Anlageberatern, die in den USA stationiert sind», sagt der UBS-Manager, der anonym bleiben möchte.

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