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UBS: Grobe Fehleinschätzung

Stritt noch im August Vergleichsverhandlungen ab: UBS-Präsident Axel Weber. (Bild: Keystone)

Die UBS wähnte sich in der Libor-Affäre in Sicherheit: Durch frühe Kooperation mit den Regulatoren konnte sich die Bank den Kronzeugenstatus sichern. Doch nicht alle Behörden sind dadurch gebunden.

Von Jeffrey Vögeli
am 14.12.2012

Über eine Milliarde US-Dollar soll die UBS an britische und US-amerikanische Regulierungsbehörden zahlen. Sollte die Busse tatsächlich so astronomisch ausfallen, wie seit gestern kolportiert wird, deutet das auf eine enorme Fehleinschätzung seitens der Grossbank hin.

Noch im August sagte UBS-Präsident Axel Weber zum «Handelsblatt», die UBS befinde sich nicht in Vergleichsverhandlungen mit den US-Behörden. Dieselbe Haltung legte ein Vertreter der UBS auch im November noch an den Tag: Man wolle sich nicht auf einen Vergleich einlassen – die UBS habe sich vorbildlich verhalten, indem sie als eine der ersten Banken mit einer Selbstanzeige an Regulatoren in den betroffenen Ländern gelangt sei. Nun soll die Bank plötzlich kurz vor einem Vergleich stehen.

Kronzeugenstatus hilft nicht

Mit den Widersprüchen konfrontiert, mauert die Bank: Auch bereits Bestätigtes will die UBS nicht mehr kommentieren. So ergibt sich aus dem Kronzeugenstatus eindeutig, dass die Bank zumindest beim US-Justizministerium als erstes auf die Libor- und Tibor-Manipulationen aufmerksam gemacht hat – auch darauf geht Pressesprecher Serge Steiner nicht mehr ein.

«Wir kooperieren nach wie vor voll und ganz mit den Regulatoren und Behörden, um die Angelegenheit bezüglich der Festlegung bestimmter Referenzzinssätze zu klären. Angesichts der laufenden Diskussionen können wir keine weiteren Auskünfte geben», ist das einzige Statement, das er sich entlocken lässt.

Auf den Kronzeugenstatus weist die Bank auch im neusten Quartalsbericht hin. Dort wird allerdings gewarnt, nur vor einer Busse durch die Wettbewerbsbehörde sei die UBS sicher – für Verstösse gegen andere Gesetze können trotzdem noch Bussen gesprochen werden. Genau dies könnte der UBS jetzt zum Verhängnis werden. Von allen Seiten steht die UBS wegen der Zinsmanipulationen unter Druck, angefangen bei der britischen Financial Services Authority über die amerikanische Commodity Futures Trading Commission bis hin zur Finma.

Zweithöchste Busse aller Zeiten

Die Zahlung von über einer Milliarde US-Dollar würde nicht nur doppelt so hoch ausfallen wie die 450-Millionen-Busse gegen Barclays vom Juni. Es wäre der zweithöchste jemals von einer Bank abgeschlossene Vergleich. Höher noch als die 780 Millionen Dollar, welche die UBS 2009 bezahlen musste, um den Vorwurf der systematischen Beihilfe zur Steuerhinterziehung aus der Welt zu schaffen. Übertroffen wird dieser Rekord nur durch eine Zahlung der HSBC. Wegen mangelhafter Vorkehrungen gegen Geldwäscherei musste die britische Bank 1,92 Milliarden Dollar bezahlen.

Gestern berichteten die «Financial Times» und Bloomberg übereinstimmend unter Berufung auf anonyme Quellen, ein Vergleich mit den Behörden in Milliardenhöhe sei kurz vor dem Abschluss.

 

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