Aktien gelten gegenüber anderen Anlageformen auf lange Sicht als überlegen. Zumindest für die Papiere der UBS und der Credit Suisse muss es bei der Annahme bleiben: Wer im Herbst 1998 10000 Fr. in Aktien der UBS investierte, hat heute noch 3100 Fr. übrig. Wer Credit-Suisse-Aktien im gleichen Betrag erwarb, dem bleiben noch 4300 Fr. Daran ändern auch die deutlichen Kursgewinne der letzten Tage vorerst nichts.

Weitere Kapitalvernichtung?

Denn es ist weiterhin offen, ob damit der Boden erreicht ist. Ein Kriterium für die Bewertung von Bankaktien ist zurzeit das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum Buchwert. ING-Analyst Alain Tchibozo zufolge wird die UBS-Aktie immer noch zum 1,6-Fachen des Buchwertes bewertet – gegenüber dem 1,1-Fachen bei grossen europäischen Banken. Tchibozo: «Die UBS-Aktie ist die teuerste in Europa.» Dies, obwohl Tchibozo den Wert der UBS-Investmentbank noch bei null veranschlagt.

Noch einen Schritt weiter in der Sache geht Daniel Davies das gegenwärtige Kursniveau bedeute eine negative Bewertung der Investmentbank, sagt der Credit-Suisse-Analyst. «Das würde heissen, dass der Markt eine weitere Kapitalvernichtung unterstellt.» Letzteres sei aber unwahrscheinlich, weil die Auslagerung der toxischen Assets an die Schweizerische Nationalbank bis Quartalsende über die Bühne gegangen sein werde und damit ein Grossteil dieser Papiere aus der Bilanz entfernt sein werde, so Davies.

Anzeige

Die Credit Suisse wiederum ist laut Nomura-Analyst Jon Peace mit einem Kurs-Buchwert von 1 im europäischen Vergleich durchschnittlich bewertet. Zum Vergleich: Die die vier am Swiss Performance Index (SPI) kotierten Privatbanken EFG, Sarasin, Vontobel und Julius Bär kommen auf Werte zwischen 1,1 und 1,6. Und die Aktie der Deutschen Bank ist an der Börse gerade noch zum halben Buchwert zu haben.

Für Unruhe sorgte dieser Tage auch eine Stresstest-Analyse von Stuart Graham, Analyst bei Merrill Lynch. Er weist für die UBS einen möglichen weiteren Kapitalbedarf von 2,4 Mrd Fr. aus. Das muss erstaunen, denn die beiden Banken werben immer wieder mit ihrer hohen erstrangigen Eigenkapitalquote (Tier-1).

Doch auch dieses Mass vermittelt eine trügerische Sicherheit. Denn gemäss den Vorschriften der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) werden Obligationen staatlicher Schuldner gar nicht, die von Unternehmen sehr tief, aber das Kreditbuch einer Bank sehr hoch gewichtet. Grosso modo widerspiegeln die BIZ-Kapitalverhältnisse deshalb die Eigenmittelunterlegung im Verhältnis zur Grösse der vergebenen Kredite.

«Die UBS kommt jetzt auf eine Eigenmittelunterlegung von 3%», sagt Morgan-Stanley-Analyst Huw van Steenis. «US-Banken kommen gegenwärtig auf 5,5 bis 6%, inklusive ihrer inländischen Kreditbücher, die beim Schweizer Verhältnis nicht berücksichtigt sind.» Kumuliert halten die beiden Grossbanken laut van Steenis 753 Mrd Fr. an Krediten in den Büchern. Und hier drohen beiden Grossbanken im Abschwung die nächsten Ausfälle.

Sinnlose Bilanzverkürzung

Ein Verkauf von einzelnen Bereichen oder Sparten wäre dann die nächstliegende Lösung. Diese führt indes nicht immer zum Ziel. Letzte Woche berichtete die «Financial Times» über ein mögliches Joint Venture der Credit Suisse im Bereicht Asset Management. Der CS-Global-Investors-Bereich verwaltete Ende des letzten Quartals 255 Mrd Fr. und kam laut Keefe-Analyst Matthew Clark auf eine Bruttomarge von 0,25 bis 0,3%. Eine effizientere Plattform, etwa durch ein Joint Venture, könnte die Marge um 0,05% verbessern und Synergien von 120 Mio Fr. schaffen. Auf die Marktkapitalisierung der Credit Suisse umgelegt würde das aber nur 2% ausmachen. Operativ bringen solche Verkäufe, welche die Bilanzen verkürzen sollen, kaum etwas.

Anzeige