Der Finanzinvestor Knight Vinke nimmt die Schweizer Grossbank UBS ins Visier. Der US-Vermögensverwalter forderte von dem Konzern in einem Offenen Brief die Abspaltung des Investmentbankings. Die Risiken des Kapitalmarktgeschäfts bedrohten die Vermögensverwaltung und das Geschäft mit Firmen- und Privatkunden, begründete der Aktionär den Vorstoß nur Stunden vor der Generalversammlung der Bank. Knight Vinke sei vor rund einem Jahr bei UBS eingestiegen und halte inzwischen knapp ein Prozent der Aktien, ergänzte ein Sprecher.

Die Investmentbank der UBS habe in den Jahren 2007 bis 2009 einen Verlust von 57 Milliarden Franken eingefahren. «Die Investmentbank-Resultate für das erste Quartal 2013 sehen zwar befriedigend aus, doch hat diese Sparte das ganze Unternehmen im Zeitraum 2007 bis 2009 beinahe in den Abgrund gerissen», erklärte Firmenchef Eric Knight. Auch andere Banken hätten in der Finanzkrise enorme Einbußen hinnehmen müssen. «Nirgends wirkten sich diese Verluste aber schädlicher aus als bei der UBS, wo der tadellose Ruf des Wealth Management und das alles entscheidende Kundenvertrauen in Mitleidenschaft gezogen wurden», erklärte Knight weiter.

Die Investmentbank solle in den Besitz der Manager und Angestellten wechseln, forderte Knight. Es sei jetzt schon so, dass die Gewinne der Investmentbank zu einem großen Teil an ihre Angestellten und nicht an die UBS-Aktionäre gingen. Seit 1998 habe die UBS-Investmentbank insgesamt 115 Milliarden Franken an Löhnen und Bonuszahlungen ausgeschüttet. «Im selben Zeitraum hat die Investmentbank ihre Muttergesellschaft und deren Aktionäre 25 Milliarden Franken gekostet», hiess es in dem Brief. Die Investmentbanker würden wohl vorsichtiger agieren, wenn sie selbst Eigentümer wären, erklärte Knight.

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UBS streicht Investmentbank zusammen

Auf der Generalversammlung verteidigte Konzernchef Sergio Ermotti das Geschäftsmodell der UBS. «Wir haben bei der Investment Bank die Risiken und die Komplexität rasch und entscheidend», erklärte er auf der Generalversammlung in Zürich. Die Bank sei für das veränderte Marktumfeld gerüstet. Nach zahlreichen Skandalen haben Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber den riskanten Anleihenhandel aufgegeben und das Investmentbanking insgesamt stärker beschnitten als Rivalen wie Credit Suisse oder die Deutsche Bank.

Knight erkannte an, dass die UBS die Investmentbank neu positioniert habe. «Dies ist ein willkommener erster Schritt», lobte er. Jetzt habe der Verwaltungsrat aber die Chance, mit einer Abtrennung der Investmentbank und einer Vereinfachung der Konzernstruktur das volle Potential der Bank auszuschöpfen.

Knight Vinke verwaltet Schätzungen zufolge insgesamt rund 1,5 Milliarden Dollar. Die Gesellschaft mit Sitz in New York zählt eigenen Angaben zufolge Pensionskassen zu ihren Kunden und hat bei großen europäischen Gesellschaften in den vergangenen Jahren immer wieder versucht, Einfluss zu nehmen. Den italienischen Erdölkonzern Eni will Knight Vinke dazu bringen, das Service-Geschäft Saipem auszugliedern. Bei der Übernahme von Xstrata durch den Rohstoffriesen Glencore machte der Vermögensverwalter 2012 erfolgreich gegen Sonderzahlungen Front, mit denen Manager an Bord gehalten werden sollten.

An der Börse verloren die UBS-Aktien ein Prozent auf 16,43 Franken und hinkten damit anderen europäischen Branchenvertretern hinterher. Der Markt geht offenbar nicht davon aus, dass der Vorstoß von Knight Vinke zu einer Höherbewertung des Unternehmens führen wird.

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(tke/reuters)