Als Mitte Januar den Mitarbeitern intern die neue Corporate Academy der UBS vorgestellt wurde, war eindringlich auch die Rede von den neuen Werten: Wahrheit, Klarheit und Leistung. Die neue Identität solle die gesamte Grossbank durchdringen und «muss uns in Fleisch und Blut übergehen», forderte UBS-CEO Oswald J. Grübel, wohl wissend, dass sein Finanzinstitut weiter unter Dauerbeobachtung steht.

«Was in den letzten Jahren passiert ist, darf nicht mehr möglich sein», so das Credo. Die neue UBS Business University soll massgeblich dazu beitragen. Damit der neue Ethikkodex aber sowohl im Heimatland als auch weltweit Gehör findet, dürfte den Verantwortlichen noch viel Arbeit bevorstehen, weil der so angestrebte Rückgewinn des Vertrauens mehr sein muss als nur ein Feigenblatt.

Alte Standorte werden ergänzt

Gabriela Maria Payer ist künftig als Head of UBS Business University verantwortlich für die soeben geschaffene Weiterbildungsstätte. Sie ist Chefin von 220 Mitarbeitern, die dazu beigetragen haben, in nur vier Monaten die Corporate Academy zu formen. Darin wurden die bereits bestehenden Kapazitäten der UBS im Bereich Führung und Ausbildung unter einem einzigen Dach zusammengefasst. Die physischen Standorte Wolfsberg in Ermatingen, Seepark Thun und das Command House in Singapur bleiben die Flaggschiffe. Dazu kommen zusätzliche Räume in Zürich, London, Hongkong sowie anderen wichtigen Standorten.

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Blended Learning ist und bleibt das Zauberwort der UBS, das aus Classroom Learning, Web-based Training und On-the-job Learning besteht. Die Aktivitäten im Bereich Schulung und Weiterentwicklung wurden für alle Mitarbeiter weltweit aufeinander abgestimmt, um quasi ein Kompetenzzentrum zu schaffen, das sich einer Kultur der permanenten Verbesserung verschrieben hat. Um das zu erreichen, sind auch alle HR-Verantwortlichen stark gefordert, die bereits beim Gespräch mit Bewerbern quasi die Spreu vom Weizen trennen sollen, um möglichst nur Mitarbeiter zu engagieren, für die eine Unterschrift unter den Ethikkodex nicht nur ein Schriftzug, sondern eine Verpflichtung ist.

Der Anspruch, Kenntnisse und Fähigkeiten von Mitarbeitern und besonders jenen mit direktem Kundenkontakt zu erhöhen, wird umgesetzt, indem Prozesse und Tools vereinheitlicht und gestrafft werden, die vorher auf die Unternehmensbereiche verteilt waren.

Die UBS Business University besteht aus drei Fakultäten: Die Leadership Faculty mit einem umfassenden Angebot für Führungskräfte; die Control & Risk Faculty, die Risikoausbildung mit obligatorischen Elementen sowie eine vertiefte Ausbildung für Spezialistenfunktionen liefert; und die Business Faculty, deren Lernpfade auf die Bedürfnisse und Prioritäten der Geschäftseinheiten mit Fokus auf spezifische, meist kundenorientierte Rollen ausgerichtet sind.

Strategie in die Praxis umsetzen

Diese sogenannten Lernpfade bestehen aus einer Serie von Aktivitäten, Erfahrungen und Zertifizierungen, die bei vergleichbaren Rollen weltweit eine konsistente Schulung sicherstellen. Jeder Lernpfad umfasst vier Ebenen - Einführung, Grundlegung, Verbesserung sowie Spezialisierung - und baut auf einem bereichsübergreifenden Rahmenplan auf, der von der Einführung in Methoden und Standards bis hin zur Entwicklung von speziellem Know-how reicht.

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Die meisten Programme der Leadership Faculty erfordern ein Nominierungsverfahren. Im Rahmen von jährlichen Entwicklungsgesprächen zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten werden Fähigkeits- und Wissenslücken identifiziert, zum Beispiel bei den Beratungsfähigkeiten. Worauf die entsprechenden Lernmodule ausgewählt werden. Die Mitarbeiter haben dank der neuen globalen, achtsprachigen Internetplattform «My Campus» Zugang zu den verschiedenen Angeboten. Dies vereinfacht die Kursplanung, Belegung von E-Learning-Modulen und auch das Nachverfolgen von bereits absolvierten Kursen.

Die UBS Business University verfolgt ein wesentliches Ziel: In der Weiterbildung einen Qualitätsvorsprung gegenüber den Mitbewerbern zu erreichen und so mitzuhelfen, dass die Grossbank wieder zu nachhaltigem Erfolg findet. Denn auch Banking ist und bleibt ein People Business.

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NACHGEFRAGT Gabriela Maria Payer, Head of UBS Business University


«Geschäftsergebnis positiv beeinflussen»

Handelt es sich bei der neuen UBS Business University nicht um alten Wein in neuen Schläuchen?

Gabriela Maria Payer: Mit der Einführung eines einheitlichen Angebots für Führungskräfte und spezifischen Lernpfaden für die verschiedenen Funktionen revolutionieren wir die bisherige Ausbildung. Die entstehenden Synergien ermöglichen nicht nur die Qualitätssteigerung im Angebot, sondern auch eine gezieltere Förderung unserer Mitarbeiter. Die zentralisierte Organisation erlaubt uns die optimale Nutzung von bestehenden und neuen Kompetenzen, Methoden und Technologien. Ausserdem können wir unsere strategischen Grundprinzipien - Reputation, Integration und Execution - besser verankern und das Geschäftsergebnis positiv beeinflussen.

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Wie wird der sensible Bereich Kundenberatung verbessert?

Payer: Im Fokus unserer Aus- und Weiterbildung steht immer der Kunde. Wir konzentrieren uns auf die Bildung unserer Kundenberater in den Bereichen Legal, Risk & Compliance, Sales & Advisory und Products & Finance. Durch rollenspezifische Lernpfade erhalten Mitarbeiter eine Strassenkarte, die ihnen anzeigt, auf welchen Gebieten sie sich weiterbilden und entwickeln können. Ein Beispiel ist das Advisory Sales Training, bei dem die persönliche Interaktion von grosser Bedeutung ist. Dabei gibt es zum Beispiel Kundensimulationen mit Kollegen aus verschiedenen Geschäftsbereichen, was spannende Aha-Erlebnisse vermittelt.

Wie kann man Qualität glaubhaft vermitteln? Stichwort: Vertrauen.

Payer: Die neuen Werte und Prinzipien prägen nicht nur die Angebote der UBS Business University, sondern müssen für alle Bestandteil der täglichen Arbeit werden. Jeder Mitarbeiter ist für deren Umsetzung verantwortlich. Da sich nur vorgelebte Werte auch etablieren können, sind sie fester Bestandteil unserer Führungsausbildung und Führungskultur.

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Was heisst das für die Führungsausbildung der UBS konkret?

Payer: Die Leadership Faculty wird mit ihren Angeboten die Führungseffektivität verbessern, indem sie auf die Strategie und die Werte der UBS ausgerichtet ist und Führungskräfte mit Kompetenzen ausstattet. Die Angebote konzentrieren sich auf Kernelemente wie Führungsfähigkeiten im Allgemeinen und Mitarbeiterführung im Speziellen.

Ihre persönlichen Ziele als erste Head of UBS Business University?

Payer: Mein Ziel ist, dass die UBS Business University zum finanziellen Erfolg der neuen UBS aktiv beiträgt und wir zu einer der angesehensten Aus- und Weiterbildungsstätten der Branche werden. Nicht zuletzt wollen wir wieder zu einem der weltweit gefragtesten Arbeitgeber werden.