Es ist kein grosser strategischer Wurf, sondern nur eine kleinere Korrektur. Mit ihrem jüngsten organisatorischen Umbau stärkt die UBS ihren Heimmarkt Schweiz. Der neue Bereich Wealth Management & Swiss Bank umfasst alle Vermögensverwaltungstätigkeiten ausserhalb von Nord- und Lateinamerika sowie das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft.

«In der neuen Organisation erhält der Schweizer Markt zwar mehr Gewicht, es ist damit aber keine extreme Konzentration auf den Heimmarkt verbunden», sagt Manuel Ammann, Leiter des Instituts für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen. Mit der eingeschlagenen Strategie gehe die Bank den Weg des geringsten Widerstands. Die neue Organisation stellt die bisherige Strategie nicht in Frage, «die Bank will sich damit aber alle Optionen für die Zukunft offen halten». Dabei kommt auch eine Abspaltung von Unternehmenseinheiten oder ein Spin-off in Frage, wenn sich die Märkte etwas erholt haben.

Spätere Abspaltung möglich

Ray Soudah, Gründer der Beratungsgesellschaft Millenium Associates, spekuliert bereits jetzt auf eine spätere Abspaltung der beiden profitablen Bereiche, die auch separat mit Eigenkapital ausgestattet werden könnten.

Dagegen sind die Herausforderungen in der Vermögensverwaltung für die UBS wohl nirgends so gross wie im Markt USA. Die Grossbank verdient viel zu wenig Geld damit. Kommt hinzu, dass ihre Marke wegen der Steuervorwürfe der Behörden einen noch nicht abschätzbaren Schaden erlitten hat. Die Frage, wie es mit dem US-Geschäft weitergeht, ist demnach zentral für die Zukunft der Bank.

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Nun haben die Bankverantwortlichen einen Entscheid gefällt, der zwar formell einen Weg weist, die grundsätzliche Problematik des Geschäfts jedoch nicht lösen kann. Das US-Onshoregeschäft mit seinen gut 8000 Kundenberatern gehört zur neuen Einheit Wealth Management Americas unter Marten Hoekstra, dem Nachfolger von Raoul Weil.

Somit geht das US-Geschäft in der Region Nord-, Mittel- und Südamerika auf, Kosten und Erträge landen in einem Topf, die unterdurchschnittliche Rentabilität des US-Onshoregeschäfts wird nicht mehr ins Auge springen. Zudem kann die Bank ihre vermögenden Kunden mit Sitz in Lateinamerika zusätzlich aus ihren grossen Zentren heraus bedienen, beispielsweise aus New York.

Die Verwischung der Profitabilität nimmt zwar Druck weg von der Führung, bringt aber keine zusätzlichen Gewinne. 2008 erzielte die UBS - unter Ausschluss von Sonderfaktoren - einen Gewinn von 826 Mio Fr. auf verwaltete Vermögen von 600 Mrd Fr., das macht gut 1 Promille Rendite aus. Im von der Schweiz aus betriebenen Offshoregeschäft mit reichen Amerikanern, das die UBS einstellt, hatte die Bank eine Marge von 1% - also fast zehnmal so viel.

Die Zusammenlegung aller Regionen unter «Americas» schränkt zudem die strategischen Optionen der UBS ein. Deren Paine-Webber-Kauf im Jahr 2000 für rund 18 Mrd Fr., von denen immer noch viele auf den Büchern lasten, brachte der Bank kein Glück. In den letzten Wochen machten Gerüchte die Runde, wonach die Schweizer einen Befreiungsschlag für ihr US-Onshoregeschäft suchten.

Eine Zusammenlegung mit der Vermögensverwaltung einer US-Bank zu einer neuen Einheit, an der die UBS beteiligt wäre, oder ein Verkauf und vollständiger Rückzug aus den USA seien auf oberster Ebene geprüft worden, hiess es. Darauf angesprochen, sagte UBS-Manager Hoekstra kürzlich der «Finanz und Wirtschaft», die Bank habe Optionen geprüft, sehe sich aber weiterhin als grosse US-Bank.

Der Alleingang in den USA macht die Ausgangslage für die UBS im Steuerstreit mit den US-Behörden nicht einfacher. Als grosse US-Bank können sich die Schweizer einen Lizenzentzug, der drohen könnte, nicht leisten, entsprechend erpressbar sind sie.

Aus UBS-Kreisen ist zu vernehmen, dass nicht nur eine Milliardenbusse droht, sondern nun noch weit mehr Daten ihrer US-Offshorekunden den Behörden ausgeliefert werden sollen, als bisher geplant war. Statt rund 250 US-Kunden, wie bis heute kolportiert, sollen es nun rund 500 sein, die mit einer Offenlegung ihrer bei der UBS angelegten Vermögen zu rechnen hätten.