Der Ausstieg der UBS aus der grenzüberschreitenden US-Vermögensverwaltung hat weitreichende organisatorische Folgen. Die bisherige Grossregion Americas mit 800 Vermögensberatern wird aufgelöst. «Am 19. September 2008 hat UBS Wealth Management & Business Banking den Geschäftsbereich Latin America, Mediterranean, Middle East & Africa, kurz LAMMA, geschaffen», bestätigt Sprecher Serge Steiner Recherchen der «Handelszeitung».

Die UBS hatte im Juni den Ausstieg aus der klassischen US-Vermögensverwaltung aus der Schweiz heraus beschlossen. Sie reagierte damit auf Untersuchungen der US-Behörden. Diese verdächtigten die Grossbank, ihren US-Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Bis Ende 2009 müssen alle US-Kunden der UBS ihre Vermögen deklarieren oder die Bank verlassen.

Liechti will nicht bei UBS bleiben

Für den Ex-Chef von Americas, den 47-jährigen Martin Liechti, hat die veränderte Struktur der internationalen Vermögensverwaltung Folgen. «Martin Liechtis Position als Leiter Americas International wurde in der Organisationsstruktur neu zugeordnet», sagt Sprecher Steiner. Man habe sich aber nicht vom Kadermann getrennt. «Er ist nach wie vor bei der UBS angestellt, er prüft gegenwärtig Optionen für seine weitere Karriere», sagt Steiner.

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Liechti geriet im Frühling in die Schlagzeilen, nachdem er in Miami kurzzeitig inhaftiert worden war und danach mehrere Monate als Zeuge in den USA ausharren musste. Der Banker wurde verdächtigt, seine Vermögensberater zu illegalen Praktiken animiert zu haben. Ein Vertrauter Liechtis widerspricht allerdings der Aussage der UBS, wonach der Topshot Optionen für einen Verbleib bei der Bank prüfe. Von der UBS gebe es keinerlei Signale. «Liechti sitzt daheim und wartet auf ein Angebot», sagt die Auskunftsperson. Liechti war für eine persönliche Stellungnahme nicht erreichbar.

Liechtis letzter Kampf

Die Frage nach Liechtis weiterer Tätigkeit bei der UBS und seinem jetzigen Verhältnis zur Arbeitgeberin, für die er seit seiner Lehrzeit tätig ist, bleibt offen. Als die Grossbank im Juni vor einem US-Senatsausschuss zugab, die Steuervorschriften bei der Beratung amerikanischer Kunden ungenügend eingehalten zu haben, sass Liechti stumm auf der Zeugenbank und verweigerte die Aussage. Seither ist er in der Öffentlichkeit Sinnbild für das unschöne Gesicht der UBS – der Bank, die Abmachungen mit den Behörden zum eigenen Vorteil zurechtzubiegen pflegte.

Nun kämpft Liechti offenbar einen letzten Kampf: Aus involvierten Kreisen der Bank ist zu hören, dass die UBS rund 10 Mio Fr. für ein Ausscheiden in gegenseitigem Einvernehmen geboten habe. Liechtis Anwalt fordere jedoch «einige Millionen mehr», sagt eine verlässliche Quelle der «Handelszeitung». Eine Einigung stehe bevor, was von Liechtis Vertrauten dementiert wird.