Das Krisenjahr 2008 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) nicht nur geldpolitisch gefordert, sondern auch Spuren im Jahresabschluss hinterlassen. Der von der Zeitung «Sonntag» veröffentlichte Verlust von 4,8 Mrd Fr. basiert auf den Angaben im SNB-Monatsheft. «Es handelt sich nur um provisorische Zahlen der Schweizerischen Nationalbank», sagt SNB-Sprecher Werner Abegg. Auch sei die Tochtergesellschaft SNB StabFund darin nicht konsolidiert.

In die SNB StabFund werden die toxischen Wertpapiere der UBS ausgelagert. Da deren Bewertung noch in vollem Gange ist, konnte die Rechnung der Auffanggesellschaft bisher nicht fertiggestellt werden. Die Nationalbank hat denn auch die Publikation der definitiven Jahreszahlen auf den 4. März verschoben. Gleichzeitig soll der Bundesversammlung Rechenschaft gegeben werden.

Mit der Auffanggesellschaft hat sich die SNB eine Bürde aufgeladen. Die UBS kann bis zu 60 Mrd Dollar an riskanten Wertpapieren an die SNB-Tochter auslagern. Im Dezember wurde eine erste Tranche im Wert von 16,4 Mrd Dollar übertragen.

Doch die SNB hat per 30. September 2008 von der UBS das Risiko für Ramschpapiere im Wert von 31 Mrd Dollar sowie für zusätzliche Schuldinstrumente in Höhe von 18 Mrd Dollar übernommen. «Sie trägt damit im 4. Quartal das Risiko der Wertverluste auf diesen Papieren, auch wenn erst eine erste Tranche transferiert wurde», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

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Ramsch verliert weiter an Wert

Ob die Notenbank die Papiere quartalsweise abschreiben muss, liess SNB-Sprecher Abegg offen. Nach Meinung von Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht der Universität Bern, muss die SNB aus rechtlicher Sicht die normalen Rechnungslegungsstandards anwenden. Damit müsse sie in jedem Quartal Abschreibungen vornehmen. «Die SNB hat es versäumt, eine spezialgesetzliche Gesellschaft zu gründen, die besonderen Regeln unterstellt ist», so Kunz.

Der SNB drohen massive Verluste

Muss die SNB tatsächlich wie gewöhnliche Banken im 4. Quartal Wertberichtigungen zum Marktwert vornehmen, drohen ihr massive Verluste. Denn die für die verschiedenen Risikopositionen relevanten Indizes haben sich im 4. Quartal insgesamt weiter markant verschlechtert. Der Index, der für die Berechnung der Wertberichtigungen auf den Subprime-Papieren herangezogen wird, ist beispielsweise um 20% gefallen.

Die ersten 6 Mrd Fr. Verlust der Auffanggesellschaft gehen zu Lasten der UBS. Für Venditti von der ZKB ist aber klar, dass die Verluste auf den übernommenen Papieren bereits für das 4. Quartal deutlich höher ausfallen werden. «In den Quartalsergebnissen von amerikanischen und britischen Banken hat sich gezeigt, dass die Positionen nochmals deutlich abgeschrieben werden mussten.»Die SNB wird am Wertzuwachs von UBS-Aktien beteiligt, wenn das Eigenkapital der Auffanggesellschaft schrumpft. Diese Vereinbarung bezieht sich allerdings auf maximal 100 Mio Aktien.

Mit der Aussicht auf weitere Verluste wächst die Sorge, dass die Eigenkapitaldecke der Nationalbank ebenso schnell schmilzt wie bei anderen Banken, die unter der Last der toxischen Papiere leiden. Der Fall ist bei der SNB aber etwas anders gelagert. «Wenn die Eigenmittel der Nationalbank knapp werden, kann in einem ersten Schritt die jährliche Ausschüttung an Bund und Kantone gestoppt werden», so Kunz. Dann könnte sich die SNB zum Beispiel auch bei anderen Nationalbanken refinanzieren. «Wenn alle Stricke reissen, kann die SNB immer noch Geld drucken.» Dies aber zum Preis einer steigenden Inflation.

Keine Dekotierung geplant

Auch wenn die Nationalbank Verluste schreibt, kann sie für die Ausschüttung an Bund und Kantone auf eine Reserve von rund 17 Mrd Fr. zurückgreifen. Die SNB schüttet jährlich 2,5 Mrd Fr. aus ihren Gewinnen aus.

Schlechter sieht es dagegen für die Kantone als Aktionäre der SNB aus. Rund zwei Drittel der Aktien sind im Besitz von öffentlich-rechtlichen Gesellschaften, auch der Kantonalbanken. Die restlichen Titel sind in den Händen von Privaten. Seit der Bekanntgabe des Rettungspakets für die UBS dürften sich vor allem private Anleger von ihren Titeln getrennt haben; die Aktien der SNB haben seit Mitte Oktober 2008 fast 30% ihres Wertes verloren. Ob es damit zu grösseren Verschiebungen im Aktionariat der Nationalbank gekommen ist, wird sich erst im nächsten Geschäftsbericht zeigen.

Da die SNB-Aktie für Privatanleger an Attraktivität verliert, und eine Kotierung heute nicht mehr die gleichen Vorteile bringt wie früher, drängt sich die Frage nach einem Rückzug von der Börse auf. «Eine Dekotierung steht nicht zur Diskussion», sagt Abegg. Welchen Vorteil hat eine Kotierung für die Notenbank? «Der Handel mit der SNB-Aktie ist transparent. Und die SNB ist mit einer Publikumsaktie besser verankert in der Bevölkerung», so Abegg.