1. Home
  2. Unternehmen
  3. UBS-Sesselwechsel: Der Wolf im Schafspelz geht

UBS-Sesselwechsel: Der Wolf im Schafspelz geht

Kaspar Villiger räumt das Feld. (Bild: Keystone)

Früher als geplant tritt Kaspar Villiger als UBS-Verwaltungsratspräsident ab. Dass er den Stuhl im Frühjahr 2012 für seinen deutschen Nachfolger Axel Weber räumt, ist konsequent: Das «Modell Villiger»

Von Volker Strohm
am 15.11.2011

Ermotti definitiv, Villiger schon bald nicht mehr. Die heute von der UBS publizierte Meldung mag niemanden überraschen. Im Gegenteil: Dass Sergio Ermotti überhaupt derart lange mit dem Interims-Stempel versehen wurde, darf mitunter auch als lasches Handeln des Verwaltungsrats interpretiert werden. Und diesem steht mit Kaspar Villiger eine Person vor, die ihren Vorschusslorbeeren auf diesem Stuhl nie wirklich gerecht wurde.

Villiger, der smarte Ex-Bundesrat, war vor zweieinhalb Jahren zusammen mit Oswald Grübel angetreten, um das Image der arg ramponierten Grossbank aufzupolieren. In der Realität folgten weitere Tiefschläge – zuletzt mit dem Milliardenverlust in London, der insbesondere punkto interne Risikokontrollen viele Fragen aufwarf.

Das «Modell Villiger» muss als gescheitert erklärt werden. Ein Politiker (blenden wir die unternehmerischen Leistungen des Innerschweizers im Zigarren- und Velo-Business der Einfachheit halber aus), der auf wirtschaftlichem Parkett Reformen durchführen soll und dabei primär auf die Eigenschaften Glaubwürdigkeit und Volksnähe setzt? Funktioniert nicht, wie wir heute wissen. Ein Modell, das notabene dieser Tage mit umgekehrten Vorzeichen in Griechenland und Italien angewandt wird – dort sollen es Wirtschaftskapitäne als Politiker richten.

Villiger ist seit seiner Amtsübernahme im März 2009 zum Wolf im Schafspelz mutiert. Er stellte sich auf die Seite Banker, verteidigte exorbitante Bonuszahlungen und kämpfte gegen erhöhte Eigenkapitalvorschriften. Spätestens zu jenem Zeitpunkt, als der designierte Nachfolger Axel Weber abklären liess, ob er als ehemaliger deutscher Bundesbank-Präsident bereits früher als vom Regulatorium vorgesehen für den UBS-Verwaltungsrat zur Verfügung stehen könnte, war klar, dass das Scheitern des «Modells Villiger» erkannt war.

Ermotti und Weber – ein Duo aus der Bankbranche. Per se ist das noch kein Erfolgsgarant, aber verdient mindestens so viele Vorschusslorbeeren wie die Vorgängerpaarung.

(tno)

Anzeige