Bei der Besetzung des Risiko- und des Strategieausschusses gibt es einen «Engpass in Sachen Banken- und Geschäftsmodellkompetenz», urteilt Professor Günter Müller-Stewens vom Managementinstitut der Universität St. Gallen. Denn die Ausschussmitglieder sollten entweder aus der Bankenbranche kommen oder in anderen Unternehmen bereits am Geschäftsmodell einer «one firm» mitgearbeitet haben, heisst es in seinem Positionspapier, das der «Handelszeitung» exklusiv vorliegt.

Im Fall der UBS bleibt offen, wer diesen Kriterien entspricht. Zur Zusammensetzung sagt Müller-Stewens: «Zur klaren Trennung von Aufsicht und Führung trifft man in den wenigen Fällen, in denen es einen Strategieausschuss überhaupt gibt, meist nur Nicht-exekutive Mitglieder des Verwaltungsrates an. Exekutive Mitglieder – wie etwa der CEO – können jedoch mit beratender Stimme hinzugezogen werden.»

Der designierte Präsident des UBS-Verwaltungsrates (VRP), Peter Kurer, beabsichtigt, die Ausschüsse mit internen und externen Kandidaten zu besetzen. Er selbst will auch Einsitz in den Strategieausschuss nehmen. Rein quantitativ sollten diese Gremien «bestenfalls fünf bis sieben Mitglieder umfassen», meint Müller-Stewens.

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UBS muss Beweise liefern

Strategisch ist es aber richtig, das starke Präsidialbüro gegen zwei Ausschüsse zu tauschen und vom bisherigen Drei-Ebenen-Modell auf ein klareres duales Modell überzugehen. Da die UBS am Modell der integrierten Bank festhält, muss sie jetzt dringend den Beweis vertiefen, dass das favorisierte Geschäftsmodell der «one bank» auch wirklich einen Mehrwert liefert. Und «in Zeiten, in denen die Gesamtunternehmensstrategie in Frage gestellt wird, muss die Zusammenarbeit zwischen Konzernaufsicht und -leitung intensiviert werden», so Müller-Stewens.

Der Strategieausschuss ist damit zur Sicherstellung der Strategie und Kontinuität auch eine Alternative zum Doppelmandat des CEO und VRP. Diesen Weg hatte etwa Nestlé mit Peter Brabeck bei der Neuausrichtung des Konzerns auf das Thema Nutrition, Health and Wellness eingeschlagen.

Das vollständige Postionspapier finden Sie