Hedgefonds sind bei der UBS auf der Suche nach einem Schnäppchen an der falschen Adresse. Das versucht Sam Molinaro jedem klar zu machen, der ihn in einem seiner beiden Büros in New York und London anruft. Und es waren viele Anrufer, die der Manager der Schweizer Bank abgewimmelt hat, seit er vor gut eineinhalb Jahren die Aufgabe übernommen hat, 430 Milliarden Franken an Vermögenswerten loszuwerden.

Die will die Zürcher Grossbank nicht mehr auf der Bilanz haben, weil sie nicht mehr zur Strategie passen. «Die Fonds dachten: Die müssen diese Assets abstossen. Das ist ja toll», erinnert sich der 56 Jahre alte Ex-Finanzchef der US-Investmentbank Bear Stearns. «Aber wir hatten keine Eile damit.»

Es geht nicht um faule Immobilienkredite

Bei der UBS gehe es nicht um faule Immobilienkredite in Spanien und Portugal, die zurzeit zu einem Bruchteil ihres Wertes an viele Finanzinvestoren verkauft werden. Doch hierauf hatten die Hedgefonds gesetzt. Molinaro stört es daher auch, wenn Einheiten wie die von ihm geführte «Bad Bank», also «schlechte Bank» genannt werden. «Non-core and Legacy Portfolio» (Randbereiche und Atlasten) bezeichnet sie die UBS im Geschäftsbericht.

Der grösste Teil von Molinaros Portfolio bestand aus Derivaten und Anleihen - von japanischen Staatspapieren bis zu strukturierten Derivaten - aus dem Bereich des Kapitalmarktgeschäfts, aus dem die UBS im Herbst 2012 ausgestiegen ist. Damals entschied sie, sich aus weiten Teilen des Anleihegeschäfts zurückzuziehen und in Zukunft drei Viertel des Konzerngewinns in der Vermögensverwaltung für Reiche zu erwirtschaften.

Verkauf ist Mammutaufgabe

Den Rest loszuwerden, ist eine Mammutaufgabe. Als Molinaro die Leitung der Sparte von Carsten Kengeter übernahm, machte das Portfolio ein Fünftel der gesamten Bilanzsumme aus. Grösser war die Abwicklungseinheit nur bei einer der zwölf Grossbanken, die ihre unliebsamen Bilanzposten ebenfalls ausgelagert haben.

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Inzwischen hat Molinaro das Volumen zwar auf 190 Milliarden Franken eingedampft - schneller als geplant. Aber ein wenig wollen die Käufer der Assets natürlich auch daran verdienen. Deshalb fährt die Sparte seit Anfang 2013 jedes Quartal Verluste ein. Bis Ende März summierten diese sich auf fast 2,5 Milliarden Franken.

Doch Molinaro definiert Erfolg anders: «Geht es darum, auch noch die letzte Transaktion wegzubekommen? Oder darum, dass man die RWA (risikogewichteten Aktiva) auf ein Niveau drückt, das nicht mehr von Bedeutung ist?» Der Abbau soll nicht nur einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Eigenkapitalrendite auf mehr als 15 Prozent zu verbessern. Damit sollen auch die Bilanzrisiken verkleinert werden, die Banken mit teurem Eigenkapital unterlegen müssen.

«Man muss ihnen klarmachen, dass sie nicht gefeuert sind»

Nicht nur den möglichen Käufern muss Molinaro viel erklären - auch den eigenen rund 250 Mitarbeitern. Denn der Anreiz, in der Sparte gut zu arbeiten, ist auf den ersten Blick gering. Je schneller das Portfolio verkauft wird, desto schneller ist der Arbeitsplatz weg. Molinaro spricht von einer «Umprogrammierung» der Belegschaft: «Man muss ihnen schnell klarmachen, dass sie nicht gefeuert sind, sondern dass sie eine wichtige Aufgabe zu erfüllen haben.»

Dabei sei es ihm anfangs ähnlich gegangen, räumt Molinaro ein: «Ich war nicht scharf darauf. Aber wenn man gebeten wird, etwas zu tun, das strategisch wichtig für die Bank ist, dann muss man diese Gelegenheit nutzen.» Wie lange die Bank noch für den Abbau brauchen werde, darauf will er sich nicht festlegen. Aber irgendwann werde das jemand anderes übernehmen müssen: «Ich glaube nicht, dass ich der letzte sein werde, der hier die Lichter ausmacht.»

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(reuters/dbe/vst)