Viele Kommentare, die jetzt zur UBS gemacht werden, habe er schon vor fünf Jahren gehört. «Doch damals war ich noch bei einer anderen Bank», sagt UBS-CEO Oswald Grübel, der die Credit Suisse aus der Krise geführt hat. Als Grübel im Mai 2007 durch den früheren CS-Investmentbankchef Brady Dougan abgelöst wurde, galt die UBS noch als Mass aller Dinge und die Credit Suisse wurde kritisiert, sie kopiere das One-Bank-Modell der UBS.

Heute ist es umgekehrt, die Credit Suisse eilt der einstigen Musterbank UBS davon. Wird die UBS die Credit Suisse wieder einholen? Grübel lacht: «Wir werden anfangen, viel integrierter zu arbeiten.» Die UBS habe als Bank die Grösse, um wieder zu einer Profitabilität zurückzufinden, die wettbewerbsfähig sei - wenn sie ihre Private-Banking-Marke erhalten könne.

Bereits im 3. Quartal profitabel?

Entscheidend wird also letztlich sein, wie rasch die UBS ihre Reputationsschäden reparieren kann und die Bank von Kunden und Mitarbeitern wieder als solide und vertrauenswürdig angesehen wird. Denn noch immer fliessen der UBS Kundengelder im grossen Stil ab, allein im 2. Quartal waren es fast 40 Mrd Fr. Wie lange es dauern wird, diesen Trend umzukehren, ist sehr schwierig abzuschätzen. «Der Vergleich mit den USA ist der erste Schritt auf dem Weg zur Rückgewinnung des Rufs», sagt Guy de Blonay, Fondsmanager bei Henderson Global Investors. Zusätzliches Vertrauen kann dann aufgebaut werden, wenn die Eidgenossenschaft bei der Grossbank aussteigt.

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Dafür muss die UBS aber operativ auf Kurs kommen. Während die Credit Suisse schon wieder Gewinne schreibt, muss sich die UBS sehr anstrengen, um das Jahr doch noch mit schwarzen Zahlen abzuschliessen. Nicht nur die Geldabflüsse sind hoch, sondern auch das Geschäft im Investment-Banking verläuft unbefriedigend. Die UBS hat dort Schlüsselpersonen verloren, auch an die Credit Suisse. Auf einen Zeitpunkt für die Rückkehr in die Gewinnzone wollte sich Grübel nicht festlegen. Bankinsider und Analysten vermuten allerdings, dass bereits das 3. Quartal 2009 wieder profitabel sein könnte.

Kein Kapitalbedarf für die UBS

Dies wäre ein wichtiger Beitrag, um die Kapitaldecke zu stärken. Auch wenn Grübel sagt: «Ich kann beim besten Willen nicht sagen, warum wir zusätzliches Kapital brauchen sollten.» Die UBS ist mit einer Kernkapitalquote (Tier-1-Ratio) von 13,2% solid kapitalisiert und erfüllt damit wie die Credit Suisse bereits die neuen Kapitalvorschriften der Finanzmarktaufsicht Finma (siehe Tabelle). Vor Ausbruch der Finanzkrise war die UBS ein Magnet für Superreiche. Sie konnte die Neugeldzuflüsse jährlich zwischen 8 und 12% steigern, während sich die Credit Suisse mit Zuwachsraten zwischen 4 und 6% begnügen musste. «Dies dürfte sich jetzt genau umkehren», erwartet Dirk Becker, Bankanalyst von Kepler Capital Markets. «Macht die Credit Suisse keine Fehler, wird sie von der UBS nicht mehr eingeholt.»

Genügend Geschäft für beide

Zu einem Schrumpfungsprozess wird die UBS aber nicht gezwungen werden: Auch im Hinblick auf steigende Kreditausfälle und strengere Regulierungsvorschriften müsse die UBS keine weiteren Unternehmensteile veräussern. «Die UBS kann sich Geld am Kapitalmarkt beschaffen, die Dividende weiter aussetzen und über längere Zeit keine Aktien mehr zurückkaufen», so Becker. Es könnte aber auch anders kommen, wenn die UBS das Vertrauen schneller zurückgewinnt als erwartet. Denn die UBS wäre eigentlich im Vermögensverwaltungsgeschäft stärker als die Credit Suisse, die im Investment Banking die Nase vorne hat. Dann ist das Rennen zwischen den beiden Banken wieder offen.

«Es gibt genügend Geschäft für beide Grossbanken», sagt Ray Soudah, Gründer der Beratungsgesellschaft Millenium Associates. Es werde auch wieder zu einem gesunden Wettbewerb zwischen UBS und Credit Suisse kommen. Dann liege es im Ermessen des Managements, ob «big» auch «beautiful» sei.

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