Das ist auch in der Drama-gestählten Bankenszene ein Novum: Erstmals suchen beide Grossbanken fast parallel nach einem Präsidenten. CS-Vormann Urs Rohner hat seinen Abgang zur Generalversammlung im April 2021 angekündigt, sein UBS-Pendant Axel Weber will ein Jahr später gehen. Für Rohner ist die Suche des Rivalen dabei ein Problem: Valable Kandidaten sind ohnehin dünn gesät, und jeder von ihnen wäre auch ein Anwärter auf den besser bezahlten UBS-Job. Dort lockt das mit sechs Millionen Franken höchstbesoldete Bankenpräsidium der Welt. Bei der CS gibt es nur karge vier Millionen.

Die Besetzung ist schwieriger als bei anderen SMI-Konzernen. Denn anders als etwa ein neuer Roche- oder ABB-Präsident benötigt ein Bankvorsteher die Zustimmung der Finma. Dass diese nicht immer einfach zu erhalten ist, musste Rohner selbst erfahren: Die Aufseher lies­sen ihn trotz fünf Jahren in der Konzernleitung nicht direkt auf den Präsidentensessel wechseln – er musste erst zwei Jahre als Vize absitzen, bevor er 2011 das Präsidium übernahm.

In einem Punkt hat der 60-Jährige jedoch einen Vorteil: Die ungeschriebene Regel, dass ein Teil des Führungsduos aus Präsident und CEO den Schweizer Pass haben sollte, hat seine Bank mit der Wahl des Zürchers Thomas Gottstein zum neuen CEO gelöst. Für die UBS mit ihrem neuen holländischen CEO Ralph Hamers erschwert das die Nachfolgesuche: Gerade weil die CS derzeit die Swissness so geschickt spielt, wäre die Wahl eines Ausländers heikel.

Bankrebell Ralph Hamers

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Erfolgreicher Zurich-Chef als Kandidat

Das senkt die Chancen des neuen Vizepräsidenten Jeremy Anderson – der 62-jährige Ex-KPMG-Mann ist Brite. Von aussen wird immer wieder Ex-Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand ins Spiel gebracht. Doch seine Anhängerschaft ist in beiden Verwaltungsräten klein – zu sehr sucht er das Licht. Besser ­passen würde Mario Greco: Der 61-Jährige hat den Turnaround bei der «Zürich» geschafft, und Schweizer werden will er auch.

Bei der CS kommen zwei weniger ehrgeizige Lösungen ins Spiel. Da ist einmal der schweizerisch-deutsche Doppelbürger Ulrich Körner, gerade bei der UBS ausgeschieden, doch davor lange bei der CS. Mit seiner spröden Art dürfte er zwar beim Nominierungskomitee kaum punkten, und die Gerüchte sind dann auch verstummt. Doch der Taktiker Rohner schätzt seine Fachkompetenz, auch Gottstein sollte Gefallen an der Lösung finden, und die Finma würde ihn problemlos durchwinken. Als interner Kandidat käme ein Rohner-Zögling in Frage: Romeo Cerutti, der Rohner als Chefjurist beerbte und mit allen ­Innereien der Bank vertraut ist.

UBS-Schweiz-Chef als valable interne Lösung

Bei der UBS gäbe es auch eine valable interne Lösung: Schweiz-Chef Axel Lehmann. Der 61-Jährige gehörte bereits dem Verwaltungsrat an, führt das Geschäft eher präsidial und wirkt gegenüber dem neuen CEO kaum bedrohlich.

Und dann geistert noch eine Variante herum: Thomas Jordan. Die Amtszeit des Nationalbank-Chefs endet im nächsten Jahr. Der inter­national hoch angesehene Notenbanker wäre eine Zierde für beide Banken. Allerdings müsste er wohl mindestens ein Jahr in den Ausstand treten. Realistisch ist das kaum. Aber es zeigt vor allem, wie dünn das Kandidatenfeld ist.

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UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann, Zurich-CEO Mario Greco und Ulrich Kröner, Ex-Konzernleitungsmitglied UBS und CS (v.l.).

Quelle: Bloomberg; Anne Gabriel-Jürgens / 13 Photo; Matthew Worden
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