Die UBS hat Dutzenden Angestellten wegen Steuer-Ermittlungen untersagt, nach Frankreich zu reisen. Die Bank habe das Reiseverbot für bestimmte Mitarbeiter ihrer Vermögensverwaltung vor Ostern ausgesprochen, berichtete Schweizer Radio RTS unter Berufung auf nicht genannte Quellen. Das Verbot gelte bis auf weiteres. Wer sich nicht daran halte, könne seinen Job verlieren. Eine UBS-Sprecherin kommentierte den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nicht. «Eine Untersuchung ist im Gange, und wir kooperieren mit den französischen Behörden», sagte sie lediglich.

Die Bank steht in Frankreich seit längerer Zeit unter Druck, da auch dort Ermittlungen laufen, ob die UBS aktiv auf französischem Boden Kunden zum Steuerbetrug verhalf. Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum in gleicher Sache, in den USA konnte die Bank wegen unversteuerter Gelder ihrer US-Klientel die Geschichte mit einem Vergleich von 780 Millionen Dollar aus der Welt schaffen.

Schon früher Reiseverzicht

Im Zusammenhang mit Steuerermittlungen in den USA wurde 2013 der frühere UBS-Spitzenmanager Raimond Weil im Urlaub in Bologna verhaftet und nach zwei Monaten in einem italienischen Gefängnis Mitte Dezember an die USA ausgeliefert.

«Freiwillige» Reiseverzichte nach Frankreich soll es für UBS-Angestellte laut der Ex-UBS-Mitarbeiterin Stéphanie Gibaud aber schon länger geben. So berichtete sie, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt die sonst häufig in Paris und anderen Städten anzutreffenden Schweizer aus Lausanne und Genf plötzlich nicht mehr auftauchten. Jedoch seien einige Kundenberater inkognito etwa ans Grand-Slam-Turnier, das French Open gepilgert, um ihre Klienten zu besuchen.

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Die Anti-Frankreich-Direktive steht in scharfem Kontrast zu Kommentaren des UBS-Frankreich-Chefs Jean-Frédéric de Leusse, der die Vorwürfe in einem Enthüllungsbuch zu den Steuerpraktiken und der Situation bei UBS Paris in Bausch und Bogen bestritt. Er verniedlichte sie sogar geradezu. De Leusse stellte Gibaud als eine Person hin, die einzig und allein ihre persönlichen Vorteile auf Kosten der UBS sucht.
Klar ist: Die UBS ist schon lange alles andere als cool. Gibts wirklich Ärger in Frankreich, wird der Wind so richtig eisig. Das Resultat werden die Aktionäre in Zürich spüren. Prognose? Schüttelfrost!