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UBS-Weber: Kein Steuerbetrug, kein Libor-Vergleich

Axel Weber geht in Deutschland in die Offensive. (Bild: Keystone)

Der Verwaltungsratspräsident der UBS, Axel Weber, wehrt sich in Deutschland gegen die Vorwürfe, die Grossbank unterstütze Kunden bei der Steuerhinterziehung.

Veröffentlicht am 16.08.2012

Verwaltungsratspräsident Axel Weber bricht nach Tagen das Schweigen - zumindest in Deutschland. Gegenüber dem «Handelsblatt» sagte er: «Die UBS hilft keinem Kunden dabei, sich Steuerpflichten zu entziehen».

Die UBS verpflichte alle ihre Mitarbeiter im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft, die gesetzlichen Grundlagen einzuhalten. «Wer dagegen verstösst, wird hart sanktioniert», betonte Weber. Zu den jüngsten Vorwürfen gegen die UBS sagte der ehemalige Präsident der deutschen Bundesbank, man habe «die Vorgänge intern sehr sorgfältig geprüft».

Weber beteuerte zudem, die Bank helfe nicht mit, das Steuerabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland zu hintergehen. Die UBS unterstütze das Abkommen. Damit könnten die Probleme der Vergangenheit gelöst werden: «Es ist der richtige Weg, endlich einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen.»

Libor: Disziplinarische Konsequenzen

Weber äusserte sich zudem zur Rolle der UBS in der Libor-Affäre. Er verneinte, dass die Bank Gespräche mit den Behörden über einen Vergleich führe.

Die schweizerische Grossbank befindet sich im Libor-Skandal anders als der britische Konkurrent Barclays aktuell nicht in Vergleichsverhandlungen mit den Aufsichtsbehörden. Das sagte der UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber dem «Handelsblatt». Die UBS sei eine der ersten Banken gewesen, die 2010 Verdachtsmomente an die Behörden gemeldet hätten.

Die Bank habe mögliche Beeinflussungen intern untersucht, so Weber. Die Untersuchungen deckten die Zeit von 2005 bis 2010 ab. «Wir haben disziplinarische und organisatorische Konsequenzen gezogen», erklärte er, ohne konkretere Angaben dazu zu machen.

Details wollte er «aus aufsichtsrechtlichen Gründen» nicht nennen. Zu den Ergebnissen der Untersuchung steht das Institut laut Weber in ständigem Kontakt mit den Wettbewerbs- und Aufsichtbehörden.

Veränderungen viel umfassender als angenommen

Weber mahnte mit Blick auf die Zinsmanipulationen einen Kulturwandel in der Bankbranche an: «Ich bin davon überzeugt, dass der Veränderungsprozess in der Bankenbranche viel umfassender ist, als viele das heute wahrhaben wollen.» Er betonte, dass die Branche neues Vertrauen aufbauen müsse. «Das geht nur über einen grundlegenden Strukturwandel in der Finanzindustrie.»

Dabei werde es auch schmerzliche Strukturveränderungen geben. «Diejenigen, die zu lange an die Rückkehr der Vergangenheit glauben, werden meines Erachtens in der Zukunftsgestaltung hinterherhinken», sagte Weber. Es werde eine Rückbesinnung auf das Primärgeschäft geben, die Beratung und Finanzierung von Unternehmen. «In Zukunft wird es für Banker wieder wichtiger sein, ob man den Kunden kennt.» Derivategeschäfte würden hingegen eine geringere Rolle spielen. «Solange die Kunden das Gefühl haben, die Bank betreibe Geschäfte nur aus Eigennutz und nicht für den Kunden, wird kein neues Vertrauen aufgebaut.»

Eigenhandel praktisch eingestellt

Die UBS verkleinert als einen ersten Schritt ihr Investmentbanking. «Den Eigenhandel haben wir praktisch schon eingestellt«, sagte Weber. Eine Zerschlagung der Universalbanken als Folge aus den Skandalen im Investmentbanking lehnt Weber aber ab. Solange Fehlanreize ausgeschlossen würden, Risiken im Investmentbanking zu Lasten der Kunden im Privatkundengeschäft einzugehen, spreche vieles für das Universalbankensystem.

(chb/muv/sda/awp)

 

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