Der Pharmakonzern Novartis unterhält intensive Kontakte mit den renommiertesten MBA-Adressen. Dazu gehören das IMD in Lausanne, die Universitäten St. Gallen, Harvard und Wharton in den USA und die Indian School of Business. Mit der Eliteschule Insead im französischen Fontainebleau hat Novartis gar ein speziell auf die eigenen Bedürfnisse konfektioniertes Programm entwickelt. Die Teilnehmer werden trainiert, um schliesslich im Konzern eine CFO-Position ansteuern zu können. «Dieser MBA erfolgt berufsbegleitend über fünf bis sechs Jahre, wobei die Kandidaten durch ein strenges Auswahlverfahren gehen müssen», erklärt Firmensprecher Satoshi Sugimoto.

Der Pharmakonzern delegiert auch immer wieder eigene Leute als Gastdozenten nach Fontainebleau und nimmt in den eigenen Werken Studenten des Insead für zwei- oder dreimonatige Projektarbeiten auf.

Keine direkte Beeinflussung

Ebenfalls intensive Beziehungen mit den beiden Ausbildungsstätten IMD und Insead pflegt der Liftbauer Schindler. «Allerdings geht es dabei nicht um die regulären MBA-Ausbildungen, sondern um Programme, die speziell für unsere Mitarbeiter, teils mit Dozenten aus unserem Unternehmen, entwickelt werden», präzisiert Firmensprecher Riccardo Biffi. Der Konzern nutzt auch die Kontakte im Rahmen der Präsentations- und Rekrutierungsanlässe an den verschiedenen Hochschulen für ein Feedback zum Aus- und Weiterbildungsangebot. «Eine eigentliche Einflussnahme auf das Ausbildungsprogramm erfolgt dabei aber nicht», stellt Biffi klar.

Ähnlich zurückhaltend äussern sich die ABB und der Roche-Konzern. «Wir stehen zwar mit verschiedenen MBA-Anbietern in Kontakt, aber wir lassen vor allem unsere Teilnehmer sprechen, deren Vorschläge fliessen direkt über die Feedback-Bogen an die Schulen zurück», sagt Lukas Inderfurth, Sprecher von ABB Schweiz. Darüber hinaus stellt der Konzern MBA-Absolventen immer wieder Fallstudien zur Verfügung. Roche nimmt hin und wieder an Informationsveranstaltungen des IMD und des Insead teil, um sich als Arbeitgeber vorzustellen. «Aber es gibt keine speziellen Allianzen oder Programme zwischen uns und den Schulen», so Sprecher Alexander Klauser.

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Auch die UBS möchte keinesfalls von einer inhaltlichen Einflussnahme reden, obwohl die Bank als Gründungsmitglied eine intensive Beziehung zum Swiss Finance Institute SFI an der Universität Zürich unterhält und für einzelne MBA-Programme Dozenten zur Verfügung stellt. «Generell möchten wir im strategischen Aus- und Weiterbildungsbereich mehr Einfluss nehmen als im allgemeinen Management», gibt UBS-Sprecher Andreas Kern zu bedenken.

Allerdings gehört, wie er einräumt, das EMBA am Swiss Finance Institute (siehe auch Artikel auf Seite 91) zusammen mit der New York University eben gerade zu den strategischen Ausbildungen. Also ist es klar, dass bei dessen Gestaltung die UBS doch ein Wörtchen mitredet, auch wenn man den Einfluss nicht an die grosse Glocke hängt.

Wünsche willkommen

Weniger Geheimniskrämerei aus der Zusammenarbeit mit den Unternehmen machen die MBA-Anbieter selber. Schliesslich können sie damit zeigen, dass sie Praxisnähe bieten und sogar besondere inhaltliche Wünsche erfüllen. «Mit der Schweizerischen Post werden wir ab Ende September den Leistungsnachweis Managementberatung durchführen», erklärt zum Beispiel Erik Nagel, MBA-Leiter der Hochschule Luzern Wirtschaft. Für diese Zusammenarbeit wurden fünf Mandate definiert, die von Studierendenteams in den kommenden Monaten bearbeitet werden. Im intensiven Dialog mit den Firmen Schurter und Komax sowie dem CSEM-Forschungszentrum ist in Luzern zudem der Unterrichtsblock «Innovation & Technologie» gestaltet worden. Um die Führungskräfte auf die globalen Herausforderungen, denen selbst KMU-Geschäftsleitungen immer stärker ausgesetzt sind, noch besser vorzubereiten, hat man in Luzern auf vielseitigen Wunsch internationales und interkulturelles Management in den Stundenplan aufgenommen.

Auch am Executive MBA der Uni Zürich hat sich aus dem Dialog mit der Wirtschaft und mit Alumni gezeigt, dass Intercultural Management immer wichtiger wird. «Wir thematisieren deshalb in mehreren Modulen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Systeme und die Zusammenarbeit in multikulturellen Teams», sagt Geschäftsführer Michel Fischer. Ebenfalls auf ein Bedürfnis der Wirtschaft hat man mit der Verkürzung des EMBA von 24 auf 18 Monate reagiert.