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«Übereifriger» Manager verlässt Deutsche Bank

Deutsche Bank: Eilt von Eklat zu Eklat. Keystone

Die Deutsche Bank schasst den Skandalbeauftragten, weil er selbst zunehmend zum Skandal wurde. Zahlreiche Top-Manager haben sich öffentlich gegen das Verwaltungsratsmitglied ausgesprochen.

Veröffentlicht am 29.04.2016

Nach öffentlich geäusserter Kritik anderer Führungskräfte verlässt der für die Skandalaufarbeitung zuständige Verwaltungsrat Georg Thoma die Deutsche Bank. Thomas Tätigkeit im Kontrollgremium ende zum 28. Mai, teilte Deutschlands grösste Bank mit.

Den Integritätsausschuss, dem er bisher vorsass, verlasse Thoma mit sofortiger Wirkung. Er hatte das Unternehmen demnach am Donnerstag darüber informiert, dass er gehen werde.

Tausende Streitigkeiten

Thoma war seit 2013 Mitglied des Verwaltungsrats. Sein Vertrag lief eigentlich noch bis 2018. An der Spitze des Integritätsausschusses befasste sich Thoma mit der Bewältigung diverser Skandale bei der Bank.

Das Unternehmen ist in tausende rechtliche Auseinandersetzungen verwickelt. Rückstellungen für die Rechtsstreitigkeiten hatten einen bedeutenden Anteil daran, dass die Bank im vergangenen Jahr einen Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro verbuchen musste.

«Übereifer»

Der Integritätsausschuss soll sich laut Deutscher Bank unter anderem darum kümmern, dass das Institut «Rechtsvorschriften, behördliche Regelungen und interne Richtlinien einhält», und «ehrbares und sittliches Verhalten» innerhalb und ausserhalb des Unternehmens fördern. Doch der Ausschussvorsitzende Thoma war zuletzt offenbar bei seinen Kollegen angeeckt..

«Mit seinem Übereifer und der juristischen Selbstverwirklichung stösst Dr. Thoma zunehmend auf Kritik», sagte der Betriebsratschef und Vizepräsident des Verwaltungsrats, Alfred Herling, der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Thoma fordere immer breitere Untersuchungen und lasse «immer noch mehr Anwälte aufmarschieren».

US-Juristin rückt nach

Vorerst übernimmt die US-Juristin Louise Parent den Vorsitz des Integritätsausschusses, wie die Bank mitteilte. Parent, die seit 2014 im Aufsichtsgremium sitzt, werde dabei von Verwaltungsrat Johannes Theyssen unterstützt.

Die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Thoma habe bereits begonnen.

(sda/ise)

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