Das Geschäft mit Firmenfusionen und Zusammenschlüssen (Mergers & Acquisitions, M&A) hat im 1. Quartal 2009 einen Tiefpunkt erreicht. Verglichen mit dem Vorjahresquartal ist die Zahl der Transaktionen um 35% zurückgegangen, von 174 auf 113. Im gleichen Umfang hat sich das Transaktionsvolumen verringert, von 6,2 Mrd Fr. auf knapp 4 Mrd Fr. (-35,8%). Dies geht aus der exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Übersicht des M&A-Unternehmens The Corporate Finance Group hervor.

Psychologie stärker als Fakten

«Die Akteure sind nach wie vor verunsichert und folgen der Herde», beschreibt Marc Möckli, Partner bei The Corporate Finance Group, die gegenwärtige Stimmungslage. «Wie nach dem Platzen der Internetblase gehen mit den Börsenbewertungen die M&A-Aktivitäten zurück.» Die Marktteilnehmer verhielten sich prozyklisch, dabei seien im jetzigen Marktumfeld strategisch sinnvolle Transaktionen zu vernünftigen Preisen möglich.

Möckli weist ferner auf wissenschaftliche Untersuchungen hin, wonach Transaktionen in schwierigen Börsenzeiten die besseren Resultate bringen. «Aber momentan überwiegt die Psychologie und nicht die Fakten.»

Die Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Konjunktur und der Finanzmärkte ist denn auch das grösste Problem der Branche. Das erschwert die Unternehmensbewertungen und lässt die Akteure noch vorsichtiger werden. Kommt hinzu, dass Verkäufer zum Teil immer noch die relativ hohen Preiserwartungen der vergangenen Jahre im Kopf haben.

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Möckli geht davon aus, dass das 2. Quartal nochmals einen starken Rückgang der Anzahl Transaktionen mit sich bringt. «Danach sollte sich die Lage langsam stabilisieren. Diese Einschätzung wird von Lauric Barbier, Partner bei Helbling Corporate Finance, geteilt: «In der Schweiz könnte noch in diesem Jahr eine leichte Trendwende eintreten.»

Erholung im 2. Halbjahr 2009?

Barbier stützt seine Einschätzung auf vier Punkte. Erstens sind bisher erst wenig Anzeichen erkennbar, dass die grösseren Schweizer Banken grundsätzlich keine Akquisitionen mehr finanzieren. Vor allem Unternehmen, die nach wie vor über gesunde Ertragsperspektiven und eine solide Bilanzstruktur verfügen, befinden sich in einer guten Postion, Fremdmittel aufzunehmen.

Zweitens haben Schweizer Unternehmen im globalen Vergleich eine gesunde Finanzierungsstruktur. Häufig sind gar erhebliche Nettocashpositionen verfügbar. Falls sich Anzeichen für eine Beruhigung der Wirtschaft bemerkbar machen, sind Schweizer Unternehmen sehr gut positioniert. Drittens befindet sich der Wert der Unternehmen auf einem Tief, weshalb es potenzielle Käufer kaum erwarten können, wieder einzusteigen. Viertens könnten sich laut Barbier aufgrund der guten relativen Positionierung von Schweizer Unternehmen im Vergleich zum Ausland im Outbond-Markt gute Chancen ergeben: Schweizer Firmen kaufen ausländische.