Die Braut könnte hübscher sein. Während der US-amerikanische Mischkonzern General Electric und der deutsche Konkurrent Siemens um Alstom buhlen, legen die Franzosen miese Zahlen vor.

Mitten im Übernahmekampf muss der französische Hersteller von Kraftwerkstechnik und Hochgeschwindigkeitszügen einen Gewinneinbruch melden. Das Nettoergebnis im Geschäftsjahr 2013/14 (31. März) fiel im Vorjahresvergleich um 28 Prozent auf 556 Millionen Euro.

Keine Dividende

Alstom-Chef Patrick Kron begründete den Rückgang in Paris mit höheren Kosten für Restrukturierung und Finanzierung. Der Umsatz stieg ohne Währungseffekte oder Zu- und Verkäufe um vier Prozent auf 20,3 Milliarden Euro. Wegen der schlechten Gewinnzahlen zahlt Alstom seinen Aktionären dieses Jahr keine Dividende aus.

Alstom Schweiz steuerte 2,5 Milliarden Euro zum Umsatz bei. Das sind rund 5 Prozent mehr als im Geschäftsjahr davor. Der Auftragseingang ging indes um 19 Prozent zurück. Grund dafür war der Rückgang der Nachfrage nach schlüsselfertigen thermischen Kraftwerken, schreibt Alstom Schweiz.

Alstom-Mitarbeiter im Aargau vor ungewisser Zukunft

Für den Kanton Aargau ist Alstom mit den Standorten Baden, Birr und Oberentfelden der wichtigste Arbeitgeber. Ein weiterer Standort betreibt Alstom in Neuhausen SH. Inwiefern eine Übernahme Folgen für die Schweiz und die rund 6500 Mitarbeiter hätte, ist noch nicht bekannt.

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Alstom liegt ein Übernahmeangebot des US-Mischkonzerns General Electric (GE) für die Energiesparte vor. Die Amerikaner wollen dafür 12,35 Milliarden Euro zahlen. Die französische Regierung hat Anfang der Woche Nachbesserungen gefordert und zudem ein Angebot auch für die Verkehrssparte von Alstom verlangt.

Siemens stellt Bedingungen

Auch der deutsche GE-Konkurrent Siemens will ein Angebot vorlegen, unter der Bedingung, dass das Unternehmen zuvor Einblick in die Bücher von Alstom bekommt.

Grosse öffentliche Verkehrsunternehmen in Frankreich verlangen unterdessen eine gesicherte Zukunft der Transportsparte von Alstom. In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich die französische Bahn SNCF, der Pariser Regionalanbieter RATP und der Schienennetzbetreiber RFF für die Stärkung eines europäischen und globalen Netzwerkes aus.

Ziel müsse ein international wettbewerbsfähiger Anbieter sein. Alle drei Verkehrsbetriebe sind staatliche Unternehmen. In der Verkehrstechnik konkurriert der französische TGV von Alstom mit dem deutschen ICE von Siemens. Im Übernahmepoker um Alstom hat Siemens sein Bahngeschäft im Tausch gegen die Energietechniksparte der Franzosen angeboten.

(sda/dbe/sim)